Freitag, 23. November 2012

Das Weihnachtswunder Teil 1





Endlich schloss sich mit einem Klingeln die Tür hinter dem letzten Kunden.
Heute am Tag vor Weihnachten war der Trubel besonders groß.
Gerade die Männer , die ja immer kurz vor Hl. Abend etwas besorgen, wollten ein schönes Schmuckstück für ihre Frauen kaufen.
Aufatmend begann Lieselotte die einzelnen verstreuten Tabletts mit den herrlichen glitzernden Kostbarkeiten in die Vitrine zu räumen, dann ging sie an die Auslage, um mit gekonnter Hand die weihnachtlichen Dekorationen wieder zurecht zu rücken.
Sie trat einen Schritt zurück, um ihr Werk zu betrachten.
Obwohl sie nicht gelernte Dekorateurin war, waren ihre Schaufenster wunderschön und oft blieben die Leute draußen stehen, um die schönen Schmuckstücke, die in stilvoller, nicht zu auffälliger Art präsentiert wurden, zu bewundern.
Ella, ihre Chefin, erzählte ihr immer, wie begeistert sich die Kunden über die Schaufensterdekorationen geäußert hätten.
Lieselotte, die schon seit Jahren als 400Euro Kraft hier arbeitete und ein freundschaftliches Verhältnis zu ihrer Chefin hatte, lächelte bei dem Gedanken daran.
Gerne arbeitete sie hier, konnte sie doch für ein paar Stunden dem lieblosen, kalten Zuhause entfliehen.
Auch konnte sie sich etwas eigenes Taschengeld verdienen, denn ihr geiziger Mann hielt sein Geld eisern unter Verschluss.
Nur das Nötigste rückte er heraus, wenn es um sie ging.
Den beiden Kindern gegenüber war er stets großzügig.
Ella kam aus dem Hinterzimmer.
Mach Schluss für heute. Ich habe uns einen Tee gekocht.“
Bald saßen die beiden Frauen an dem kleinen Tischchen und plauderten, während sie die von Lieselotte gebackenen Plätzchen knabberten.
Ella würde morgen wie jedes Jahr mit ihrer Familie nach Italien zu ihren Eltern fahren.
Taktvoll fragte sie, wie Lieselotte den morgigen Tag verbringen würde, denn sie wusste, dass deren Mann heute auf Kur gefahren war und erst im nächstes Jahr wieder kommen würde.
Lieselotte zuckte die Schultern, da ihre Kinder mit ihren Familien auch weg gefahren waren, würde sie den Abend wohl allein verbringen.
Als sich die beiden Frauen verabschiedeten, drückte Ella ihr ein Kuvert in die Hand.
Kauf dir was schönes und mach es dir gemütlich,“ murmelte sie und umarmte Lieselotte.
Erst als die gut aussehende Mitvierzigern den Laden verlassen hat, warf sie einen Blick in das Kuvert.
400 Euro, ein ganzer Monatslohn, was für ein Geschenk!
Sie drehte sich um und sah Ella, die ihr grinsend winkte und dann fielen die Jalousien im Laden herunter.
Es hatte zu schneien begonnen und Lieselotte stellte den Kragen ihres Mantels auf, dann ging sie in Richtung ihrer Pfarrgemeinde, bei der sie ehrenamtlich mit half.
Viele bewundernde Blicke folgten der gepflegten Frau, doch sie bemerkte sie gar nicht.
Ihre Gedanken waren bei ihrer Familie.
Ihr Mann war auf Kur gefahren ohne sich von ihr zu verabschieden.
Ihre Kinder waren mit ihren Familien in wärmere Länder gereist und vor ihr lag ein einsames Weihnachtsfest.
Aber das störte sie nicht!
Einsamkeit hatte sie in ihrer lieblosen Ehe genügend kennen gelernt.
Deshalb war sie auch ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde tätig.
Sie schmückten bei besonderen Anlässen die Kirchen, bastelten gemeinsam und betreuten die Kinder während der Predigt.
Auch teilten sie Suppen und Kleider an Obdachlose aus.
Es war eine schöne Aufgabe, die sie von ihren Sorgen ablenkte und sie tat gerne etwas Gutes.
Vor sich sah sie schon die Kirche und daneben das erleuchtete Gemeindehaus.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.