Donnerstag, 8. November 2012

Die Puppe, die das Christkind zweimal bringen musste



Das Jahr 1956 war für mich ein ganz besonderes Jahr.
Im Juli kam unsere Nachzüglerin meine kleine Schwester Renate zur Welt.
Im September wurde ich eingeschult.
Und am heiligen Abend brachte mir das Christkind eine Puppe.
Bei uns war es Brauch, wenn das Glöckchen zur Bescherung  läutete, dass die ganze Familie singend das Wohnzimmer betrat und vor dem Weihnachtsbaum stehen blieb, um dort weiter zu singen.
Bereits beim Betreten des Zimmers habe ich sie gesehen.
Sie war wunderschön, trug ein lindgrünes Ballkleid, war blond und hatte einen Evita Peron Knoten (Evita Peron, die First Lady von Argentinien 1919 - 1952).
Ich konnte mich gar nicht mehr auf das Singen konzentrieren.
Immer wieder schielte ich zu dem herrlichen Geschöpf.
Und den ganzen Abend hielt die Puppe im Arm und spielte mit ihr.
In meiner Kindheit gab es nur wenig Spielzeug und deshalb ging man damit sehr sorgsam um.
Das ging fast ein ganzes Jahr lang, dann geschah ein entsetzliches Unglück.
Während ich in der Schule war, hatte mein kleine Schwester, die inzwischen laufen konnte, in einem unbeobachteten Moment, meine heiß geliebte Puppe skalpiert.
Ich war am Boden zerstört und weinte bittere Tränen, außerdem hatte ich eine Stinkwut auf diese kleine Puppenmörderin.
Mein Kummer war riesengroß und eines Tages war die Puppe verschwunden.
Dann kam der Hl. Abend und schon beim Betreten des Zimmers sah ich Sie!
Und obwohl sie eine neue Frisur und neue Kleider hatte, erkannte ich sie sofort!

Ab Morgen werde ich euch die Geschichte der Puppe Namenlos erzählen.
Es ist nicht direkt eine Weihnachtsgeschichte, aber eine Puppengeschichte passt doch wunderbar in die Vorweihnachtszeit.

Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    das erinnert mich sehr stark an die Zeit, als meine kleine Schwester auf die Welt kam ( zwar nicht an Weihnachten).....sie ist auch 6 Jahre jünger, und auch ich habe mit ihr ähnliche Sachen erlebt ;O)
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  2. Liebe Lore,
    auch wenn jetzt bald Sommer ist, hat mich diese Geschichte immer wieder magisch angezogen. Heute habe ich sie endlich gelesen. Ich kann mir Dine Trauer gut vorstellen. Meine Sprechpuppe wollte mal nicht mehr sprechen, da war ich total fertig mit der Welt... (ich habe in meinem Blog schon mal davon berichtet).
    LG
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.