Donnerstag, 6. Dezember 2012

Nikolaus ist heute






habt ihr gestern eure Stiefel heraus gestellt, hoffentlich waren sie schön geputzt.
Ob der heilige Mann mit euch zufrieden war, werdet ihr ja dann heute Morgen bemerken.
Hoffentlich hat Knecht Ruprecht sein Begleiter keine Rute hinein gelegt.
Heute jährt sich also zum 1669igsten Mal der Todestag von dem Bischof aus Myra, der als Sohn reicher Eltern nach deren Tod sein Vermögen unter die Armen verteilte.
Und deshalb wird jedes Jahr am 6. Dezember dieser Tag gefeiert und der heilige Mann besucht die Kinder, um ihnen Geschenke zu bringen und auch ein wenig ihnen die Leviten zu lesen.
Leider ist dieses Fest in den letzten Jahren etwas ausgeartet. Wir bekamen noch ein Säckchen mit einem Apfel, einigen Nüssen und Plätzchen, doch in der heutigen Konsumgesellschaft gibt es oft schon Geschenke wie an Weihnachten.
Eigentlich schade, genauso schade, dass man im August schon Lebkuchen kaufen kann.
Wenn meine Mutter Plätzchen backte, dann wurden diese bis heilig Abend versteckt und dann bekam jeder seinen Weihnachtsteller und so war es etwas besonderes.
Aber jede Zeit hat ihre Besonderheit und man muss damit richtig umgehen können.
Ich finde ,dass da besonders die Eltern in die Pflicht genommen werden müssen.
Nach dem Motto: Wenig ist mehr
Ich habe mir überlegt, mit was ich euren Nikolaus-Stiefel wohl füllen könnte.
Ich habe mir gedacht ich legte euch eine neue Weihnachtsgeschichte hinein.
Vielleicht gefällt sie euch.

dreamies.de

Wie Inge-Lore Weihnachten fand


Es ist eine kalte Septembernacht.
Die Sterne funkeln und der Mond scheint auf die kleine Hütte am Rande des Dorfes.
Oben am Dachfenster steht ein kleines Mädchen und schaut in den sternenklaren Himmel.
Es ist die neunjährige Ingelore.
Wegen der Kälte hat sie sich eine Decke um die Schultern gelegt und hält sie zitternd vorne zusammen.
Traurig denkt sie, ob ihre Mutter wohl im Himmel war?
Pfarrer Broderick hatte gesagt: „Sünder kamen nicht in den Himmel!“
Und ihre Mutter war ja wohl eine Sünderin.
Flittchen, Hure!“ hatten die Leute im Dorf sie bezeichnet und dass sie, Ingelore ein Bastard sei, weil niemand wusste, wer ihr Vater war.
Vor vier Jahren hatte ihre Mutter sie zur Oma gebracht und war wenig später mit Lutz ihrem damaligen Freund tödlich verunglückt.
Ingelore konnte sich noch genau daran erinnern.
Fünf Jahre alt war sie gewesen, als sie eines Nachts erwachte und ihre Mutter nebenan weinen hörte.
Das kann ich nicht, sie ist doch mein Kind!“
Nun, überlege es dir, sie oder ich, ich habe keine Lust das Gör nach Amerika mit zu nehmen“
die Stimme von Lutz klang unerbittlich.
Aber wohin soll ich sie denn bringen,“ rief ihre Mutter schluchzend.
Gib sie meinetwegen in ein Heim, oder vergiss sie einfach im Supermarkt!“
Ingelore hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Wie sehr sie den Freund ihrer Mutter doch hasste.
Eine Weile war es still im Nebenzimmer, dann hörte sie Mama mit stockender Stimme sagen:
Meine Mutter lebt in einem Dorf bei Heidelberg, vielleicht kann ich sie zu ihr bringen?“
Gut, morgen fahren wir hin, ja eher wir das Gör los sind, umso besser. Aber nun komm, sei lieb zu mir, gib mir einen Kuss!“
Ingelore aber vergrub ihr Gesicht im Kissen, damit niemand ihr Schluchzen hörte.
Sie zitterte am ganzen Körper vor Angst und fühlte sich so allein und einsam.
Wenn es auch nicht immer schön war bei Mama, besonders wenn sie mal wieder einen neuen Freund hatte, so war das doch ihr zuhause, in dem sie sich geborgen fühlte.
Und nun sollte sie weg, für immer, zu einer Oma, von der sie bisher noch nie gehört hatte.
Irgendwann war das Mädchen dann eingeschlafen.
Ihre Mutter hatte rotgeweinte Augen, als sie am nächsten Morgen in ihr Zimmer kam und während sie ihren Koffer packte, erzählte sie etwas hektisch von der Oma, zu der Ingelore für einige Zeit gehen sollte.
Ingelore ließ alles schweigend über sich ergehen. Seit Lutz bei ihnen wohnte schwieg sie sowieso meistens, denn Lutz konnte sehr böse werden, wenn ihm etwas nicht passte.
Still saß sie auch auf dem Rücksitz des Autos und blickte durch das Seitenfenster auf die vorbei fliegende Landschaft.
Sie fuhren durch ein Dorf und hielten vor einem kleinen Häuschen.
Beeil dich,“ rief Lutz ihnen nach, als sie das Gartentor öffneten und den Kiesweg entlang auf das Haus zugingen. Rechts war eine Ziege an einen
Pfahl angebunden und meckerte sie an. Einige Hühner flohen flügelschlagend vor ihnen und eine getigerte Katze saß auf der Fensterbank und blickte ihnen gelangweilt entgegen.
Mama klopfte an die Tür.
Schlurfende Schritte waren zu hören und die Tür öffnete sich einen Spalt.
Hallo Mama.“
Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete die alte Frau ihre Tochter.
Lange nicht gesehen, was willst du?“
Ich wollte dir deine Enkelin Ingelore vorstellen:“
Die Alte warf einen kurzen Blick auf das Kind und bellte unfreundlich.
Nun, ich habe sie gesehen, du kannst wieder gehen.“
Die Tür fiel ins Schloss.
Die Mama führte Ingelore auf die Bank neben der Tür, stellte den Koffer daneben und sagte:
Warte hier bis die Oma wieder heraus kommt, sie wird sich um dich kümmern. Leb` wohl!“
Sie umarmte sie flüchtig und lief davon.
Der Motor heulte auf und das Auto fuhr weg.
Still saß Ingelore, mit brav gefalteten Händen auf der Bank. Stundenlang.
Eine getigerte Katze setzte sich neben sie, als wollte sie sie beschützen.
Als es dämmerte kam die alte Frau aus dem Haus einen Blecheimer in der Hand.
Sie stutzte, als sie das Kind sah, sah sich kopfschüttelnd um, murmelte etwas vor sich hin und raunzte, „komm rein!“
Das war vor vier Jahren und seitdem ist Ingelore nun bei ihrer Oma.
Miauuuu“, Minka, die getigerte Katze balanciert geschmeidig über die Dachtraufe und springt dann neben ihr ins Zimmer.
Sie streckt sich, macht einen Buckel und strich schmeichelnd um die Beine des Mädchens.
Als sich dieses bückt und sie streichelt, schnurrt sie laut.
Minka hat sie als einzige willkommen geheißen und ihr Freundschaft geschenkt und seitdem fühlt Ingelore sich nicht mehr allein.
Bald liegen die beiden eng aneinander geschmiegt im Bett und schlafen tief und fest.




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