Donnerstag, 14. März 2013

Der Sohn des Wassermannes Teil 28



Lucinda bleibt vor dem Moorland stehen und blickt den schmalen Weg entlang.
In der Ferne am Ende des Weges sieht sie das blühende Land der Kräuterfee schimmern.
Doch um dahin zu gelangen musste sie wohl erst einmal den schmalen Steg bezwingen.
Sie atmet noch einmal tief durch und betritt den engen Pfad.
Vorsichtig, Schritt für Schritt, balanciert sie durch das Moor.
Rechts und links blubbert und schmatzt es und immer wieder fliegt eine schlammig braune Gischt auf den Weg und mehr als einmal kommt Lucinda ins Taumeln.
Als sie die Mitte des Weges erreicht hat, taucht die Moorhexe neben ihr aus dem Schlamm auf.
Mit kreischendem Gekicher fasst sie nach ihrer Tasche und versucht sie ins Moor zu ziehen.
Lucinda kämpft verzweifelt, dann streift sie die Ledertasche von ihrer Schulter und beginnt zu laufen.
Von der Wucht der Tasche fällt die Hexe mit einem Schrei zurück ins Moor, dann setzt sie Lucinda nach.
Diese hat fast das Kräuterland erreicht, da verschwindet auf einmal der Weg vor ihr und das brodelnd Moor erscheint.
Mit einem mutigen Sprung auf die Wiese rettet sich die junge Frau und sinkt mit einem Weh laut zusammen.
Für kurze Zeit verliert sie das Bewusstsein.
Sie hört wispernde Stimmen, als sie wieder zu sich kommt.
Wer sie wohl ist? Oh wie ist sie schmutzig, voller Schlamm. Vielleicht ist sie die Moorhexe?“
Lucinda setzt sich auf und sieht lauter putzige kleine Männlein und Frauchen , die erschrocken zurück weichen.
Die Meeresprinzessin streicht sich das verschmutzte Haar aus dem Gesicht und lächelt die kleinen Kräuterlinge an.
Bist du ein Bär?“ fragt ein kleines Dingelchen, dass ein Wams aus blauen Brombeeren trägt.
Nein, ich bin die Meeresprinzessin Lucinda, aber die Moorhexe hat mich voller Schlamm bespritzt.“
Sie sieht an ihrem Kleid herab.
Du hast recht, ich sehe aus wie ein Braunbär.“
Zutraulich kommen die kleinen putzigen Wesen näher.
Plötzlich ertönt eine Stimme von oben.

Ich bin eine Prinzessin, ist das nicht fein
Wenn ich so hässlich wäre wie du, möchte ich
keine sein
Hast wohl gebadet im Moor
so kommt es mir vor
Im ganzen Land
ist so eine hässliche Prinzessin nicht bekannt.

Lucinda sieht nach oben und erblickt ein winziges Kerlchen, das mit dem Kopf nach unten auf einem Ast schaukelt.
Auf dem Kopf trägt es eine halbe Buchecker.
Und während es heftig hin und her schaukelt, kommt auch schon das nächste Gedicht:


Nun hat sie mich entdeckt
was habe ich mich erschreckt
wie ein Zotteltier siehst du aus
was willst du von uns, welch ein Graus“

Eine stämmig kleine Frau mit einem Kleid aus Kastanien kommt jetzt über die Wiese.
Ach halt den Schnabel, Buchecker, deine Gedichte werden auch nicht besser, wenn du noch so viele von dir gibst.“
Mit einem Schwung bringt sich der kleine Dichter nach oben und sitzt nun auf dem Ast.
Und dann tönt das nächste Gedicht:
Liebe Tanie, du bist ja nur ärgerlich
weil dir nie gelingt so ein Gedicht
Denn nur wo Geist und Weisheit besteht
Entsteht ein begnadeter Poet.“

Lucinda zwinkert Tanie zu, dann beginnt sie:

An meines Vaters königlicher Tafel
würde man dich verspotten, wenn du so schwafelst
berühmte Minnesänger und Dichter trugen ihre Werke vor
voller Geist, Witz und Humor
über deine dummen Sprüche
würde nicht mal lachen die Mäuse in der Küche“

Die kleinen Kräuterlinge jubeln und klatschen in die Hände.
Buchecker aber verzieht sich beleidigt in den Gipfel des Baumes.
Lucinda sieht ihm bedauernd nach.
Nun habe ich ihn beleidigt.“
Tanie winkt ab.
Der ist nie lange böse und außerdem er war ja nicht sehr höflich zu dir. Aber nun komm, wir bringen dich zur Kräuterfee und du wirst sehen nach einem schönen Bad fühlst du dich wieder wohler.“
Lucinda erhebt sich und begleitet von den kleinen Wesen wandern sie über die Wiese.
Vor einem schmucken kleinem Häuschen werden sie von der Kräuterfee erwartet.
Lächelnd streckt sie ihr die Hand entgegen.
Frau Holle hat mir vor einiger Zeit schon deine Ankunft angezeigt.“
Schmunzelnd betrachtet sie Lucinda.
Du hast wohl eine Begegnung mit der Moorhexe gehabt?"


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