Donnerstag, 17. Januar 2013

Robins Wiese Ende




Wieder knallen Autotüren und einige Männer kommen den Gehweg entlang und bleiben neben dem Bagger stehen.
Es sind der Bürgermeister, der Stadtrat und der Chef des Konzerns.
An diesen wendet sich der Bürgermeister und bei dem Gedanken an den dicken Scheck in seiner Tasche ist sein
Lächeln fast ehrlich.
Bald wird hier ein großes Warenhaus stehen, Herr Meinert.
Sie werden sehen, sie werden es nicht bereuen.“
Ungeduldig winkt dieser ab und knurrt:
Anfangen!“
Der Bürgermeister gibt dem Baumeister ein Zeichen und dieser nickt dem Baggerfahrer zu, der in den Wagen klettert.
Er dreht den Schlüssel um, ein Rattern, dann Stille.
Noch einmal versucht er es, nichts!
Schnell klettert Toni aus dem Führerhaus und öffnet die Motorhaube.
Oje! Die Schläuche sind alle hin!“
Sofort richtet der Bürgermeister seinen finsteren Blick auf Lehrer Fröhlich, der inzwischen mit seiner Familie gekommen war.
Abwehrend hebt dieser beide Hände.
Ich habe nichts damit zu tun!“
Nö, Chef,“ brummt Toni, das war kein Mensch, sondern ein Tier, wahrscheinlich ein Marder.“
Der Hase kichert in seinem Versteck.
Primelchen streicht liebevoll über sein Fell.
Gut gemacht, Hoppelchen, aber nun geh zu Annegret, sie wartet auf dich.“
Die Elfen umringen den Hasen, küssen und streicheln ihn. Alle haben Tränen in den Augen.
Nun geh!“ flüstert Primelchen und Hoppelchen jagt blind vor Tränen im Zickzack über die Wiese und springt direkt in Annegrets ausgebreitete Arme.
Auch ihre Eltern streicheln den neuen Hausgenossen und sein Nase zuckt aufgeregt.
Laute Stimmen lenken sie ab.
Der Millionär hat wütend an seiner Zigarre gezogen, dass sie dampft wie eine Lokomotive und nun grollt er ärgerlich:
Gute Arbeit sieht anders aus!“
Er fixiert Baumeister Spachtel mit einem finsteren Blick.
Noch so ein Patzer und sie sind gefeuert!“
Er dreht sich um und stapft zu seinem Wagen.
Der Bürgermeister und sein Freund beginnen zu streiten.
Annegret kümmert sich nicht um die Streithähne.
Sie beobachtet den Himmel, dann lächelt sie, beugt sich zu Hoppelchen und flüstert.
Mohnblüte kommt.“
Aufmerksam verfolgen sie nun, wie die Schwalbe sich einem Strauch nähert, umdreht und zurück fliegt.
Aus dem Beerenstrauch aber steigt eine Wolke auf, formiert sich und folgt dem Vogel.
Die Menschen am Rande der Wiese starren staunend auf das Schauspiel.
Was war denn das?“ stammelt der Bürgermeister.
Annegret dreht sich um, den Hasen liebevoll an sich gedrückt und meint gelassen:
Das waren die Elfen. Sie fliegen in ihre neue Heimat, wo keine bösen Menschen die Natur zerstören.“
Hoheitsvoll dreht sich das kleine Persönchen um und schreitet davon.
Die Eltern folgen ihr lächelnd.
Frau Fröhlich beugt sich zu ihrem Mann.
Was glaubst du, waren das wirklich Elfen?“
Dieser lacht herzlich.
Unsinn! Das waren wohl Schmetterlinge!“
Annegret aber, die ihre Eltern gehört hat, lächelt wissend.





1 Kommentar:

  1. Liebe Lore, ich wollte dir nur sagen, ich lese hier immer mit großer Begeisterung und freue mich hier wie dort über deine Geschichten. Ein schönes Wochenende und liebe Grüße! Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.