Samstag, 23. März 2013

Aurelia Fortsetzung 5




Im Schmetterlingsland versuchen alle so normal wie möglich zu leben und sich von dem schrecklichen Ungeheuer vor der Tür nicht einschüchtern zu lassen.
Aber das Lachen der Kinder ist leise geworden, das fröhliche Geschnatter der Wichtel verstummt und das Summen und Singen der Elfen nicht mehr zu hören.
Selbst die Vögel im Wald singen nicht mehr.
Über dem ganzen Zauberland liegt eine gespenstische Stille.
Eine mollige, pausbäckige Elfin trippelt durch den Garten.
Ab und zu bleibt sie verschnaufend stehen und
wischt sich über die Stirn.
Sie hätte das dritte Honigbrötchen nicht essen sollen.
Stöhnend klettert sie die Stufen zum Palast hinauf und geht durch den großen Saal direkt in Aurelias Zimmer.
Diese sitzt vor dem Spiegel und flechtet Blumen in ihr Haar, dabei summt sie eine traurige Melodie.
Die stämmige kleine Person räuspert sich.
Avar!“ ruft Aurelia und wirft sich schluchzend ihrer alten Kinderfrau in die Arme.
Beruhigend streichelt diese ihr über das Haar, dann schiebt sie das Mädchen energisch von sich.
Es ist genug, meine Bluse ist ja schon ganz nass!“
poltert sie, bemüht ihre eigenen Tränen zu unterdrücken.
Unter Lachen und Weinen zieht Aurelia ihre Kinderfrau neben sich auf das Sofa.
Hast du dir schon überlegt, was zu tun ist?“ will Avar wissen.
Aurelia sieht versonnen aus dem Fenster.
Gernot wird mich retten.“
Und wenn er es nicht kann? Er ist nur ein kleiner Elf, was soll er gegen einen so großen Drachen ausrichten?“
Gernot ist klug, ihm wird etwas einfallen.
Und ich könnte immer noch Unwirsch heiraten, um mein Volk zu retten,“ murmelt die Schmetterlingskönigin.
Rede keinen Unsinn!
Du würdest keine drei Tage in den unterirdischen Höhlen überleben.
Unwirsch würde so wütend werden, weil er sich betrogen fühlt, und würde unser Reich verwüsten.
Dein Opfer wäre also vollkommen umsonst.
Gernot würde uns zu Hilfe eilen und auch das Blumenreich würde der Drache zerstören.
Die Zwergen werden gegen die Kobolde kämpfen und auch der große Feenkönig wird sich einmischen.
Überall wäre Krieg!“
Aurelia hebt sich die Ohren zu.
Avar, hör auf, du machst mir Angst!“
Beruhigend tätschelt diese ihre Hand.
Ich wollte dir nur klar machen, dass dein Opfer sinnlos wäre.“
Seltsam, dass so ein kleiner Kerl, wie der Koboldkönig, so ein riesengroßes Haustier hat.“
Das alte Mädchen nickt.
Seine Patin, die Kräuterhexe Wurzel, hat ihm den Drachen geschenkt, kaum dass er aus dem Ei geschlüpft ist.
Die beiden sind zusammen aufgewachsen und der Drache hängt mit abgöttischer Liebe an Unwirsch und würde ihm nie ein Haar krümmen, obwohl er so groß ist, dass er den Kobold mit einem Fuß zerquetschen könnte.
Eigentlich ist diese Freundschaft rührend!“
Das hilft uns aber nicht weiter,“ brummt Avar.
Aurelia nickt.
Wir müssen eine Versammlung einberufen.“
Mit schnellen Schritten eilt sie hinaus und schickt ein Elfenmädchen in den Garten um alle Wichtel und Elfen in den großen Saal zu bitten.
Gemurmel, Wispern und gelegentliches Kichern erfüllt den Raum, doch als Aurelia eintritt wird es augenblicklich still.
Die Königin setzt sich in die Mitte auf die Decke aus Blumen und sofort eilen die kleinen Wesen zu ihr.
Das gibt ein Gerenne und Gerangel, denn jeder will möglichst nahe bei Aurelia sitzen.
Endlich hat jeder seinen Platz und es herrscht Stille.
Aurelia wirft einen ernsten Blick in die erwartungsvollen Gesichter ringsum.
Ihr könnt euch denken, warum wir uns hier versammelt haben.
Wenn ich Unwirsch nicht heirate, dann wird Schmetterlingsland in Flammen aufgehen.“
Du darfst Unwirsch nicht heiraten! - Lieber sterben wir! - Gernot wird uns retten! - Die Zwerge werden die Kobolde daran hindern! - Der große Feenkönig wird das nicht zulassen!“
Vor Aufregung sind alle aufgesprungen und reden durcheinander.
Aurelia hebt beschwichtigend die Hand.
Das weiß ich alles. Sowohl Gernot, die Zwerge und auch der große Feenkönig werden uns helfen.
Aber was ist, wenn sie zu spät kommen?
Wir müssen uns vor dem Feuer schützen. Hat jemand eine Idee?“
Ich, ich, ich...!“ tönt es von der Tür und Esmeralda kriecht mit hochrotem Kopf in den Saal.
Die Elfen und Wichtel bilden eine Gasse, damit die Schnecke zu Aurelia kann.
Aufatmend bleibt sie stehen, zieht ihre Fühler ein und verschwindet in ihrem Haus.
Alle warten, dass sie wieder heraus kommt, doch nichts geschieht.
Aurelia seufzt. Manchmal braucht man viel Geduld im Umgang mit Esmeralda.
Vorsichtig klopft sie an das Schneckenhäuschen und die Schnecke streckt ihren Kopf heraus.
Entschuldige, nun wäre ich doch beinah eingeschlafen, aber der Weg hierher war ja auch ...“
Du wolltest uns von deiner Idee erzählen,“ unterbricht Aurelia sie sanft.
Ja,ja,ja“, stammelt die Schnecke, „ habe mich mit
Spitznase, dem Maulwurf unterhalten und er meint, das Feuer könne ihm nichts anhaben so tief unter der Erde.“
Das ist es!“ jubelt Aurelia.
Sie nimmt den Kopf der Schnecke und gibt ihr einen schallenden Kuss.
Esmeralda errötet vor Freude, zieht sich aber erschrocken zurück, als ringsum ohrenbetäubender Lärm aufbrandet.
Wichtelmännchen werfen jauchzend ihre Mützen in die Höhe, schnappen sich ein Wichtelfrauchen und tanzen ausgelassen durch den Saal.
Die Elfen schwirren übermütig durch die Luft.
Die Kinder kreischen fröhlich und schlagen Purzelbäume.
Aurelia bleibt still sitzen und betrachtet lächelnd das ausgelassene Treiben.
Avar sitzt kopfschüttelnd daneben und von Esmeralda hört und sieht man nichts.
Als endlich wieder Stille eintritt verteilt Aurelia die Aufgaben.
Weißbart, der Älteste der Wichtel, wird zu Spitznase geschickt, um den besten Platz für die Schutzhöhle zu finden,
Die Wichtelfrauen müssen Kleider, Decken und Kissen zusammensuchen, um die Höhle gemütlich auszustatten.
Die Elfen sollen genügende Nahrung sammeln und die Kinder werden zu den Spinnen gesandt.
Diese sollen über den Maulwurfhügel ein Netz weben, das dicht genug ist, um den Rauch abzuhalten, aber doch so feinmaschig, dass genügend Luft durchdringt.
Eilig verlässt das kleine Völkchen den Saal.
Froh darüber etwas gegen die drohende Gefahr unternehmen zu können.





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