Freitag, 9. November 2012

Die Puppe Namenlos




In dem kleinen Städtchen Bernsdorf in der Taubengasse 17 im
2. Stock wohnt die kleine Anna.
Anna ist vier Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Zweizimmerwohnung.
An ihren Vater kann Anna sich nicht mehr erinnern, denn der hatte sich in eine andere Frau verliebt und Anna und ihre Mutter verlassen, als das kleine Mädchen kaum laufen konnte.
Anna vermisste ihren Papa, den sie kaum kannte, aber nicht.
Hatte sie doch ihre über alles geliebte Mutter und die Nachbarin Oma Jansen.
Oma Jansen holte sie am Nachmittag immer vom Kindergarten ab und sie durfte dann bei ihr bleiben, bis Mutti von der Arbeit kam.
Bei Oma Jansen war es sehr schön.
Das Wohnzimmer war voll gestellt mit wuchtigen alten Möbeln und überall standen kleine Porzellanfiguren und es
roch so schön nach Lavendel und Rosen.
Manchmal spielte Oma Jansen mit ihr oder sie backten Kekse in der kleinen Küche, doch meistens legte die alte Frau ihre schmerzenden Beine hoch und hielt ein kleines Nickerchen.
Dann legte sich Anna bäuchlings auf den Teppich und malte mit ihren Buntstiften ein schönes Bild für Mama.
Meistens lag Minou die rotbraune Katze neben ihr und schnurrte behaglich.
Anna hatte seit einiger Zeit ein kleines Geheimnis, das sie niemand anvertraute.
Sie wollte so gerne Puppenmutti werden.
Nicht von irgendeiner Puppe, sondern von einer ganz bestimmten.
Sie hatte sie im Schaufenster von „Marions Puppenstube“
gesehen und diese Puppe hatte genau so rote Haare wie Anna.
Jeden Tag wenn sie in den Kindergarten ging, kam sie dort vorbei.
Am Morgen konnte sie nur kurz einen Blick auf ihr „Kind“ richten, denn Mama lief immer so schnell.
Aber Oma Jansen, die Schwierigkeiten mit ihren Beinen hatte, ging immer sehr langsam und musste sich öfter ausruhen.
Und neben „Marions Puppenstube“ stand eine Bank.
Während die alte Frau sich ausruhte, lief Anna zum Schaufenster, drückte ihre kleinen Patschhändchen und ihre Nase an die Scheibe und betrachtete voller Liebe und Sehnsucht „ihr Puppenkind."
Einmal fragte sie Oma Jansen, ob sie ihr bitte vorlesen könnte, wie teuer die Puppe mit dem roten Haar, dem grünen Kleid und den braunen Schnürstiefel wohl war.
Die alte Frau seufzte:
Ach Mädelchen, die Puppe kostet 125 Euro, das ist viel zu teuer für deine Mama.“
Und in Gedanken fügte sie hinzu ,“auch für mich, bei meiner kleinen Rente.“
Traurig senkte Anna den Kopf.
Diesen Satz „ viel zu teuer“ kannte sie und normalerweise machte es ihr nichts aus.
Sie war mit so viel Liebe umgeben, dass sie eigentlich nichts vermisste.
Doch diesmal spürte sie einen kleinen Stich im Herzen.
Zu gern hätte sie „ ihre Puppe“ in die Arme genommen.
Aber dann tröstete sie sich.
Sie konnte doch jeden Tag „ihr Kind“ im Schaufenster sehen.
Und frohgemut hüpft sie neben der alten Frau nach Hause.
Doch eines Tages war die Puppe aus dem Schaufenster verschwunden.
Was war geschehen?


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