Montag, 7. Januar 2013

Robins Wiese Teil 3








Da Robin in einer Zeit groß geworden war, in der noch der Handschlag galt, hatte er nicht daran gedacht ein Testament zu machen, um seine Elfen zu schützen.
Ein weit entfernter Verwandter erbte das Grundstück und verkaufte es an Bürgermeister Habgier.
Niemand folgte dem schmucklosen Sarg, nur der Verwandte, der ihn kaum gekannt hatte und Lehrer Fröhlich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Annegret.
Annegret war auch die Einzige, die die vielen kleinen Elfen auf der alten Buche im Friedhof sah.
Doch sie sagte nichts, denn sie wusste, die Erwachsenen konnten die Elfen sowieso nicht sehen.

Es ist ein schöner warmer Tag.
Die Fenster im ersten Stock des Rathauses sind weit offen. Anton, der Spatz, der mit seiner Familie auf dem Kastanienbaum gegenüber wohnt, sitzt auf dem Fensterbrett und putzt seine Federn.
Als er „Robins Wiese“ hört, hüpft er näher und blickt in den Raum.
Fünf Männer sitzen um den großen Tisch, vier im Anzug und einer in Jeans und T-Shirt.
Anton kannte ihn, es war Lehrer Fröhlich, ein netter Mann.
Auch die anderen Männer sind ihm bekannt.
Bürgermeister Habgier, Bauunternehmer Spachtel, Zimmermann Hobel und der Glaser Durchsicht.
Die Drei hatten sich nicht umsonst in den Stadtrat wählen lassen, wussten sie doch, dass ihr Freund, der Bürgermeister ihnen die besten Aufträge zuschusterte.
Nur Lehrer Fröhlich hatte sich aus Idealismus gemeldet, dachte er doch, er könnte etwas bewirken.
Doch mittlerweile hatte er gemerkt, dass er auf ziemlich verlorenen Posten stand.
Sobald wie möglich wollte er sein Amt aufgeben.
Nun aber setzt er sich gerade hin und sieht den Bürgermeister aufmerksam an.
Was ist mit Robins Wiese?“ fragt er vorsichtig.
Er hatte den alten Mann immer bewundert, wie er für seine Wiese kämpfte und es tat ihm leid, dass sie jetzt in der Hand des Bürgermeisters war.
Dieser schlägt eine Akte auf, die vor ihm auf dem Tisch liegt und meint:
Wie ihr wisst habe ich dem Erben von dem alten Sp...“
Lehrer Fröhlich räuspert sich.
„ … von dem alten Robin die Wiese abgekauft.
Ein großer Konzern hat mir nun ein Angebot gemacht.
Er möchte einen Supermarkt dort errichten.“
Lehrer Fröhlich schüttelt den Kopf:
Noch ein Supermarkt, warum lassen wir nicht die Wiese im Andenken an unseren ältesten Bürger, so wie sie ist.“
Der Bürgermeister wirft ihm einen spöttischen Blick zu.
Glauben sie auch an die Elfen, Herr Lehrer? Wundern würde es mich nicht, ihr Grünen seid ja auch nicht von dieser Welt!“
Er lacht dröhnend und sieht seine Freunde fragend an.
Lehrer Fröhlich wird vier zu eins überstimmt und ist gar nicht fröhlich, als er nach Hause geht.

Anton aber fliegt zu den Elfen.

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