Sonntag, 25. November 2012

Das Weihnachtswunder Teil 3





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Auch an Silvester hörte sie weder von ihrem Mann noch von den Kindern etwas.
Erst am Neujahrsabend rief ihre Tochter an und wünschte ihr ein frohes neues Jahr, auch dass Papa ihr ein frohes Neujahr wünsche.
Langsam legte Lieselotte den Telefonhörer auf.
Ihr Mann war nicht einmal fähig, ihr das selbst zu sagen.
Oh, ja, Schweigen war schon immer seine Waffe, um sie klein zu kriegen.
Sie erinnerte sich an die Reise nach Griechenland.
Sie waren etwa sieben Jahre verheiratet und die beiden Kinder noch klein.
Da sah sie in einem Geschäft ein schönes rotes Kleid und beschloss spontan es für den Urlaub zu kaufen und als sie es anprobierte meinte die Verkäuferin:
Sie sehen aus wie Schneewittchen, mit ihren langen schwarzen Haaren!“
Sie freute sich und präsentierte es stolz ihrem Mann, für den sie schließlich schön sein wollte.
Da war er total ausgerastet und brüllte:
Wie sie nur so sinnlos Geld verprassen konnte!“
Beinahe wäre der Urlaub geplatzt, wenn er nicht schon gebucht hätte.
Doch die ganzen drei Wochen in Griechenland hatte er kein einziges Wort mit ihr gesprochen.
Damals schon hatte sie an Scheidung gedacht, doch die Kinder waren noch klein und hingen sehr an ihrem Vater.
Und sie wollte nicht, dass sie so aufwuchsen wie sie.
Ihre Mutter hatte die Familie verlassen, da war Lieselotte erst zehn Jahre alt und musste sich dann um ihre vier kleineren Geschwister kümmern.
Von dem strengen verschlossenem Vater bekam sie keine Hilfe.

Aber jetzt, warum nicht?
Die Kinder waren groß und hatten bereits ihre eigenen Familien und sollte man das neue Jahr denn nicht mit guten Vorsätzen beginnen.
Gab es einen besseren Vorsatz, als eine lieblose Ehe durch ein Scheidung zu beenden?

Ein Jahr war vergangen.
Man schrieb den 22. Dezember.
Lieselotte verließ die Bank.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie an das Gespräch mit dem Filialleiter dachte.
Die Bank weigerte sich ihr Geld zu geben, da der Überziehungskredit überschritten war und bevor sie nicht diesen Kredit ausglich würde sie kein Geld mehr bekommen.
Sie verfluchte ihren Noch-Ehemann, nun hatte er sie soweit, wie er sie haben wollte.
Was war in diesem Jahr geschehen?
Lieselotte hatte ihre guten Vorsätze wahr gemacht und sich einen Anwalt gesucht und sobald sie eine Wohnung hatte, war sie ausgezogen.
Ein halbes Jahr war das nun her.
Ihr Mann hatte getobt und wollte sie nicht gehen lassen.
Er verweigerte ihr die Unterhaltszahlung und hatte sogar bei ihrer Chefin angerufen, um sie schlecht zu machen.
Da war er bei Ella aber an die Rechte gekommen!
Seine Absicht war es ,wenn sie ihre Arbeit verlor, dann käme sie reumütig zurück gekrochen.
Wütend schüttelt Lieselotte den Kopf.
Lieber würde sie verhungern.
Die Menschen die an ihr vorbei hasteten, sahen sie verwundert an.
Lieselotte musste lächeln. Die halten mich wohl für verrückt.
Doch dann kamen ihr wieder die Tränen, aber war sie denn nicht verrückt, war ihre Freiheit dies alles wert?
Unwillkürlich straffte sie die Schultern.
Ja, das war es wert! Irgendwie würde es schon weiter gehen. Und gleich nach den Feiertagen wollte sie ihren Anwalt aufsuchen und die Klage auf Unterhalt einreichen.
Aber wovon sollte sie bis dahin leben?
Ihre Kinder waren verreist und seit der Scheidungsklage sowieso nicht gut auf sie zu sprechen.
Und Ella war schon seit zwei Wochen in Italien, da ihr Vater schwer erkrankt war.
Ein tiefer Seufzer entfuhr Lieselotte und dann bemerkte sie, dass sie schon vor ihrer Haustür stand.
Sie schloss auf und schleppte sich wie eine alte Frau die Treppen hoch.
Glücklicherweise war es warm in der Wohnung.
Sie hängte den schweren Mantel auf und zog die Stiefel aus.
Ihre ganzen Bewegungen erinnerten an einen Roboter.
Müde sank sie auf das Sofa und dann kam das ganze Elend über sie.
Sie vergrub den Kopf in dem Kissen und ließ ihren Tränen freien Lauf.
Als ihr Magen zu knurren begann, erhob sie sich schleppend und öffnete den Kühlschrank.
Gähnende Leere, nicht einmal ein Becher Joghurt war noch da.
Wieder rannen ihr die Tränen über die Wangen.
Geldbeutel leer, Kühlschrank leer, am besten sie legte sich schlafen.
Doch nein, sie wollte noch nicht aufgeben.
Hoffnungsvoll durchstöberte sie die Schränke, doch außer einigen Teebeuteln fand sie nichts.
Sie stellte Wasser auf und der heiße Tee füllte etwas ihren leeren Magen, dann kroch sie ins Bett und vergrub sich in der Decke.
Spät in der Nacht, nach einem unruhigen Schlaf, wachte sie auf.
Wieder machte sie sich einen heißen Tee und stellte sich mit der Tasse ans Fenster.
Es war ein sternenklarer Himmel, was bedeutete, dass es kalt werden würde.
Sinnend sah Lieselotte hinauf in das unendliche Universum und plötzlich überkam sie eine entsetzliche Wut und sie begann mit Gott zu hadern.
Schau mich an, was habe ich jemals Böses getan. Habe ich mich nicht um meine kleinen Geschwister gekümmert, als unsere Mutter weg gelaufen war und war doch selbst noch ein Kind. Habe ich den Kleinen zuliebe nicht die bösen Launen unseres Vaters ertragen.
Vielleicht war es ein Fehler, dass ich in eine Ehe geflüchtet bin, um von zuhause weg zu kommen. Aber ich war meinen Kindern eine gute Mutter und bin nicht weg gelaufen. Habe mein eigenes Ich zurückgestellt, um ihnen die Familie zu erhalten.
Und du hast du nur einmal, nur ein einziges Mal etwas für mich getan.
Weißt du was? Ich habe es satt. Wenn du mich diesmal wieder im Stich lässt, dann kündige ich dir die Freundschaft!“
Sie stellte die Tasse auf der Fensterbank ab und kroch zurück ins Bett.
Als wäre durch das Hadern mit Gott eine Last von ihrer Schulter genommen schlief sie tief und traumlos.




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