Montag, 19. November 2012

Die Puppe Namenlos Ende



Dreamies.de




Ramon fasst mit seinen kleinen Zähnchen die Finger des Mädchens und beginnt daran zu ziehen.
Was willst du denn?“
Der Kater lässt ihre Hand los, läuft einige Schritte in Richtung Mülltonnen, bleibt stehen und dreht sich um.
Ich glaube, er will mir was zeigen?“
Nun, dann lauf los,“ lacht Oma Jansen, „ich werde hier warten.“
Anna folgt dem Kater, der erst vor Namenlos stehen bleibt.
Das Mädchen stoppt ihren Lauf und starrt auf die Puppe.
Das war doch die Puppe aus dem Schaufenster?
Sicher ihr Kleid sah anders aus und auch ihre Nase schien ein wenig verändert.
Aber ihr Herz sagte ihr, das war „ihr Puppenkind!“
Sie hebt die Puppe auf und drückt sie fest an ihr Herz, dann läuft sie damit zu der alten Frau.
Oma Jansen, Oma Jansen, sieh nur, da hinten saß meine Puppe aus dem Schaufenster!“
Wie, was, wo hast du sie gefunden?“ stottert die alte Frau.
Anna zeigt nach hinten.
Dort bei den Mülltonnen, darf ich sie behalten?“
Ich denke schon,“ meint Frau Jansen zögernd.
Im ganzen Block gab es außer Anna kein Kind.
Trotzdem blieb es rätselhaft, wie ausgerechnet diese Puppe hier her kam.
Doch als sie in die bangen Augen des kleinen Mädchens sieht, nickt sie.
Anna jubelt und drückt ihr Puppe ganz fest.
Ich werde sie Jennifer nennen!“
Jennifer strahlt mit ihrer Mutti um die Wette.
Endlich hatte sie einen Namen und was für einen schönen!
Das findet auch Oma Jansen.
Jennifer, das klingt hübsch. Doch nun komm Kind, wir wollen hinein gehen.“
Sie setzen sich in Bewegung, doch dann bleibt die alte Frau stehen und wendet sich zu dem Kater um.
Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass du hinter der ganzen Sache steckst. Hast du keine Lust deine kleine Freundin zu begleiten?“
Ramon sitzt da, den Schwanz um die Vorderpfoten gelegt, als würde ihn die ganze Sache nichts angehen.
Jennifer lugt über Annas Schulter.
Komm doch mit, Ramon, endlich ein Zuhause, keinen Hunger mehr, keine Straßenkämpfe. Hast du nicht gesagt, dass es von Jahr zu Jahr schwerer wird? Denk an die Worte von Bärbel:
Wenn man eine Chance bekommt, soll man sie nützen“
Und dies ist deine Chance auf ein besseres Leben. Komm doch mit!“
Ramon bewegt sich nicht.
Sein Blick wandert unschlüssig zwischen der Straße, dem Weg in die Freiheit und den langsam sich entfernenden Menschen hin und her.
Dann geht ein Ruck durch seinen Körper und er saust los, flitzt gerade noch ins Haus, bevor die schwere Eisentür zuschlägt.
Mit langen Sprüngen rast er die Treppe hinauf und schlängelt durch die Menschenbeine in die Wohnung.
Er bleibt stehen und lässt seinen Blick schweifen.
Eine rotweiße hübsche Katze kommt in den Flur gelaufen, um ihr Frauchen zu begrüßen und bleibt abrupt stehen, als sie den Kater erblickt.
Ramon wirft sich in Pose und schreitet in kleinen eleganten Schritten auf die Katze zu.
Mit seiner dunkelsten Stimme schnurrt er.
Halloooo, meine Hübsche, ich bin Ramon der König der Straßen und wie heißt du bezauberndes Geschöpf?“
Ich heiße Minou,“ meint die Katze schüchtern, „bleibst du bei uns?“
Mal sehen, wie ist es denn hier so?“
Wunderschön, mein Frauchen ist eine ganz Liebe.“
Hm und wie ist das Essen?“
Herrlich und abwechslungsreich und im Bad steht eine Kiste für ...“ Sie wird etwas verlegen, … du weißt schon was,“ murmelt sie verschämt.
Ramon, der inzwischen mit Minou ins Wohnzimmer gewandert ist, sieht sich um.
Das heißt, ich darf hier meine Spur nicht setzen?“
Oh, nein! Da wird Frauchen sehr böse!“ ruft Minou entsetzt.
Nun, du wirst mir sicher erklären was hier so üblich ist.
Aber es gibt keine Luft und keinen Sonnenschein!“
Oh, doch wir haben einen sehr schönen Balkon! Komm ich zeig ihn dir.“
Der Kater folgt Minou hinaus auf den Balkon und bald liegen sie dicht aneinander geschmiegt in der Sonne und Ramon erzählt von seinem Vagabundenleben und die Katze, die noch nie die Wohnung verlassen hatte, lauscht entzückt seinen Abenteuern, die der Schlingel natürlich noch ausschmückt.
Oma Jansen blickt lächelnd hinaus auf den Balkon.
Sie scheinen sich gut zu verstehen.“
Anna, die mit Jennifer auf dem Schoß auf dem Sofa sitzt, fragt:
Meinst du, der Kater wird hier bleiben?“
Ich weiß nicht. Er ist ein Streuner, aber wenn er will, dann kann er gerne hier bleiben.“
Das wäre schön,“ seufzt Anna und drückt ihre Jennifer liebevoll an ihr Herz und diese schmiegt sich an ihre Puppenmutter und ist glücklich.
Nun hat sie einen schönen Namen, war bei ihrer geliebten Anna und ihr bester Freund hatte ein Zuhause gefunden.
Schöner konnte es gar nicht werden.



Ende



Kommentare:

  1. Das war eine wirklich schöne Geschichte! Ich hab alle Teile mitgelesen...danke dafür!
    Ich wünsch Dir einen schönen Dienstag!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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  2. Ende gut - alles gut!
    Danke für diese - für deine - schönen Geschichten!
    Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.