Samstag, 27. Oktober 2012

Nur ein Päckchen Kaffee (Teil 1)




Nur ein Päckchen Kaffee

Schlendert man durch das Städtchen R über die schöne geschwungene Brücke, gelangt man in die Altstadt.
Hier sind die Häuser nicht mehr so gepflegt und man sieht ihnen an, dass der Zahn der Zeit kräftig an ihnen genagt hat.
Ganz am Ende der Straße steht ein großer Block mit sechs Wohnungen.
Er gehört der Stadt und die Mieter, die bereits mehr als 40 Jahre hier wohnen, gehören zu den Einkommen schwachen.
Dementsprechend niedrig ist auch die Miete.
Doch in den letzten Jahren sind die Mietpreise explodiert und auch die Stadtverwaltung überlegt, sich der Zeit anzupassen.
Daher grenzt es fast an ein Wunder, als eine Bau-Genossenschaft an die Stadt herantrat , um das alte Gemäuer zu kaufen.
Bei einer Mieterversammlung wurden die Bewohner in Kenntnis gesetzt, dass das Haus renoviert würde und sie vorübergehend ausziehen mussten. Der Umzug würde natürlich bezahlt werden. Wer nach der Sanierung zurück kommen möchte, müsste allerdings mit einer größeren Miete rechnen.

Ganz oben in einer kleinen Dachwohnung lebt Fräulein Lieschen Krämer.
Ein altes Fräulein, bescheiden, schüchtern und arm.
Jahrelang hatte sie ihre schwerkranke Mutter gepflegt und ging nebenbei noch putzen.
Nun stand sie da mit 585€ Rente.
Als ihre Mutter noch lebte, die ihre Kriegsrente hatte, ging es beiden relativ gut.
Doch nun musste sie doch sehr sparsam mit dem Geld wirtschaften und war froh, dass sie nach dem Tod er Mutter die so billige kleine Wohnung behalten konnte.
250€ Miete musste sie bezahlen, das war sehr wenig, denn in den vergangenen Jahren sind die Preise für Wohnungen, auch wenn sie so klein wie ihre waren, sehr gestiegen.
Und wenn sie sich nun eine neue Wohnung suchen sollte, wie die Bau-Genossenschaft verlangte, dann würde das wohl ihre ganze Rente verschlingen.
Als sie schüchtern ihre Sorge vorgetragen hatte, meinte der Herr von der BG:
Sie können ja Wohngeld beantragen!“
Daraufhin setzte das alte Fräulein sich still auf ihren Platz und war sehr besorgt. Wusste sie doch gar nicht wie man das machte und sie kannte doch auch niemanden, den sie fragen konnte.
Also war sie nach der Mieterversammlung traurig in ihre kleine Wohnung unter dem Dach gegangen, verwirrt und voller Sorgen.


Müde erhebt sich Fräulein Lieschen und schlüpft in ihre ausgelatschten Pantoffeln.
Kurz fährt sie sich mit der Hand über den schmerzenden Rücken.
Die Matratze war eben schon alt, aber wenn sie einige Zeit lief, dann vergingen die Schmerzen.
Sie schlurft ins Bad .
Wenig später kommt sie wieder heraus, noch immer im Morgenmantel, aber frisch und sauber,
und die langen grauen Haare, die ihr bis zur Hüfte reichten, zu einem ordentlichen Knoten aufgesteckt.
Sie sieht auf die Uhr. 8.30! Zeit fürs Frühstück.
Die Sonne blinkt schon durch die blank geputzten Scheiben.
Nachdem sie den Wasserkessel auf den Gasherd gestellt hat, öffnet sie das kleine Fenster mit den hübschen zierlichen Gardinen und sieht über die Dächer von R.
Sie liebt diesen Blick über die Stadt und sie freut sich, dass heute die Luft so klar ist, dass man in der Ferne die Berge schimmern sieht.
Ein paar Spatzen sitzen in der Dachrinne und tschilpen laut.
Lieschen lächelt und eilt zum Brotkasten, nimmt das Brot heraus und sucht in der Schublade nach dem Messer.
Da verkündet ein schrilles Pfeifen, dass das Wasser kocht.
Schnell legt sie das Messer beiseite, dreht den Gashahn ab und füllt in die frische Tasse, in der sie den gebrauchten Teebeutel von gestern gehängt hat,
das kochende Wasser.
Einen Teebeutel konnte man ruhig zweimal benutzen hatte ihre sparsame Mutter ihr beigebracht.
Fräulein Lieschen stellt die dampfende Tasse auf den Tisch, und holt Margarine und Honig aus dem Kühlschrank.
Dann schneidet sie drei dünne Scheiben Brot ab.
Zwei davon legt sie auf einen Teller.
Von der dritten Scheibe löst die Rinde und legt sie in den Brotkasten zu den anderen.
Die würde sie heute Mittag rösten und zu ihrer Suppe geben.
Sie zerbröselt das Weiche des Brotes und streut es auf die Fensterbank.
Als hätten sie nur darauf gewartet stürzen sich die Spatzen lautstark schimpfend über die Krümmel.
Lieschen beobachtet ihre gefiederten Freunde vergnügt, während sie ebenfalls ihr Frühstück verzehrt.
Ein Blick auf den Kalender zeigt ihr, dass heute der 29. April ist.
Am Montag war Feiertag, der 1. Mai, dann kam die Rente erst am Dienstag. Also musste das Geld für drei Tage reichen.
Sie holt den alten braunen, an den Ecken abgestoßenen Geldbeutel aus der Schublade und schüttet seinen Inhalt auf den Tisch.
Sorgsam zählt sie die Münzen.
Es sind 3 € und 87 Cent.
Kurz überlegt sie:
Honig und Margarine würden noch reichen, brauchte sie also nur noch Brot. Heute würde sie eine Kartoffelsuppe machen, Kartoffeln hatte sie noch, und die gerösteten Brotrinden darüber streuen. Wenn sie gleich mehr machte, dann reichte es auch für Morgen.
Vergnügt lacht sie.
Aber was sollte sie am Montag kochen? Es sollte schon etwas Besonderes sein, denn da war ihr Geburtstag.
Sie hatte doch noch zwei Eier im Kühlschrank, die würden reichen für ein feines Omelett und zur Feier Tages könnte sie sich ein Glas Pilze gönnen und einen schönen Kopfsalat. Was für ein Festmahl.
Und abends eine feine Quarkspeise.
Ihre Gedanken schweiften in die Vergangenheit.
Wie schön waren ihre Geburtstage immer solange ihre Mutter noch lebte.
Mama hatte für sie immer ihren Lieblingskuchen „Schwarzwälderkirsch „ gebacken und dazu gab es echten Bohnenkaffee.
Sie glaubte den Duft dieses herrlichen Getränks in der Nase zu spüren.
Seit ihre Mutter vor zwei Jahren gestorben war, konnte sie sich keinen Bohnenkaffee mehr leisten.
Schnell schüttelt sie die drüben Gedanken ab und schreibt ihren Einkaszettel.
Einkaufszettel

Brot 1,19 € 3,87€
Pilze -,79 € - 2,76€
Salat -,40 € 1,11€ Rest
Quark -,38 €
Summe 2,76 €

Lieschen muss lachen als sie die Endsumme sieht.
Dreimal die Eins!
Die Zahl sollte ihr eigentlich Glück bringen.
Sie verschwindet im Schlafzimmer und kommt bald darauf altmodisch, aber adrett und sauber gekleidet wieder zum Vorschein.
Sie schließt das Fenster, wo die Spatzen inzwischen verschwunden sind, zieht vor dem Spiegel im Flur ihr altmodisches kleines Hütchen auf, legt Geldbeutel und Einkaufszettel in die Tasche und verlässt die Wohnung.
Vorsichtig hält sie sich am Geländer fest, als sie die abgetretenen Holzstufen hinunter geht.
Einen Moment blinzelt sie geblendet, als sie von dem halbdunklem Flur in das helle Sonnenlicht tritt.
Dann geht sie mit forschen Schritten zum Kaufhaus, holt sich einen Wagen und beginnt ihren kleinen Einkauf.
Sorgfältig prüft sie, ob sich die Preise auch nicht geändert haben, damit sie an der Kasse nicht in Verlegenheit geriet.
Durch die langen Gänge schiebt sie ihren Wagen in Richtung Kasse.
Da erfasst ihre Nase den feinen Duft von Kaffee.
Rechts und links sind die Regale gefüllt mit Kaffeepäckchen, in bunten Farben und in allen möglichen Sorten.
Nur mal so aus Neugier schiebt Lieschen ihren Wagen näher heran. Sie wollte doch einmal die Preise studieren.
Da erblickt sie die Sorte, die ihre Mutter immer gekauft hatte und langsam, als wäre es eine große Kostbarkeit nimmt sie das Päckchen Kaffee in die Hand.
Sie schielt auf den Preis und seufzt.
Unbezahlbar für sie!
Die schöne Zeit mit ihrer Mutter, die bescheiden doch ohne Not waren und die wunderbaren Geburtstage, die diese ihr immer bereitet hatte, all dies ging ihr durch den Kopf.
Und auf einmal, sie weiß es eigentlich selbst nicht, wie es geschah, war das Kaffeepäckchen in ihrer Tasche verschwunden.
Auf dem Weg zur Kasse lief es ihr plötzlich heiß über den Rücken.
Was hatte sie getan?
Das war ja Diebstahl!
Was war nur über sie gekommen?
Noch nie in ihrem Leben hatte sie etwas Unrechtes getan und nun war sie plötzlich zur Diebin geworden.
Sie öffnet ihre Tasche und holt das grüne Päckchen Kaffee heraus.
In dem Moment legt sich eine schwere Hand auf ihre Schulter.
Lieschen blickt in das Gesicht eines bulligen Mannes.
Kommen sie mit ins Büro, ich habe sie beobachtet, sie wollten diesen Kaffee stehlen!“
Ich, ich, ich ...“, stammelt Lieschen und ihre Augen füllen sich mit Tränen.
Eine junge Frau, die im gegenüberliegenden Regal die Waren studiert, dreht sich zu den Beiden um.
Was ist hier los?“ fragt sie die Stirn runzelnd.
Mischen sie sich nicht ein! Ich bin der Kaufhausdetektiv!“
Ach, und was hat die alte Dame verbrochen?“
Ich habe sie beobachtet, wie sie ein Paket Kaffee in ihrer Tasche verschwinden ließ.“
Die junge Frau überfliegt den kärglichen Einkauf in dem Wagen und den Kaffee in der Hand des vor Angst zitternden Lieschens und meint spöttisch.
Ich sehe nur eine leere Tasche und ein Päckchen in der Hand der Dame. Sieht mir nicht nach einem Diebstahl aus!“
Der Detektiv wird unsicher, trotzdem beharrt er weiterhin:
Ich habe genau gesehen, wie sie den Kaffee in die Tasche steckte!“
Na und? Haben sie noch nie in Gedanken etwas in ihre Tasche gesteckt? Ich suche ständig meine Autoschlüssel, weil ich sie irgendwo hin gesteckt habe.“
Na gut,“ murmelt der Mann, nimmt Lieschen das Paket aus der Hand und legt es in ihren Einkaufswagen.
Dann gehen sie mal zur Kasse!“ brummt er und verschwindet zwischen den Regalen.
Die junge Frau tritt neben das alte Fräulein.
Jutta Zimmermann,“ stellt sie sich vor.
Noch ganz benommen ergreift Lieschen die dargebotene Hand und murmelt leise:
Lieschen Krämer.“
Wunderbar, freut mich, sind sie fertig mit ihren Einkäufen?“ hört sie die frische Stimme von Jutta und nickt.
Ich auch, dann können wir ja gemeinsam zur Kasse gehen.“
Wie im Traum geht Lieschen in Richtung Kasse.
Jutta bleibt direkt hinter ihr, als wollte sie sie beschützen, denn aus den Augenwinkeln hat sie den Kaufhausdetektiv bemerkt, der mit verschränkten Armen in der Nähe der Kasse lungert und die alte Frau nicht aus den Augen lässt
Lieschen aber läuft es heiß und kalt über den Rücken. Was sollte sie nur tun. Sie hatte doch gar nicht soviel Geld dabei, um den Kaffee zu bezahlen.
Sie wirft einen verzweifelten Blick nach hinten in Juttas vergnügt blitzende Augen.
Den Wagen hinter sich herziehend, tritt diese neben sie und murmelt: „ Was ist los?“
Ich habe nicht genügend Geld dabei,“ flüstert Lieschen.
Keine Bange, ich mache das schon!“
Doch das alte Fräulein hört es nicht mehr, denn nun ist sie dran.
Langsam und bedächtig legt sie ihre Waren auf das Laufband.
Jutta beginnt sofort auch ihre Einkäufe auszupacken und mit einer unauffälligen Bewegung schiebt sie das dubiose Kaffeepäckchen zu ihren Waren.
Lieschen merkt es nicht, so benommen ist sie und die Kassiererin muss sie zweimal auffordern.
2€ 76“ „ Wie bitte?“ „2€ 76!“ wiederholt diese nun leicht ungeduldig.
Lieschen sieht zu Jutta, die ihr vergnügt zu zwinkert und entdeckt den Kaffee unter deren
Einkäufen.
Erleichtert atmet sie auf, zählt umständlich das Geld auf die Theke, verstaut ihre Einkäufe in ihrer alten Tasche und schiebt den leeren Wagen hinaus.
Als sie den Einkaufswagen abgestellt hat, verlassen sie ihr Kräfte und sie lässt sich auf die Bank in der Nähe fallen. Ihr zittern die Knie!
Schluchzend legt sie den Kopf in beide Hände. Wie peinlich war das doch gewesen und sie schämt sich so sehr, denn beinahe wäre sie zur Diebin geworden.
Welcher Teufel hatte sie da nur geritten?
Ein Hand legt sich sachte auf ihre Schulter und durch einen Tränenschleier sieht sie die freundliche junge Frau neben sich sitzen.
Sie schnieft und Jutta reicht ihr ein Papiertaschentuch.
Nachdem sich Lieschen kräftig die Nase geputzt hat, lächelt sie Jutta dankbar an.
Wieder besser?“ meint diese freundlich.
Lieschen nickt, doch als Jutta ihr das Päckchen Kaffee hinhält, hebt sie abwehrend beide Hände.
Nein, den haben sie bezahlt. Ich habe ihn nicht verdient!“
Ach Unsinn! Nehmen sie ihn doch, sie können mir ja später einmal das Geld zurück geben, wenn es das ist , was ihnen Kopfzerbrechen macht!“
Doch Lieschen schüttelt nur den Kopf und wird puterrot.
Dann sieht sie der jungen Frau offen ins Gesicht.
Ich wollte den Kaffee wirklich stehlen und habe ihn in die Tasche gesteckt,“ bekennt sie tapfer.
Und warum hatten sie das Päckchen dann in der Hand?“
Weil ich erschrocken über mich selber war und den Kaffee wieder zurück stellen wollte,“ flüstert das alte Mädchen beschämt und senkt den Kopf.
Die junge Frau aber sieht auf das schmächtige, altmodisch gekleidete Fräulein und denkt:
Millionen Euros werden auf der Welt verschoben, betrogen und veruntreut und dieses arme alte Mädchen hat die größten Gewissensbisse, weil sie
sie für einen Moment schwach geworden war.
Jutta legt ihre Hand auf Lieschens nervös spielende Hände und meint:
Ich respektiere es, wenn sie den Kaffee nicht annehmen wollen, aber darf ich sie zu einer Tasse Kaffee einladen. Nicht weit von hier ist ein hübsches kleines Cafe. Sie würden mir eine große Freude machen.“
Sie zieht Lieschen hoch, nimmt ihr die Einkaufstasche ab und ehe sich diese versieht, sitzt sie schon angeschnallt im Auto.
Unterwegs plaudert Jutta ganz zwanglos, erzählt lustige Anekdoten von ihren Kindern, dem fünfjährigen Dirk und der zweijährigen Susanna und langsam entspannt sich Lieschen.
Einmal entschlüpft ihr sogar ein Kichern.
Schwungvoll fährt Jutta auf den Parkplatz und gleich darauf betreten sie den behaglich eingerichteten Raum.
Sie finden einen Tisch gleich neben dem riesigen Kuchenbüfett, das Lieschen mit großen staunenden Augen betrachtet.
Jutta bestellt zwei Kännchen Kaffee und fragt Lieschen welchen Kuchen sie haben möchte.
Diese löst ihren Blick von dem reichhaltigen Büfett und meint schüchtern.
Eine Schwarzwälderkirschtorte.“
Jutta gibt die Bestellung an die Kellnerin weiter und beobachtet wenig später amüsiert, wie Lieschen genussvoll den ersten Schluck Kaffee nimmt und dann andächtig ihren Kuchen verspeist.
Zufrieden lehnt Lieschen sich zurück und strahlt ihr neue Freundin an.
Das war fein, danke!“
Und dann lacht sie plötzlich auf.
Dann haben sie mir doch Glück gebracht!“
Auf den fragenden Blick von Jutta erzählt sie ihr, wie sie heute morgen den Einkaufszettel geschrieben hat und ihr genau noch 1,11€ übrig geblieben sind und sie gedacht hat, die Zahlen müssen ihr doch Glück bringen.
Jutta ist betroffen.
Selbst in einer gut situierten Familie groß geworden, mit einem gut verdienenden Architekten verheiratet, hatte sie sich noch nie Gedanken gemacht, dass es auch Menschen gab, die mit jedem Cent rechnen mussten.
Dabei machte diese schmächtige kleine Person so einen glücklichen, fröhlichen und zufriedenen Eindruck, wirkte weder vergrämt noch verbittert.
Lieschen, die immer mehr Vertrauen zu der freundlichen jungen Frau gewinnt erzählt ihr nun, dass sie am Montag Geburtstag hat und ihre Mutter ihr immer ihren Lieblingskuchen Schwarzwälderkirschtorte gebacken hatte und dazu gab es dann immer guten echten Bohnenkaffee.
Und Jutta erzählt von ihrer Familie und ihrem Wunsch, im September, wenn Dirk in die Schule und Susanna in den Kindergarten kam, wieder zurück in ihren Beruf als Werbezeichnerin zu gehen.
Denn sie könnte da auch viel von zu Hause aus arbeiten und ihr Mann der Architekt war, arbeitet auch manchmal zu Hause und so könnten sie sich dann wegen der Kinder absprechen.
Die Beiden plauderten, als würden sie sich schon lange kennen, längst waren sie zum „Du“ übergegangen.
Dann aber sieht Jutta erschrocken auf die Uhr.
Himmel, ich muss Dirk vom Kindergarten abholen!“
Schnell winkt sie die Kellnerin herbei, zahlt und wenig später sitzen sie im Auto.
Vor dem Wohnblock halten sie.
Frau Kalupke aus dem 2. Stock verlässt eben das Haus und beobachtet, wie Lieschen vorsichtig und etwas umständlich aus dem Auto steigt.
Jutta hupt, hebt grüßend die Hand und braust davon.
Das ist aber ein schöner Wagen, eine Verwandte von Ihnen?“
Nein, eine liebe Freundin,“ antwortet Lieschen freundlich und eilt schnell ins Haus, um weiteren neugierigen Fragen zu entgehen.
In ihrer Wohnung angekommen schlüpft sie erleichtert aus ihren Straßenschuhen und in ihre ausgetretenen Pantoffeln.
Dann setzt sie vorsichtig das Hütchen ab, zieht die Jacke aus, hängt sie ordentlich an die Garderobe und eilt zum Fenster, um es weit zu öffnen.
Tief atmend genießt sie den schönen Blick über die Dächer der Stadt.
Weit hinten flirren die Berge im Sonnenlicht.
Ihr Blick wandert zum Himmel hinauf.
Mama, heute hätte ich beinahe eine große Dummheit gemacht, aber du hast mir einen Engel gesandt,“ flüstert sie leise.


Es geht noch weiter

1 Kommentar:

  1. Man könnte diese rührende Geschichte in die Kategorie "Courths - Mahler - Roman" einordnen, wenn sie nicht allzu wahr wäre, was die Schilderung der Lebensumstände von Lieschen Krämer angeht. Es ist eine Schande für so ein reiches Land wie Deutschland, wie hier viele Rentner/innen leben müssen. Da werden Milliarden verpulvert und verschenkt und die Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen haben, leben unter dem Existenzminimum.
    Das schöne Ende der Geschichte tröstet nur für den Augenblick. Aber wunderbar geschrieben ist sie trotzdem.
    Liebe Grüße Renate / Ritterspornin

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.