Freitag, 19. Oktober 2012

Vanessa und der Feenkönig


Es  war eine kleine Hochzeit, an der nur die Eltern von Michael und Lilofee und Immerzerstreut teilgenommen haben.
Michael nimmt eine Stelle als Tierarzt in der Tierklinik in Burghausen an und sie kaufen sich ein hübsches kleines Haus mit Garten. Bald wird Peter geboren und zwei Jahre später Vanessa.






Vanessa und der Feenkönig


Die ersten Sonnenstrahlen spitzen bereits durch die Fensterscheiben und Vanessa streckt sich genüsslich im Bett.
Heute ist ja Muttertag!“ fällt ihr ein und Teddy brummt , weil er im Schlaf gestört wurde.
Leichtfüßig springt das Mädchen aus dem Bett und tapst barfuß in Peters Zimmer.
Kopfschüttelnd sieht Vanessa sich um, was war der Peter doch schlampig.
Sein Zimmer sieht wieder schrecklich aus.
Das Mädchen kickt den roten Ball in die Ecke, steigt vorsichtig über das Feuerwehrauto und wäre noch beinahe über den Baukasten gestolpert.
Peter schläft noch tief und Vanessa bedauert, dass sie ihn wecken muss.
Vorsichtig packt sie ihn an der Schulter.
Peter knurrt, „Lass mich in Ruhe!“ und schüttelt ihre Hand ab.
Da zieht ihm seine Schwester einfach die Decke weg.
Wie der Blitz springt der Junge auf und sieht sie wütend an.
Vorsichtshalber tritt Vanessa einen Schritt zurück.
Peter, heute ist doch Muttertag.“
Mürrisch verlässt der Junge das Bett.
Wenig später schleichen sie aus dem Haus, klettern über den Gartenzaun und rennen den Hang hinunter auf die Wiese vom Bauern Moser.
Lachend laufen sie barfuß durch das taufrische Gras und bald hat jeder von ihnen einen bunten Strauß gepflückt.
Während Susi noch einige Wiesenschwengel sucht, setzt Peter sich ins Gras und mault.
Wir haben doch genug Blumen, was willst du noch mit diesem Gras!“
Es sieht hübsch aus, wenn wir die Wiesenschwengel zwischen die Blumen stecken,“ ruft Vanessa, die sich schon weiter entfernt hat.
Peter stützt die Ellbogen auf die Knie und legt den Kopf in die Hände.
Mitten in seine Gedanken hört er einen schwachen Hilferuf.
Neugierig sieht er sich um, spielte ihm seine Fantasie einen Streich?
Da, wieder hört er es. „Hilfe, Hilfe!“
Vorsichtig bückt sich der Junge nach vorn und bemerkt einen Schmetterling, der in einem Spinnennetz hängt und verzweifelt versucht loszukommen.
Doch je mehr er zappelt, umso fester legen sich die feinen klebrigen Fäden um seinen Körper.
Am Ende des Spinnennetzes sitzt eine dicke schwarze Spinne, die sich jetzt langsam in Bewegung setzt.
Der kleine Schmetterling kämpft verzweifelt gegen die heimtückischen Stricke … und das Ungeheuer kommt immer näher.
Peter sieht sich suchend nach einem Stöckchen um, dann fällt ihm sein Taschenmesser ein.
Schnell klappt er es auf und durchtrennt das Spinnennetz und beide purzeln auf die Erde.
Während die Spinne auf ihren acht Beinen schnell davon läuft, bleibt der Schmetterling jammernd auf dem Boden liegen.
Auweh, ausweiohwei! Ich habe überall blaue Flecken, hättest du nicht besser aufpassen können?“
Du bist gut, mir blieb schließlich nicht viel Zeit,“ empört sich Peter.
Ja, ja, ist ja schon gut, vielen Dank auch, aber könntest du mich jetzt von diesen klebrigen Dingern befreien.“
Peter lacht , nimmt den Falter vorsichtig in die Hand und löst ganz sachte die Spinnfäden.
Ach ist das schön!“ Der kleine Geselle dehnt sich.
Beinahe wäre es mit mir aus gewesen.“
Er schüttelt sich bei diesem Gedanken, doch dann lacht er wieder.
Überhaupt schien er ein lustiges Kerlchen zu sein.
Gestatte, dass ich mich vorstelle, Gaukel, königlicher Ballettmeister.“
Er verbeugt sich zierlich.
Peter grinst.
Königlicher Ballettmeister, wo gibt es das denn?“
Nun lache nicht, ich unterrichte die hübschesten Tänzerinnen an König Murzels Hof.“
Peter, mit wem redest du da?“
Vanessa ist unbemerkt näher gekommen.
Der Schmetterling auf Peters Hand verbeugt sich elegant.
Gestatten, Gaukel, königlicher Ballettmeister seiner Hoheit des Zwergenkönigs Murzel.“
Vanessa knickst.
Schönen guten Morgen, Herr Gaukel, freut mich ihre Bekanntschaft zu machen. Aber wo wohnt denn der Zwergenkönig?“
Natürlich im Zwergenreich, unweit des Zauberwaldes, den bisher noch kein Mensch betreten hat.“
Und warum habt ihr das Zauberland verlassen?“
Ich wollte meine Verwandten besuchen, denn ich habe gehört, dass eine meiner Kusinen eine sehr talentierte Tänzerin sein soll.
Oh, ich muss mich beeilen. Adieu!“
Er breitet seine schönen Flügel aus und fliegt von Peters Hand hinauf in den Himmel, dreht eine Runde, wirft ihnen eine Kusshand zu und ist bald ihren Blicken entschwunden.
Doch sie müssen nun zurück, nicht dass die Mutter schon wach ist, bevor sie mir ihrer Überraschung fertig sind.
Geschwind klettern sie wieder über den Zaun und schleichen ins Haus.
Während Peter mit der Kaffeemaschine beschäftigt ist, deckt Vanessa den Tisch.
In der Mitte prangt der wunderschöne Wiesenblumenstrauß und unter der Vase legt das Mädchen die Geschenke.
Sie tritt einen Schritt zurück und betrachtete ihr Werk. Hübsch sieht es aus.
Der Kaffee ist durch,“ meldet Peter aus der Küche.
Hand in Hand huschen sie zur Schlafzimmertür und klopfen an.
Herein!“ ertönt die kräftige Stimme des Vaters.
Die Mutter sitzt aufrecht im Bett und streckt beide Arme aus.
Jubelnd fallen ihr die Kinder um den Hals.
Alles Gute zum Muttertag!“
Danke euch, hier duftet es ja so herrlich nach Kaffee.“
Verena hatte das Mauscheln in der Küche längst gehört.
Die Kinder zerren sie aus dem Bett.
Überrascht steht diese wenig später vor dem hübsch gedeckten Tisch, sie drückt ihre Kinder an sich und wechselt einen zärtlichen Blick mit Michael.
Ja Verena war sehr glücklich mit ihrer kleinen Familie.






1 Kommentar:

  1. Liebe Lore,
    wie wunderschön diese Geschichte ist und das allerschönste daran ist, dass sie ja noch weitergeht.
    Die Szene mit dem Schmetterling gefällt mir so gut, dass ich sie richtig vor mir sehen konnte. Unheimlich schön!

    Liebe Grüße
    Regina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.