Montag, 17. Dezember 2012

Wie Ingelore Weihnachten fand Fortsetzung 9







In der Nähe stehen einige Kamele und glotzen sie dumm an.
Die Beiden rappeln sich auf und klopfen den Sand aus ihren Engelskleidchen.
Ein großes Zelt steht nicht weit vor ihnen und sie gehen vorsichtig darauf zu.
Einer alter Mann sitzt davor,um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen und neben sich eine Wasserpfeife.
Er winkt sie heran.
Ihr gehört wohl auch zu den Fremden, die zur Volkszählung nach Bethlehem wollen.“
Nein, wir sind E...!“
Mauritzius gibt Gisbert einen Rempler.
Ist es denn noch weit bis dorthin?“
Zu Fuß drei Tage, ein beschwerlicher Weg, besonders barfuß.“
Er blickt auf die Füße der Engel.
Habt wohl kein Geld!“
Er winkt einer jungen Frau und einem Jungen, die Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.
Großvater , was willst du, wir wollen die Krüge zu Großmutter bringen,“ fragt das junge Mädchen.
Der Alte zeigt auf die Engel.
Nehmt sie mit, die Großmutter soll ihnen zu Essen geben und Sandalen. Auch soll sie ihnen von der Kleidung von Sali etwas heraus suchen.“
Er wendet sich an die Engel.
So könnt ihr nicht nach Bethlehem.
Diese kurzen Röckchen sind vielleicht dort geeignet, wo ihr herkommt. Aber hier bei uns brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, da braucht ihr schon die richtige Kleidung.“
Das Mädchen und der Junge nehmen die beiden Engel mit und während der Junge Sandalen und Kleidung für sie zusammen sucht, setzt ihnen die alte Frau Fladen und Fisch vor.
Sie schöpft mit einer Kelle Wasser aus einem Krug und lässt sie davon trinken.
Nachdem sie sich dann angezogen haben, reicht ihnen die Frau einen großen Wasserschlauch.
Gute Reise!“ wünscht sie.
Die beiden bedanken sich und als sie am Zelt vorbeikommen, winkt der Alte sie zu sich.
Hier diesen Esel schenke ich euch. Er ist kräftig genug, euch beide zu tragen.“
Jetzt sehen sie Sali, der grinsend einen Esel hinter sich herzieht.
Die Engel steigen auf und der Alte, seine Frau und
ihre Enkelkinder winken ihnen nach und rufen:
Gute Reise.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert:
Diese Menschen waren sehr nett.“
Mauritzius schweigt.
Der Weg führte sie durch die endlose Wüste und sengende Hitze. Nur kurz halten sie an, trinken aus dem Wasserschlauch, gießen etwas in die hohlen Hände und geben dem Esel auch zu trinken.
Als die Sonne wie ein blutroter Ball untergeht, finden sie eine Höhle in der sie schlafen können.
Am nächsten Tag kommen sie in einen Ort.
Am Eingang steht eine kleine Lehmhütte und eine alte Frau tritt gerade heraus.
Sie beschattet die Augen mit der Hand und grüßt.
Salem, seid ihr auch unterwegs nach Bethlehem zur Volkszählung?“
Die beiden Engel bejahen.
Mitleidig sieht sie ihre verstaubte Kleidung.
Ihr werdet sicher Hunger und Durst haben. Dort hinten am Brunnen könnt ihr euch waschen.“
Mauritzius und Gisbert waschen sich und betreten dann die Hütte.
Ein Mann, eine junge Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden und essen aus einer Schüssel.
Die alte Frau, die sie draußen begrüßt hatte, kommt aus dem Hintergrund der Hütte, in der Hand trägt sie einige Fladen. Sie reicht sie der jungen Frau die sie verteilt.
Die alte Frau aber bricht den Fladen, den sie in der Hand hält und gibt jedem der Engel einen Teil.
Setzt euch und nehmt von dem Hirsebrei.“
Die anderen rückten ein wenig zusammen und still speisen sie, bis die große Schüssel geleert ist.
Der Mann erhebt sich und verlässt die Hütte.
Mein Schwiegersohn muss aufs Feld.“ erklärt die Frau.
Die Kinder sehen ihre Mutter an.
Dürfen wir spielen?“
Lächelnd nickt diese, dann wendet sie sich an ihre Gäste.
Ich werde euren Wasserschlauch füllen und etwas Proviant richten, für eure Weiterreise.“
Und auch sie verlässt die Lehmhütte.
Die alte Frau aber wendet sich mit freundlichem Lächeln an die beiden Engel.
Bis Sonnenuntergang werdet ihr den nächsten Ort erreicht haben.
Am Eingang steht eine ähnliche Hütte wie unsere, dort wohnt meine Schwester Sarah.
Sagt ihr, dass ihre Schwester Judith euch schickt und sie wird euch aufnehmen.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert begeistert.
Die Menschen sind aber nett!“
Wieder schweigt Mauritzius.
Auch bei Sarah werden sie freundlich empfangen, bekommen zu Essen und ein Nachtlager.
Am nächsten Tag reiten sie weiter.
Am Nachmittag kommen sie zu einer großen Schafherde.
Die Hirten winken sie herbei und laden sie ein an ihrem Lagerfeuer Platz zu nehmen.
Großzügig werden sie mit Milch, Käse und Fladen bewirtet.
Auf einmal wird es hell und ein Engel erscheint.
Er verkündet den Hirten, dass der Retter geboren sei und als Kind in Windeln in einem Stall in Bethlehem liegt.
Die Hirten sind erst ganz benommen, doch dann stehen sie auf, nehmen zwei Schafe und Proviant und Milch für das Kind und wandern ins nahe gelegene Bethlehem.
Maurtzius und Gisbert folgen mit dem Esel.
In Bethlehem herrscht großes Gedränge, denn viele Fremde sind in der Stadt und die Hirten stehen etwas ratlos und wissen nicht, in welchem Stall das Kind, das der Messias sein sollte, wohl war.
Mauritzius und Gisbert aber sehen den gesuchten Stern, der über einer Steingrotte schwebt und sie führen die Hirten dorthin.
Staunend scharren sich die rauen einfachen Männer um die Krippe und andächtig sinken sie auf die Knie, denn ein großes Leuchten umgab das kleine Kind.
Der Esel aber stößt ein freudiges „Iaaah“ aus und stellt sich neben die Krippe, auf deren anderen Seite bereits ein Ochse ist.
Plötzlich ist der Erzengel Gabriel da und legt jedem der beiden Engel die Hand auf die Schulter.
Beide werden blass und sehen schuldbewusst zu dem gestrengen Erzengel empor.
Dieser aber lächelt freundlich und erklärt.
Der Stern von Bethlehem ist keineswegs zu früh auf die Erde gekommen. Gott wollte, dass ihr ihm folgt, damit du Mauritzius die Menschen kennen lernst. Denn es sind nicht alle böse und schlecht.
Es gibt viele gute Menschen und diese zu retten, ist das Opfer das Gott und sein Sohn bringen wohl wert.
Zweifle nie mehr an Gottes Weisheit, lieber Mauritzius.“
Dieser nickt errötend.
Was wird aus dem Esel?“ fragt Gisbert, der das Tier lieb gewonnen hat.
Gabriel lächelt.
Das ist der Esel, der die Heilige Familie nach Ägypten bringen wird, um sie vor König Herodes in Sicherheit zu bringen. Nun kommt.“
Und an jeder Hand einen Engel fliegt er in den Himmel.
Und wenn in Zukunft Mauritzius die Menschen durch ein Wolkenloch beobachtet, dann sieht er nicht mehr nur die Bösen, sondern er hält Ausschau nach den Guten.“

Kommentare:

  1. Liebe Lore, ich kann es kaum glauben. Jetzt hattest du in kürzester Zeit wieder über 1.000 Besucher. Herzlichen Glückwunsch! 2.019 Besucher. Du hast noch viel mehr Leser verdient. Und eines ist Dir doch jetzt wohl klar: Die sind nicht aus Versehen auf Deiner Seite. :-)

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  2. Das sind mit sicherheit keine Leser, die sich verlaufen haben, sondern welche, die gezielt die Fortsetzungen lesen. Die Geschichte ist aber auch wunderschön!

    Herzliche Grüße
    Regina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.