Montag, 18. März 2013

Aurelia




Ein lieblicher Gesang ist zu hören.
Wie ein zartes Glockengeläut tönt es über die blühende bunte Wiese und die Blumen strecken ihre Köpfe, als der Gesang sie streichelt, wie eine sanfte Brise.
Die lieblichen Töne klettern über die Mauern, die das
Schmetterlingsreich wie eine Festung umgeben und erreichen den nahe gelegenen Wald.
Rehe hören auf zu äsen und heben lauschend die Köpfe.
Die kleinen Hasen, die sich übermütig balgen, kauern sich ins Gras und stellen lauschend die Löffel.
Die Näschen zucken voll Wohlbehagen.
Und die Vögel ringsum zwitschern begeistert mit.
Ruhe! Was soll denn dieser Lärm!“ schimpft Frau Eule und steckt ihren Kopf aus ihrer Wohnung.
Sie trägt eine Brille, denn tagsüber kann sie nicht gut sehen.
Ihre Augen, die hinter den Gläsern viel größer erscheinen, funkeln böse.
Kann denn niemand etwas Rücksicht nehmen! Ich muss schließlich schlafen!“
Wenn du nicht die ganze Nacht durch den Wald streifen würdest, um uns zu fangen, wärst du nicht so müde,“ piepst eine kleine Maus frech.
Doch als die großen Eulenaugen auf sie herunter schauen, verschwindet sie blitzschnell in ihrem Mauseloch.
Freche Göre,“ brummt Frau Eule.
Eine Elster fliegt heran und lässt sich auf einem Ast
nieder.
Sie ist eine alte Klatschbase und auch jetzt funkeln ihre Augen, als könnte sie es kaum erwarten eine Neuigkeit zu verkünden.
Wisst ihr denn, warum Aurelia heute so besonders schön singt?“
Nun sie hat eine wunderbare Stimme und hat mich schon oft in den Schlaf gesungen,“ brummelt Frau Eule und wirft einen finsteren Blick in die Runde.
Die Vögel ducken sich und versuchen sich ganz klein zu machen.
Und wenn dieses hirnlose Federvieh nicht so einen entsetzlichen Lärm gemacht hätte, würde ich auch schon längst schlafen.“
Aber ihr wisst nicht, warum Aurelia heute so ganz besonders glücklich ist!“ ruft die Elster und plustert ihre Federn auf.
Ein Rotkehlchen drängt sich nach vorn, doch die Elster hackt nach ihr und erschrocken weicht das Vögelchen zurück.
Nun erzähl schon, bevor du daran erstickst. Da ich tagsüber schlafe bekomme ich nicht alles mit was hier geschieht.“
Die Elster wirft einen triumphierenden Blick in die Runde.
Aurelia ist verliebt und Gernot hat um ihre Hand angehalten.“
Und deshalb die ganze Aufregung. Ich gehe jetzt schlafen.“
Die Vögel, die die Elster nicht leiden können, schwirren davon.
Nur das kleine Mäuschen schlüpft aus ihrem Loch,
nachdem es sich vergewissert hat, dass die Eule nicht mehr da ist.
Wer ist denn Gernot?“
Die Elster sieht sie finster an.
Ach halt doch den Mund!“ grollt sie ärgerlich und fliegt davon.
Das Mäuschen zuckt beleidigt mit dem Näschen und verschwindet in ihrem Erdloch.

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