Mittwoch, 24. Oktober 2012

Vanessa und der Feenkönig (6)







 Vanessa und der Feenkönig   ( 6 )


Atemlos stürmen die Kinder durch den Wald.
Sie haben keinen Blick für die herrlichen grün goldenen Sprenkel, die Frau Sonne in die Blätter zaubert und hören auch nicht das fröhliche Jubilieren der Vögel, die für die Hochzeit üben.
Sie haben nur Angst zu spät zu kommen.
Endlich erreichen sie Lilofees Garten.
Mume Immerzerstreut steht am Brunnen und bewundert sich im klaren Wasser.
Herrlich ist sie heraus geputzt.
Ihr kunterbuntes Kleid ist mit rosa Rüschen und lila Bändern verziert.
Auf ihrem Kopf thront ein riesengroßer Strohhut, beladen mit Kirschen und Äpfeln.
Uiiii!“ Mit offenem Mund bestaunen die Kinder ihre Großtante.
Lilofee kommt aus dem Haus, neben ihr hüpft Mathilde in den Garten.
Jubelnd laufen ihr die Kinder entgegen.
Bist du wunderschön!“ ruft Vanessa und auch Peter nickt anerkennend.
Lilofee sieht auch bezaubernd aus.
Ein unifarbenes zartgrünes Kleid aus feinster Seide umschmeichelt ihre grazile Gestalt, dazu hat sie ein gleichfarbiges
Band in ihre Haare geflochten.
Madame Spinne und ihre Helferinnen haben sich selbst übertroffen, als sie das Kleid schneiderten.
Ein Wunder, dass sie dies schafften, bei den vielen Aufträgen, denn jeder wollte zur Hochzeit neu eingekleidet werden.

Die kleine Gesellschaft macht sich nun auf den Weg ins Zwergenreich.
Unterwegs schließen sich immer mehr Waldbewohner an und es wird recht lustig.
Vanessa und Peter sind entzückt von all den neuen Freunden.
Schön geschmückt ist das Zwergenreich und auf einer großen Wiese stehen Tische und Bänke.
An den Bäumen hängen Girlanden und die Äste sind voll mit fein heraus geputzten Vögeln.
Eben verlässt das Brautpaar das Schloss von begeisterten Hochrufen empfangen.
Zwergenkinder laufen voraus und streuen Blumen und in einem geschmückten Pavillon wartet mit wichtiger Miene der Bürgermeister.
Königin Rosamund und Amalie, die beiden Mütter, weinen um die Wette, als nach der Trauung das Brautpaar sich küsst.
Dann aber wird gefeiert!
Die Grillen spielen zum Tanz auf und fröhlich dreht sich das kleine Völkchen im Kreise.
Peter und Vanessa schlendern über die Wiese, spielen mit den Zwergenkindern Ringelreihen, tollen mit den Fuchskindern, hören den Vögeln zu und setzen sich etwas müde unter einen Schatten spendenden Baum.
Hier findet sie Lilofee.
Kommt mit, ich möchte euch jemand vorstellen.“
Auf einem großen hölzernen Stuhl sitzt der Feenkönig.
Zwei Diener haben den Stuhl extra vom Schloss hierher getragen, denn die kleinen Stühle der Zwerge sind viel zu klein für ihre Majestät.
Neugierig mustern die Kinder die große Gestalt.
Ein weißer buschiger Bart reicht ihm bis zum obersten Knopf seines blauen Mantels, dicke Augenbrauen geben ihm ein etwas finsteres Aussehen und unwillkürlich klammern sich die Kinder an ihre Tante.
Diese gibt dem alten Mann einen Kuss auf die Wange.
Hallo Papa! Darf ich dir meine Freunde Vanessa und Peter vorstellen?“
Kritisch werden sie betrachtet.
Unter diesem Blick fühlen sie sich ganz klein, wie an Weihnachten, wenn der Nikolaus aus seinem goldenen Buch vorliest.
Vanessa streckt ihre Hand aus:
Guten Tag, ich bin Vanessa und das ist mein Bruder Peter, dürfen wir dich einmal auf deinem Schloss besuchen?“
Lachend ergreift der alte Mann die kleine Kinderhand und sieht auf einmal gar nicht mehr so furchteinflößend aus.
Du bist ja ein keckes kleines Ding,“ etwas nachdenklich fügt er hinzu, „ du erinnerst mich an jemand, aber sagt wie gefällt es euch denn hier.“
Nun taut auch Peter langsam auf und zutraulich setzen sie sich zu ihrem Großvater und plaudern vergnügt mit ihm.
Lilofee entfernt sich lächelnd.
Die Zwerge und Waldbewohner tanzen ausgelassen.
Die Grillen und Vögel musizieren vergnügt, doch als nun die Frösche zu Quaken beginnen, ist die Aufregung groß.
Dirigent Amsel wirft seinen Taktstock nieder, die Vögel hören mitten im Lied zu singen auf und die Grillen lassen ihre Geigen sinken.
Nun ist nur noch das Quaken der Frösche zu hören.
Die Tänzer bleiben stehen, denn nach dieser Melodie kann niemand tanzen.
Ein ärgerliches Murren beginnt.
Doch der König hebt gebieterisch die Hand.
Die Frösche wollen ja nurdem Brautpaar ein Ständchen bringen, dass es entsetzlich klingt, bemerken sie ja nicht.
Geduldig lauschen Mirzel und seine Braut dem Musikgenuss. Doch als die Frösche immer wieder von vorne beginnen und kein Ende finden , winkt Prinz Mirzel den Koch Petersilie herbei und flüstert ihm etwas ins Ohr.
Mit einer tiefen Verbeugung entfernt sich der Koch und kommt wenig später mit einer riesigen Schüssel, die von zwei Zwergen getragen wird, zurück.
Mirzel bittet die Frösche freundlich, doch eine Pause zu machen und von dem köstlichen Salat mit Fliegengeschmack zu kosten, den der Schlosskoch extra für sie zubereitete hat.
Das lassen sich die Frösche nicht zweimal sagen, denn außer Singen lieben sie noch das Fressen.
Nun kann das Fest ungestört weiter gehen.
Lilofee freut sich.
Prinz Mirzel wird einmal ein guter König werden.
Vanessa hat inzwischen einen Entschluss gefasst.
Zutraulich klettert sie auf den Schoß des Feenkönigs und zupft ihn am Bart.
Duuu, warum kannst du meinen Papa nicht leiden?“
Peter verschluckt sich an seinem Kakao.
Ich kenne doch deinen Papa nicht.“
Doch du kennst ihn. Du bist nämlich unser Opa und weil Mama
unseren Papa lieb hat, redest du nicht mehr mit ihr. Mama ist bestimmt sehr traurig deswegen und wir haben nicht gewusst, dass wir außer Opa Braun noch einen Opa haben. Und das ist doch schade, denn wir finden dich ganz toll.“
Es wird ganz still am Tisch.
Peter hat einen hochroten Kopf und spielt mit den Krümeln seines Kuchens.
Lilofee beobachtet besorgt ihren Vater.
Dieser sieht ziemlich finster aus, doch als sein Blick auf Vanessa fällt die ihn kritisch mustert, bricht er in lautes dröhnendes Lachen aus.
Lilofee atmet auf.
Theoderich aber beugt sich zu Vanessa hinunter und flüstert ihr ins Ohr.
Ich bin auch sehr traurig und habe schon lange bereut, dass ich so böse zu deiner Mutter war. Aber ich weiß nicht wie ich es anfangen soll, dass wir uns wieder vertragen. Willst du mir helfen?“
Vanessa nickt eifrig und zwinkert verschwörerisch.
Ich will sehen, was ich tun kann,“ flüstert sie, „aber nun müssen wir nach Hause, es wird schon dunkel.“
Sie rutscht von seinem Schoß, zwinkert noch einmal verschmitzt und zusammen mit Lilofee verlassen sie das Fest, nachdem sie sich bei dem Brautpaar bedankt haben.
Die Fee begleitet sie bis zum Forsthaus.
Bald liegen alle friedlich im Bett.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.