Montag, 12. November 2012

Die Puppe Namenlos Teil 3






Der Kater läuft mehrere Straßen und Gassen entlang, dann setzt er mit einem eleganten Sprung über einen Zaun in einen Garten und legt seine Last ins Gras.
Die Puppe hat die Augen geschlossen, von dem Geschaukel ist ihr ganz schwindelig.
Der Kater stupst sie an.
Wach auf, wie heißt du eigentlich?“
Ich habe keinen Namen.“
Der Kater überlegt einen Moment, dann grinst er.
Ich werde dich Namenlos nennen. Ich heiße übrigens Ramon.“
Er beginnt eifrig mit seiner kleinen rauen Zungen sein Fell zu putzen.
Freut mich, Ramon, du hast wohl einen Reinigkeitsfimmel?“
lacht Namenlos.
Ramon wirft ihr einen strengen Blick zu.
Katzen sind die reinlichsten Tiere, die es gibt. Außerdem habe ich eine Verabredung.“
Namenlos sieht etwas zwischen den Bäumen blitzen.
Ich glaube deine Verabredung kommt,“ meint sie spöttisch.
Eine weiße Katze schreitet in eleganten geschmeidigen Bewegungen auf sie zu.
Ihr hoch gestellter Schwanz bewegt sich genauso elegant und schreibt kleine Kringel in die Luft.
Vor Ramon bleibt sie stehen.
Du kommst spät mein Lieber.“
Verzeih schönste Prisilla, aber ich wurde leider aufgehalten.
Doch nun bin ich ja bei dir mein göttliches Wesen:“
Namenlos verdreht die Augen. Was für ein Gesülze!
Die Katze streicht schnurrend um den Kater herum, da bemerkt sie die Puppe.
Igitt! Was ist denn das? Hast du diesen Müll in unseren schönen Garten gebracht?“
Aber liebste Prisilla, das ist meine Freundin Namenlos und sie wurde von einem Auto angefahren.“
Die Katze streift die Puppe mit einem verächtlichen Blick.
Schaff sie hier weg und dann komm. Auf der Terrasse steht ein Schälchen mit Sahne.“
Sie dreht sich um und stolziert davon.
Ramon nimmt das Kleid von Namenlos wieder zwischen die Zähne und flitzt mit ihr den Stamm eines Birnbaumes hoch.
Dort setzt er die Puppe auf einen Ast und raunt:
Ich hol dich später ab.“
Namenlos lehnt sich zurück an den Baum.
Schade, Ramon ist so ein lieber Kerl, was der bloß an dieser
eingebildeten Zicke findet.“
Die Puppe lässt ihren Blick schweifen.
Eigentlich ist es interessant, die Welt aus der Höhe zu betrachten.
In der Ferne funkeln die Dächer im Sonnenlicht und ein Fesselballon schwebt langsam über die Stadt.
Sie kann die Menschen in dem Ballon nicht erkennen, dafür ist er zu weit entfernt.
In „Marion`s Puppenstube“ war auch ein kleiner Fesselballon mit Püppchen darin.
Ach wie gerne würde sie wieder im Schaufenster sitzen und darauf warten, dass die kleine Anna ihr süßes Gesichtchen an die Scheibe presst.
Eine leise Sehnsucht schleicht sich in ihr Herz und ihre Augen werden feucht.
Weinst du?“
Ein Fink hat sich neben ihre auf dem Ast nieder gelassen.
Die Puppe lächelt traurig.
Ach weißt du, ich hatte heute einen schweren Tag, bin von einem Auto überfahren worden.“
Ach du Ärmste! Ja diese stinkenden Kisten sind schon ein Greuel und rasen oft viel zu schnell. Ich bin froh, dass ich fliegen kann. Aber weißt du hier in der Nähe wohnt eine Frau, die repariert Puppen. Vielleicht kannst du ja einmal bei ihr vorbei schauen.“
Der Vogel legt den Kopf schief und beäugt die Puppe.
Kannst du denn auch fliegen oder wie bist du auf den Baum gekommen?“
Namenlos lacht.
Nein Ramon hat mich herauf gebracht.“
Das Vögelchen kichert.
Ramon, der Herzensbrecher! Er balzt gerade um Prisilla herum. Aber der Kater ist ein feiner Kerl und lässt uns Vögel in Ruhe. Nun muss ich aber weiter. Schön dich kennen gelernt zu haben.“
Der Fink fliegt davon, dreht sich aber noch einmal um und ruft.
Sag Ramon, die Frau, die Puppen wieder gesund macht ist das Frauchen von dem Mops Hanna!
Dann fliegt er endgültig davon.




1 Kommentar:

  1. Liebe Lore, du weißt ja, ich bin ein Fan von dir und deinen Geschichten. Und wie ich zu meiner großen Freude sehe, bin ich nicht der einzige. Bald wird die Schallmauer durchbrochen und du kannst 1.000 Leser verzeichnen. Ein ganz großartiger Erfolg!

    AntwortenLöschen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.