Montag, 5. November 2012

Der Engel Cherubim 2



Der Engel Cherubim    (  2  )







Nanu, Kleiner, „ brummt er, „was willst denn du so allein im Wald? Hast dich wohl verlaufen? Und dann noch barfuß und in dem dünnen Hemd, du wirst dich erkälten.“
Und ehe der Engel sich versieht, hat der große Mann seine Jacke ausgezogen, wickelt ihn hinein und trägt ihn in seine Hütte.
Dort wird er auf die Ofenbank gesetzt und während der Mann sich am Ofen zu schaffen macht, schaut sich der kleine Schelm neugierig um.
Der Alte bringt ihm nun eine Tasse Milch mit Honig und Cherubim schlürft dankbar das heiße Getränk.
Dann erzähle mal, wo kommst du her, bist wohl ausgerissen?“
will der Bärtige wissen.
Da gibt es nicht viel zu erzählen,“ meint Cherubim und gibt die leere Tasse zurück, „ich bin ein Engel, habe den Nikolaus auf die Erde begleitet und binunterwegs vom Schlitten gefallen.“
Der alte Mann brüllt vor Vergnügen.
Hahahahaaaa, ein Engel will er sein, du hast ja eine blühende
Fantasie Bürschchen!“
Mit blitzenden Augen springt Cherubim auf und hebt sein Röckchen, so dass man die Flügel sehen kann.
Und, glaubst du mir jetzt!“
Der Mann verstummt und starrt mit offenem Mund auf das Gefieder.
Tatsächlich, ein Engel! Bürschchen du hast nicht gelogen!“
Er stützt den Kopf in die Hände und starrt vor sich hin.
Cherubim zupft ihn am Ärmel.
Hör mal, ich muss weiter. Vielen Dank auch für die Milch.“
Der kleine Engel springt hinunter und will zur Tür, doch da wird er gepackt und ehe er sich versieht, sitzt er wieder auf der Ofenbank.
So kannst du nicht gehen, warte einen Moment!“
Der Alte eilt zu einer Truhe, kniet sich auf den Boden und öffnet den Deckel.
Er beginnt zu kramen und alte Vorhänge, Stoffe, Kleider fliegen durch die Luft und landen auf dem Boden.
Endlich hat er gefunden, was er suchte.
Freudestrahlend bringt er Cherubim ein paar Stiefelchen, einen Mantel und ein Kappe.
Hier zieh` das an, die sind noch von meinem Jungen, er braucht sie nimmer. Er ist jetzt groß und wohnt in der Stadt.“
Eine Augenblick sieht der Mann ganz traurig aus.
Der Engel nimmt die Stiefel, schlüpft hinein und springt auf den Boden.
Vergnügt marschiert er durch das Zimmer. Sie passen!
Nachdem er sich den warmen Mantel angezogen und die Mütze über den Kopf gestülpt hat bedankt er sich bei dem Alten und bald stiefelt er durch den Wald.
Es ist inzwischen Abend geworden und sehnsüchtig denkt er an seine Freunde im Himmel, die gerade die Sterne putzen, damit sie schön blinken, wenn es dunkel wird.
Da Cherubim nie lange traurig ist, stapft er, ein fröhliches Lied pfeifend durch den Wald.
Stundenlang!
Inzwischen ist es stockfinster und müde und niedergeschlagen irrt er durch das Dickicht.
Sein ganzer Frohsinn hat ihn verlassen und trotz des Wintermantels ist ihm kalt und auch der Schnee dringt bereits durch die Stiefel.
Die alte Eule, die auf dem Baum sitzt, blickt gar kummervoll auf den kleinen Engel.
Wie gerne hätte sie ihm geholfen.
Ein Reh springt zwischen den Büschen hervor und Cherubim erschrickt und fängt zu laufen an.
Er achtet nicht wohin er tritt und plumpst auf einmal durch ein Loch im Boden.
Er rutscht einen langen steilen Weg hinunter und landet in einer kleinen Stube.
Etwas benommen richtet er sich auf und schüttelt den Schnee von seinem Mantel.
Zu seinen Füßen bilden sich kleine Pfützen.
Es ist angenehm warm hier drinnen und Cherubim sieht sich neugierig um.
Viel ist ja nicht zu erkennen, doch der Mond, der seinen Sturz beobachtet hat, rollt schnell über die Öffnung und beleuchtet die Stube.
Nun ist ein langer Tisch mit vielen kleinen Stühlen zu sehen,
in einem Wandschrank stehen sauber aufgeschichtet Teller, Schüsseln, Tassen und Becher.
Ein behaglicher Kachelofen verströmt angenehme Wärme.
Neugierig öffnet der Engel nun die Tür zu dem anderen Raum in welchem in vielen kleinen Betten Wichtelmännchen schlummern.
Einer davon mit einem langen weißen Bart und wohl der Älteste hat seinen Mund weit offen und schnarcht.
Leise, um die Schlafenden nicht zu stören, schleicht Cherubim zur Ofenbank und kuschelt sich in die Decke, die dort liegt.
Der gute alte Mond aber lächelt und wandert zurück zu den Sternen.

dreamies. de











1 Kommentar:

  1. oh, was für ein liebes Märchen, ich liebe Engel, und diesen, von dir erzählten, konnte ich fast plastisch vor mir sehen
    danke für das geschenkte Lächeln!
    Sophie

    AntwortenLöschen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.