Dienstag, 26. März 2013

Aurelia Fortsetzung 7







Nach einem langen wohltuenden Schlaf erwacht Gernot.
Er stellt sich an den offenen Eingang.
Es ist seltsam die Welt von dieser Höhe aus zu betrachten.
Die Sonne erhebt sich aus ihrem Bett und vertreibt die letzten Fetzen der Nacht.
Die Vögel ringsum rumoren in ihren Nestern und einige sind schon unterwegs zur Futtersuche.
Doch ihr fröhliches Gezwitscher, mit dem sie jeden Morgen Frau Sonne begrüßen, ist heute nicht zu hören.
Eichkätzchen laufen an den Baumstämmen hinunter und verschwinden, sich immer wieder ängstlich umsehend, im Unterholz.
Es liegt eine gespenstische Stille über dem Wald.
Unwirsch hat mit seiner Bosheit, Angst und Traurigkeit in das fröhliche glückliche Zauberland gebracht.
Gernot presst grimmig die Lippen aufeinander.
Er würde diesem Treiben ein Ende setzen und sollte er dafür mit dem Leben bezahlen.
Er stellt sich auf die Zehenspitzen, um einen Blick auf das Schmetterlingsreich zu werfen.
Auch hier herrscht eine gespenstische Stille, als wäre das Land in einem Dornröschenschlaf gefallen.
Ein Rauschen kündet die Eule an.
Gernot tritt beiseite, damit sie in die Höhle schlüpfen kann.
Sie hat den Schnabel voller Blüten und lässt sie auf den Boden fallen.
Ich habe euch Frühstück mitgebracht. Mäuse wollt ihr ja sicher nicht essen,“ lacht sie.
Igitt! Wir sollen Mäuse essen!“
Springinsfeld sitzt auf dem Bett und reibt sich verschlafen die Augen.
Dummerchen, ich habe euch frische Blüten mitgebracht, hängen sogar noch Tautropfen dran.“
Hmm, prima!“
Der Wichtel springt aus dem Bett und stürzt sich auf die Mahlzeit.
Der Elf steht wieder am Eingang und sieht sinnend hinaus.
Frau Eule stellt sich neben ihn.
Wurzel lässt dir ausrichten, du sollst keine Angst haben. Sie weiß, du wirst es schaffen. Auch soll ich dich an dein Versprechen erinnern, was immer das auch ist.“
Gernot nickt ernst.
Ich soll Kalypso nicht töten.“
Pah!“
Die Eule schüttelt den Kopf.
Wir werden dir die Kobolde vom Leib halten,
Aber nun iss, bevor der Vielfraß dort hinten dir alles weg isst. Du brauchst deine ganze Kraft!“
Springinsfeld läuft rot an und zieht schnell die Hand zurück, mit der er nach der letzten Blüte greifen will.
Die Eule beäugt ihn spöttisch.
Ich werde jetzt schlafen, weckt mich bevor ihr los zieht.“
Sie wackelt zu ihrem Bett, dann hebt sie lauschend den Kopf.
Hätte nicht gedacht, dass ich das Federvieh mit seinem Gezwitscher einmal vermissen werde.“
Kopfschütteln macht sie es sich bequem und bald verkünden kleine Schnarchtöne, dass sie schläft.
Nachdem sich Gernot auch gestärkt hat, setzen sich die beiden Freunde vor der Höhle auf einen Ast.
Sie bleiben nicht lange allein.
Ein Buchfink - Weibchen setzt sich zu ihnen auf einen kleinen Schwatz.
Eine Goldammer gesellt sich dazu.
Ein Kleiber klettert vergnügt den Stamm hinauf und hinunter. Er kann nicht lange still sitzen.
Später kommt noch ein Rotkehlchen, ein
schüchterner kleiner Zaunkönig, eine Blaumeise, ein Sperling und eine Lerche.
Der ganze Baum ist voll mit Vögeln.
Sie schwatzen und lachen, sprechen Gernot Mut zu
und veranstalten einen entsetzlichen Lärm.
Der Elfenkönig befürchtet schon, Frau Eule würde aufwachen.
Doch seltsamerweise rührt sich nichts in der Wohnung.
So vergeht die Zeit wie im Fluge und mit einem Blick zum Himmel stellt Gernot fest, dass die Sonne sich ihrem höchsten Stand nähert.
Wir müssen aufbrechen,“ murmelt er.
Sofort verstummt das fröhliche Geschnatter.
Der Eichelhäher räuspert sich.
Wir wünschen dir viel Glück!“
Viel Glück! Viel Glück! Viel Glück!“ ertönt es ringsum und die Vögel fliegen davon.
Kaum sind sie weg, steckt Frau Eule ihren Kopf heraus.
Na endlich! Es kann doch niemand schlafen bei diesem Lärm,“ brummt sie, aber sie sieht nicht böse aus.
Es wird Zeit mein Junge!“
Gernot und Springinsfeld klettern auf den Rücken des Vogels und dieser setzt sie auf dem Waldboden ab.
Viel Glück ihr beiden, ich werde in der Nähe
bleiben.“
Die Eule fliegt davon.
Der Elfenkönig und sein Freund gehen schweigend nebeneinander durch den Wald.
Plötzlich steht ein Fuchs vor ihnen.
Viel Glück Gernot, du rettest nicht nur Aurelia, sondern uns alle.“
Er dreht sich um und verschwindet im Unterholz.
Es raschelt und die spitze Nase des Fuchses taucht wieder auf.
Übrigens, wir werden dir die lästigen Kobolde vom Leibe halten.“
Er grinst verschmitzt.
Die können vielleicht laufen!“
Dann ist er verschwunden.
Gernot fühlt sich auf einmal sehr stark.
Das Vertrauen seiner Freunde gibt ihm Kraft.
Ein Blick zur Sonne zeigt ihm, dass diese sich immer mehr dem Zenit nähert.
Er nimmt Springinsfeld am Arm.
Komm, wir laufen das letzte Stück.“
Sie spurten los und erst, als sie Kalypso angekettet am Felsen sehen, werden sie langsamer.
Hinter einem großen Stein gehen sie in Deckung.
Gernot legt Springinsfeld die Hand auf die Schulter.
Mein Freund, ich bin sehr froh, dass du mich begleitet hast. Ich brauche deine Hilfe!
Während ich versuche mich so nah wie möglich an den Drachen heranzuschleichen, musst du ihn ablenken. Bringe ihn aber dazu, dass er in meine Richtung blickt, damit ich ihm den Sonnenstrahl direkt ins Auge lenken kann.
Aber hüte dich vor dem Feuer. Viel Glück!“
Sie umarmen sich stumm und der Wichtel verschwindet im hohen Gras.
Der Elfenkönig nimmt die Kristallkugel fest in die Hand und schleicht an den Drachen heran, bis er fast seine Nase berührt.
Springsinsfeld springt aus seinem Versteck, hüpft vor dem Drachen herum, wedelt mit beiden Armen und brüllt.
Fang mich doch, du schwerfälliges, dummes Ungetüm.
Niemals wirst du unser wunderschönes Reich zerstören!“
Grollend wendet der Drache sein riesiges Haupt hin und her und eine große Feuerwolke walzt in ihre Richtung.
Der Wichtel und der Elf können sich gerade noch mit einem kühnen Sprung hinter einem Felsen in Sicherheit bringen.
Dabei verliert Gernot die Kristallkugel, die auf den Drachen zurollt.
Er will ihr nach, da rauscht es über ihm, Frau Eule
stößt im Sturzflug hinunter, packt den Kristall und wirft ihn Gernot zu.
Jetzt!“
Der Elfenkönig rennt los, die Kristallkugel über dem Kopf haltend.
Der Drache wirft wütend und grollend den Kopf hin und her und reißt sein riesiges Maul auf.
Gernot glaubt sein letztes Stündlein hat geschlagen.
Da schießt aus dem Kristall ein gleißender Strahl mitten in die Augen des Ungetüms.
Ein Zittern fährt durch den mächtigen Körper und er beginnt zu schrumpfen, bis er nur noch die Größe einer Heuschrecke hat.
Das Feuer aus seinem Maul kann nicht mal mehr einen Grashalm versengen und die Rauchwolken aus seinen Nüstern sind nicht größer als der Samen einer Pusteblume.
Gernot und Springinsfeld fallen sich jubeln in die Arme.
Kalypso nützt die Gelegenheit und rennt weg.
Mit seinen kurzen Beinen kämpft er sich durch das hohe Gras.
Auf einmal wird er hochgehoben, schwebt einen Moment in der Luft und landet in Wurzels Schürze.
So, mein Kleiner, du könntest leicht zu schaden kommen. Ich bringe dich zu deinem Freund.
Jetzt hast du auch die passende Größe für das Haustier eines Kobolds.
Hätte ich schon viel früher machen sollen, dann wäre uns der ganze Ärger hier erspart geblieben.“
Die Kräuterhexe eilt mit weit ausholenden Schritten zu der Stelle, an der die beiden Freunde immer noch ihren Freudentanz aufführten.
Während ihr hier herum hüpft wie die Verrückten, hat sich dieser Geselle aus dem Staub gemacht!“
poltert Wurzel und öffnet ihre Schürze.
Der Elf und der Wichtel werden ganz verlegen.
Gernot reicht ihr mit einer Verbeugung die Kristallkugel.
Vielen Dank!“
Ist schon gut,“ knurrt diese, „ich habe nur geholfen, aber du hast durch deinen Mut und deine Beherztheit das Zauberland vor einem großen Unheil bewahrt.“
Sie wirft einen grimmigen Blick auf den Wichtel.
Der Kleine hat sich auch wacker geschlagen!“
Springinsfeld hält ihrem finsteren Blick stand und schaut ihr frei und offen ins Gesicht.
Wenigstens ist er nicht so eine Memme, wie deine Blumenelfen,“ brummt sie und senkt den Kopf, um die Kugel in ihrer Kräutertasche zu verstauen.
Oder will sie ein Lächeln verstecken?
So nun werde ich meinem Patenkind sein neues
Haustier bringen und ihm kräftig die Leviten lesen.“
Mit einem kräftigen Stups drückt sie den Drachen, der neugierig aus der Schürze lugt, zurück und stapft davon.


Leider war ich am Wochenende verhindert und konnte euch die Fortsetzung nicht schreiben, dafür habe ich   heute gleich zwei auf einmal in den Blog gesetzt und morgen kommt dann das glücklich Ende der Geschichte.

Eure Märchenfee



 

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