Sonntag, 4. November 2012

Der Engel Cherubim 1



Der kleine Engel Cherubim


Meine Weihnachtsserie möchte ich mit einer Geschichte beginnen, die vor fast dreißig Jahren entstanden ist. Ich habe sie damals für meine kleine Tochter geschrieben.









Die Stadt glänzt in ihrem festlichsten Kleid.
Hell erleuchtete Schaufenster locken mit weihnachtlichen Dekorationen und die Menschen hasten durch die Straßen.
Einige nehmen sich die Zeit bei einem ärmlich gekleideten Mann stehen zu bleiben, der auf einer alten Zeitung sitzt und auf der Zither spielt. Neben ihm liegt ein alter Hund,eng an ihn geschmiegt, die Augen geschlossen, als würde er den schönen weihnachtlichen Klängen lauschen.
Immer wenn ein Geldstück in den zerbeulten Hut fällt, neigt der der Mann dankend den Kopf.
In der Nähe schürt eine alte Frau eifrig das Feuer unter der großen Pfanne . Die Hitze sprengt die Schale der darin liegenden Maronen und das goldgelbe Fleisch der Esskastanie wird sichtbar.
Mit einer halbrunden Schaufel füllt sie die spitzen kleinen Papiertüten und reicht sie an die wartenden Kunden weiter.
Über dem ganzen Platz liegt ein Gefühl der Erwartung.
Weihnachten schwebt in der Luft.




Auch im Himmel ist man mitten in den Vorbereitung für das Weihnachtsfest.
Petrus wandelt, die Hände auf dem Rücken mit gewichtigen Schritten durch die Räume.
Schließlich muss er aufpassen, dass die Engel keine Dummheiten begehen, was sie leider viel zu gerne tun.
Ja,ja Petrus kann ein Lied davon singen.

In der Himmelsbäckerei herrscht geschäftiges Treiben.
Unzählige Körbe mit Backwerk stehen schon bereit und immer noch werden heiße Bleche mit Plätzchen aus dem Ofen geholt.
Ein herrlicher Duft zieht durch die Küche.
Petrus lässt flink seine Augen durch die Backstube gleiten und als er meint, keiner der kleinen eifrigen Bäcker würde ihn beobachten, lässt er schnell eine Handvoll der leckeren Süßigkeiten in seiner Tasche verschwinden.
Petrus, Petrus,“ tadelt der Oberbäckermeister, der schmunzelnd den Schlingel beobachtet hat.
Petrus wird rot und verlässt schnell die Backstube.

Auf dem Weg zur Spielwarenabteilung knabbert er genüsslich die Plätzchen.
Ein vergnügtes Lächeln liegt auf dem gütigen, alten Gesicht.
Doch als er nun die Tür der Werkstatt öffnet wird er wieder ernst.
Er begutachtet fachmännisch die Spielwaren, gibt gute Ratschläge und wandert dann weiter zur Schneiderei.
Doch was ist denn hier los?
Alle die kleinen Nadelkünstler belagern einen Tisch und selbst das Schneemännchen lugt neugierig über die Schultern der Engel.
Natürlich Cherubim!
Petrus legt sein Gesicht in grimmige Falten und räuspert sich laut.
Erschreckt fahren die kleinen Geister auseinander und huschen kichernd auf ihre Plätze.
Cherubim ein entzückendes kleines Engelchen, mit schalkhaft blitzenden Augen und allerliebsten blonden Locken, hält in den Armen eine hübsche dunkelhaarige Puppe.
Lieblich lächelt der kleine Schelm den gestrengen Petrus an.
Ist sie nicht entzückend?“
Mit einer rührenden Geste hebt er das Spielzeug hoch, doch Petrus wirft nur einen finsteren Blick darauf und schnauzt das koboldartige Männchen, das noch immer im Zimmer weilt, plötzlich an.
Schneemännchen, was stehst du hier herum. Kümmere dich lieber um deine Wolken. In Tirol ist ein Dorf zugeschneit und in Bayern liegt immer noch kein Schnee!“
Das Männchen zieht erschrocken seinen Kopf ein und huscht hinaus.
Und nun zu dir Cherubim,“ grollt Petrus, „ wenn du weiter solche Dummheiten machst und die Anderen von der Arbeit abhältst, dann werde ich es St. Nikolaus melden und du darfst nicht mit auf die Erde.“
Empört blitzt es in Cherubim`s Augen auf.
Ich habe überhaupt nichts verbrochen!“ ,verteidigt es sich hitzig, „nur diese hübsche Puppe führte ich meinen Kameraden vor und außerdem... ach was!“
Ein sonniges Lächeln fliegt über das herzige Gesicht und der kleine Engel ergreift die Hand von Petrus.
Sei doch nicht so grantig. Es ist doch bald der Geburtstag unser lieben Herrn Jesus.“
Petrus wendet sich ab und seufzt.
Wer kann diesen strahlenden Augen schon widerstehen.
Er murmelt unwirsch vor sich hin und verlässt fluchtartig den Raum.
Cherubin dreht sich lachend im Kreis.
Ist er nicht süß, der Alte!“
Die anderen Engel kichern.
Darin waren sie sich alle einig, Petrus war prima!

Dieser nähert sich nun auf seinem Rundgang einer großen Halle in der St. Nikolaus mit Hilfe einiger Engel seinen Schlitten bepackt.
Als der Bewacher des Himmels durch das Tor tritt, hebt der heilige Mann das weißhaarige Haupt und seine Augen blitzen belustigt.
Nun, lieber Petrus willst du nach den Rechten sehen?“ erkundigt er sich freundlich.
Der Angesprochene wird rot.
Aber nicht doch, lieber Nikolaus, das ist doch hier nicht nötig..., aber den Engeln denen muss ich schon auf die Finger sehen, damit sie keine Dummheiten machen.“
Der Hl. Mann schmunzelt.
Petrus sei mal nicht so streng. Unsere Kleinen sind zwar oft recht übermütig, aber trotzdem arbeiten sie fleißig und ordentlich und ein bisschen Spaß muss ja sein.“
Petrus läuft dunkelrot an und meint würdevoll:
Natürlich hast du recht, lieber Nikolaus, aber solange unser Herr nicht im Himmel weilt, muss ich für Ordnung sorgen.
Die Engel kichern übermütig und Petrus wirft ihnen einen ärgerlichen Blick zu.
Nikolaus schmunzelt, doch will er wissen:
Welcher Engel begleitet mich diesmal auf die Erde?“
Cherubim!“
Ach, der kleine Schelm! Wenn das nur gut geht.“


Petrus nickt ernst und schreitet seiner Wichtigkeit voll bewusst von dannen.

















1 Kommentar:

  1. Eine hübsche Geschichte!
    Ich wünsch Dir einen wunderschönen und glücklichen Wochenstart!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.