Donnerstag, 31. Januar 2013

Die Zaubergeige Teil 6



Die Eishexe hat ihn nach einigen Tagen aus seinem eisigen Gefängnis befreit.
Und obwohl er seitdem unter Beobachtung steht, ist es ihm doch gelungen seiner Mutter eine Nachricht zu senden und zu berichten, was er erlauscht hatte.
Mutter Erde macht sich sofort auf die Suche nach der Zaubergeige.
Der weiße Wolf hatte dasselbe Ziel im Auftrag der Eishexe.


Mühsam schält sich Pascal aus den vielen Decken in die ihn seine besorgte Mutter gewickelt hat und klettert aus dem Bett.
Einen Moment trifft ihn die Kälte wie eine Faust und er beginnt zu zittern.
Schnell schlüpft er in seine Hausschuhe, nimmt seine Kleider und eilt ins Bad, das seine Mutter extra für ihn geheizt hatte, obwohl dass Heizmaterial immer knapper wird.
Er dreht das eiskalte Wasser auf.
Es kostet ihn immer eine Überwindung sich damit zu waschen, obwohl er sich danach frisch und wach fühlt.
Als der Junge dann in die Küche kommt, sieht er seine Eltern eng umschlungen vor dem Ofen stehen und seine Mutter weint und flüstert.
Der Kohlenhändler hat schon wieder die Preise erhöht, bald werden wir sie nicht mehr bezahlen können. Pascal wird wieder krank werden.“
Mama, ich bin kerngesund hat Doktor Wendel bei der letzten Untersuchung gesagt.“
Die Eltern drehen sich um.
Schnell wischt die Mutter die Tränen ab.
Sie eilt zu ihrem Sohn und umarmt ihn fest und drückt ihn an sich.
Pascal befreit sich aus ihren Armen und meint leise.
Du sollst dir nicht immer Sorgen machen. Ich bin genauso gesund wie die anderen Kinder.
Ich habe nur ein lahmes Bein und das schon seit fünf Jahren. Es stört mich nicht und es tut auch nicht weh. Ich spiele sowieso lieber Geige als Fußball!“
Sein Vater grinst.
Recht so mein Junge.“
Dann zwinkert er und flüstert verschwörerisch:
Aber weißt du mein Sohn, Mütter müssen sich immer sorgen, das liegt bei ihnen in den Genen.“
Seine Frau gibt ihm einen Klaps auf die Schulter.
Lachend wirbelt er sie herum und Pascal kichert.
Fröhlich frühstücken sie zusammen und der Vater bringt die Mutter immer wieder zum Lachen.
Ein kurzes Klopfen und die Tür wird aufgerissen und die Nachbarin Frau Bernhuber stürmt herein und bringt einen Schwall Kälte mit.
Schnell schließt sie die Tür hinter sich und platzt heraus: „Die alte Leni ist in ihrer Hütte erfroren!“
Erst jetzt bemerkt sie Pascal, der sie mit offenem Mund anschaut.
Solltest du nicht schon längst auf den Weg zur Schule sein? Astrid ist schon unterwegs.“
meint sie verlegen.
Die Mutter sieht zur Uhr und springt auf.
Tatsächlich, wir haben heute ein wenig die Zeit vergessen.“
Sie hilft Pascal, der noch den letzten Bisses seines Brotes in den Mund stopft, in den Mantel. Setzt ihm die Mütze auf und schlingt den Schal um seinen Hals.
Nachdem der Junge noch die Fäustlinge angezogen hat, nimmt er den Ranzen und verlässt das Haus.
Auf dem Weg zur Schule grübelt er darüber nach, wie es wohl war, wenn man erfriert.
Ob es so ähnlich war wie bei ihm, wenn er abends im kalten Zimmer unter die Decke schlüpft und bibbert, bis ihm endlich warm wird und er dann einschläft.
Hat Leni auch erst gefroren, dann wurde ihr warm und sie ist eingeschlafen?
Nur ist sie dann nicht mehr aufgewacht.
Stimmen und Lachen reißen ihn aus seinen Gedanken.
Bald sitzt er auf seiner Bank in der Schule und für den Moment hat er die alte Leni vergessen.


Wieder sind einige Wochen vergangen.
Die Düsternis und die Kälte schlägt sich allmählich auf das Gemüt der Menschen.
Selbst die Kinder haben die Lust an Schnee und Eis verloren.
Und Arne lässt seinen ganzen Frust an Pascal aus und treibt es ärger als sonst.
Dieser versucht so gut es geht ihm aus dem Weg zu gehen.
Pascal ist auch der einzige, der sich von der allgemeinen Stimmung nicht nieder drücken lässt.
Jeden Abend holt er seine Geige hervor und versucht die Traurigkeit aus den Augen der Eltern und ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern.

Der Bürgermeister hat nach dem Tod der alten Leni angeordnet, dass Bäume im Gemeindewald gefällt werden und jeder Bewohner bekam Holz zum Heizen zugeteilt.
Natürlich wurden sie angewiesen sparsam damit umzugehen, denn niemand wusste wie lange der Winter noch dauert.
Die Kinder saßen in der Schule in dicken Jacken und so sehr Lehrer Hempel sich bemühte, hatten sie doch wenig Lust zum Lernen.
Nur Pascal hörte aufmerksam zu und schrieb nur Einsen.
Was Arne, der nur schlechte Noten bekam, nur noch mehr gegen ihn aufbrachte.
Heute hatten sie eine Deutsch – Probe herausbekommen und wie nicht anders zu erwarten hatte er eine Fünf.
Das würde wieder Backpfeifen vom Vater geben und seine Mutter würde Jammern und Klagen, dann würden sie zu streiten anfangen und sich gegenseitig die Schuld an ihrem missratenem Sohn geben.
Und bei all dem Gezanke würden sie gar nicht bemerken, dass er schon längst das Haus verlassen hatte, um ihren streitenden Stimmen zu entgehen.
Sein Blick fiel auf den strahlenden Pascal und er wurde wütend.
Sicher hatte der wieder eine Eins, das Muttersöhnchen und Liebling der Lehrer und wurde auch besser benotet, weil er ja ein lahmes Bein hatte, der arme Junge.
Ja genauso war es!
Und er bekam nur schlechte Noten, weil er ja sowieso nichts taugte, wie ihm seine Eltern jeden Tag klar machten.
Aber er würde es diesem lahmen Weichling heimzahlen!
Und sofort wurde seine Laune wieder besser.
















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