Samstag, 3. November 2012

Das alte Spinnrad



Wenn die Tage kürzer werden, der Nebel seinen grauen Schleier über das Land breitet und Frost und Kälte regiert, dann ist  es am Schönsten im warmen Zimmer zu sitzen und Geschichten zu erzählen.

Früher trafen sich Frauen und Mädchen in Spinnstuben und während der Faden flink durch die fleißigen Finger glitt wurden Geschichten erzählt und Lieder gesungen.
Das muss schön gewesen, trotz der Armut die damals herrschte.
Es gab noch das gemütliche Zusammensein, das leider immer mehr verloren geht.
Lasst mich hier eine kleine Spinnstube eröffnen und euch mit meinen kleinen Geschichten unterhalten und erfreuen.
Vielleicht ist es noch ein wenig zu früh, aber da ich vier Weihnachtsgeschichten erzählen möchte, werde ich morgen anfangen.
Das Fest aller Feste ist schneller da, als man glaubt.

Nun noch ein Gedicht von der Jugendfreundin meiner Schwiegermutter.


Das alte Spinnrad

Eine alte Bodenkammer
Vollgestopft mit allerhand
Was sich so im Lauf der Jahre
Kunterbunt zusammen fand

Hoch vom Turm zwölf eherne Schläge
Tönen durch die stille Nacht
Wie durch Zauber wird es rege
In der Kammer sie erwacht

Was ist das ein lustig Treiben
Auch der gute Mond bleibt stehen
Blinzelt durch die trüben Scheiben
Und vergisst das weiter Geh`n

Da ertönt eine Stimme eben
Seid mal still und seid gescheit
Und lasst mich auch einmal reden
Von der guten alten Zeit“


Aus der Ecke kam die Stimme
Von dem alten Spinnrad her
Und es herrscht auf einmal Stille
Und es rührt sich keiner mehr

Wie voll Lust und Eifer drehten
Sich die Rädchen voller Fleiß
Und wie sich die Schränke füllten
Mit dem Linnen blütenweiß

Abends in den Kunkelstuben
Bei dem trauten Lampenlicht
Lieder sangen uns die Buben
Von Treue und Vergissmeinnicht


Wie ist die Welt so schön und weit
Und flüchtig ist das Leben
Und um die gute alte Zeit
Die Spinnen Netze weben

E. Ammerich