Sonntag, 3. Februar 2013

Die Zaubergeige Teil 9







Der Mond war inzwischen aufgegangen und taucht die eisige Landschaft in sein silbernes Licht.
Plötzlich sieht Arne gegenüber etwas aufblitzen.
Er wischt sich über die Augen, die Tränen haben ihm wohl einen Streich gespielt
Wieder ein Blinken, es kommt aus der Höhle in den Felsen.
Arne glaubt nicht an die Legende, dass ein Pirat in einer der Höhlen einen Schatz versteckt hat, aber er ist doch neugierig.
Er umrundet die Klippen und klettert vorsichtig die steile Wand hinunter und springt auf den Absatz der in die Höhle hinein führt.
Dunkelheit umgibt ihn, denn das Mondlicht dringt nicht bis in das Innere der Höhle.
Vorsichtig tastet Arne sich an den kahlen Wänden entlang.
Enttäuscht will er schon umkehren, als es aus der hintersten Ecke wieder aufblitzt.
Seine Augen haben sich schon ein wenig an das Dunkel gewöhnt und so geht er weiter.
Wieder blinkt es und zwar direkt vor ihm.
Der Junge bückt sich und keucht überrascht auf.
Vor ihm liegt eine Geige, die nun zu strahlen beginnt, als hätte sie nur auf ihn gewartet, um ihr Licht zu entfalten.
Sie ist aus Glas und in ihrem Innern leuchtet es, als wäre die Sonne darin gefangen.
Arne lacht glücklich und die Felsenwände werfen sein Lachen mehrfach zurück.
Schnell bückt er sich, hebt behutsam das Instrument mitsamt dem Bogen auf und schiebt es unter seine Jacke.
Dann macht er sich an den schwierigen Aufstieg.
So schnell er kann läuft er nach Hause und es ist, als würden ihn seine Beine von selber tragen.
In seinem Zimmer wickelt er das kostbare Instrument in eine Decke und schiebt es unter das Bett.
Gleich morgen früh würde er die Geige zu Pascal bringen.
Glücklich schläft er ein.
Als er am nächsten Tag erwacht ist es noch dämmrig draußen.
Aber er fühlt sich frisch und ausgeruht.
Schnell springt er aus dem Bett, bückt sich und zieht das Paket hervor.
Vorsichtig wickelt er die Geige aus der Decke und betrachtet sie staunend.
Wie wunderschön sie ist.
Behutsam fährt er mit der Hand über das Gehäuse und zupft ganz zart mit dem Finger die Saiten.
Er schlüpft in seine Jacke, wickelt die Geige wieder in die Decke und klettert aus dem Fenster.
Es ist noch sehr früh und das Dorf ist wie ausgestorben.
Arne klopft an Pascals Fenster.
Das verschlafene Gesicht des Jungen erscheint und verschwindet wieder.
Verzweifelt klopft Arne noch einmal.
Die Tür öffnet und sich und Pascal sieht ihn wütend an.
Du weckst ja meine Eltern auf. Was willst du?“
Komm mit, ich muss dir was zeigen!“
Pascal knöpft sich seinen Mantel zu und folgt etwas misstrauisch dem Jungen.
Arne wartet unter der großen Kastanie in der Ortsmitte auf ihn.
Etwas verlegen sieht er Pascal entgegen, dann sagt er ernst:
Es tut mit leid, dass ich deine Geige kaputt gemacht habe, es war dumm und gemein von mir und ich danke dir, dass du mich nicht verraten hast. Doch sieh mal,was ich in einer der Höhlen in den Klippen gefunden habe.“
Er wickelt das Instrument aus und Pascal bekommt kugelrunde Augen.
Die ist ja wunderschön,“ flüstert er ehrfürchtig und nimmt die Geige in die Hand.
Sie ist vollkommen aus Glas, wie sie wohl klingt?“
Spiel,“ flüstert Arne.
Pascal stützt die Geige unterm Kinn ab und fährt sachte mit dem Bogen über die Saiten.
Er zarter heller Ton erklingt.
Und dann beginnt Pascal zu spielen, zuerst ein Menuett von Mozart, dann einen Walzer von Johann Brahms und schließlich die Träumerei von Robert Schumann.
Und die Geige jauchzt, jubelt und singt und es ist als würden die Töne zum Himmel aufsteigen.
Plötzlich ist ein tiefes Grollen zu hören, als würde ein Gewitter aufziehen.
Ein großer weißer Wolf taucht am Ortseingang auf und kommt auf sie zu, die Lefzen zurückgezogen und aus seinen roten Augen schießen kleine Blitze.
Die beiden Jungen rücken ängstlich zusammen.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.