Montag, 26. November 2012

Das Weihnachtswunder Ende




Als sie am nächsten Morgen erwachte, fühlte sich sich so leicht und voller Hoffnung, als hätte ein Engel sie gestreichelt.
Sie kochte sich wieder einen Tee, gab reichlich Zucker hinein und er wärmte und füllte ihren Magen.
Um zehn Uhr musste sie ins Gemeindehaus, um den Saal zu schmücken und dort waren immer Schalen mit Plätzchen, das würde ihr über den ärgsten Hunger hinweg helfen.
Sie lächelte.
Seltsam, sie hatte auf einmal so ein leichtes Gefühl, als würde alles gut werden.
Und als sie unter der Dusche stand, summte sie sogar ein Weihnachtslied.
Birgit schloss gerade das Gemeindehaus auf, als Lieselotte ankam.
Fröhlich schwatzend betraten sie die Halle.
Der Hausmeister hatte gestern Abend noch die hohe Tanne aufgestellt.
Und auf einem kleinen Tischchen stand eine Tupperschüssel mit Plätzchen, die seine Frau für die fleißigen Helfer gebacken hatte.
Lieselotte holte sich gleich einige der köstlichen Kekse.
Ich habe heute noch nicht gefrühstückt,“ erklärte sie.
Birgit lachte.
Ich habe zwar schon gefrühstückt, aber sie sehen so verlockend aus.“
Sie pickte sich eine Kokosmakrone heraus.
Nach und nach trudelten die Frauen ein und bald herrschte ein geschäftiges Treiben und fröhliches Lachen.
Weihnachtslieder tönten aus den Lautsprechern.
Lieselotte fühlte sich immer wohler und da Ursel auch noch einige Stollen mitgebracht hatte, war auch ihr ärgster Hunger gestillt.
Nicole beteiligte sich kaum an dem fröhlichen Geplauder.
Sie war auffallend still und warf immer wieder einen seltsamen Blick zu Lieselotte.
Als diese dann abkommandiert wurde, um in der kleinen Küche den Glühwein warm zu machen, eilte Nicole ihr nach.
Schweigend arbeiteten die beiden Frauen zusammen, dann brach es aus Nicole heraus:
Dank deiner Hilfe hatte meine Familie und ich letztes Jahr ein schönes Weihnachtsfest und auch im neuen Jahr hat unser Glücksstern uns nicht verlassen. Mein Mann hat eine Arbeit gefunden, ich eine Halbtagsstelle im Supermarkt an der Kasse und im Laufe des Jahres ging es uns wieder besser.“
Lieselotte drehte die Flamme etwas kleiner, denn schließlich sollte der Glühwein nicht kochen.
Das ist doch schön und freut mich,“ meinte sie freundlich.
Ja, aber weißt du, schon lange wollte ich dir das Geld zurück geben, aber es kam halt immer etwas dazwischen.“
Sie kramt in ihrer Schürze und zog ein Kuvert heraus und reichte es Lieselotte.
Diese sah hinein und stammelt. „500 Euro!“
Nicole lächelte strahlend.
Sind Zinsen dabei!“
Mit Tränen in den Augen umarmte Lieselotte die junge Frau.
Ausgerechnet heute, du weißt gar nicht, wie sehr ich es gebrauchen kann.“
Und sie vertraute Nicole ihren Kummer an.
Aber wie kam es, dass du mir gerade jetzt das Geld zurück gibst?“
Tja, das war ganz seltsam. Ich hatte die ganze Nacht einen unruhigen Schlaf und immer wieder kam mir dein Name in den Sinn und die 400 Euro, die du mir letztes Weihnachten gegeben hast. Und so bin ich heute auf dem Weg hierher schnell noch auf die Bank, um das Geld zu holen.
Ich glaube, der liebe Gott hat dein Schimpfen Ernst genommen.“
Die beiden Frauen brachen in herzliches Lachen aus.
Ursel und Birgit erschienen an der Tür.
He trinkt ihr den Glühwein ganz alleine!“
Es wurde noch ein wunderschöner Tag und Lieselotte fühlte sich leicht und beschwingt und sehr glücklich.
Während die anderen sich auf den Heimweg machten, huschte sie hinüber in die Kirche.
Sie kniete sich vor den Altar und dankte Gott.
Die Krippe mit dem Jesuskind war schon aufgestellt und während die Frau betete, brach sich ein Sonnenstrahl im bunten Kirchenfenster und landete genau auf dem Christkind.
Und als Lieselotte sich zum Gehen umwandte, glaubte sie das Kind lächeln zu sehen.

Auf dem Heimweg kaufte sie sich noch ein kleines Festmahl für die Feiertage und leistete sich sogar eine gute Flasche Wein.
Und ihr erstes Weihnachtsfest in Freiheit wurde das Schönste und Glücklichste, das sie je erlebt hatte.
Im neuen Jahr sollte ihr Glücksstern weiter über ihr leuchten.
Als ihre Tochter sich nach den Feiertagen bei ihr meldete, erzählte ihr Lieselotte alles und diese wurde so wütend, dass sie sich sofort mit dem Vater in Verbindung setzte und ihm die Hölle heiß machte.
Sie drohte, nie wieder ein Wort mit ihm zu sprechen, wenn er nicht endlich der Mutter den Unterhalt zahlen würde.
Das half!
Ihr Noch- Ehemann überwies ihr den ausstehenden Unterhalt, der die Schulden auf der Bank tilgte und leistete dann regelmäßige Zahlungen.
Lieselotte konnte jetzt, wenn zwar bescheiden, jedoch sorgenfrei der Zukunft entgegen sehen.


Ende




Kommentare:

  1. Eien Geschichte, die das Leben schrieb
    Schön hast Du das ungesetzt!
    Ich wünsch Dir einen guten Start in eine schöne neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  2. Hallo Lore,
    erst einmal vielen Dank, daß Du mich in meinem Blog besucht und kommentiert hast. ;-) Ich wußte ja gar nicht, daß Du auch schreibst! - Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte!
    Nun lese ich erst einmal weiter...
    Liebe Grüße
    Gisela aus dem Berchtesgadener Land

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  3. Hallo Lore,

    eine schöne Weihnachtsgeschichte hast Du geschrieben. Auch die "Puppe Namenlos" habe ich mit Vergnügen gelesen. Danke für die schönen Geschichten!

    Ich wünsche Dir eine gute Woche!

    Liebe Grüße

    Kerstin mit Finchen und Ayla

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.