Dienstag, 30. April 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 1



Wochen vergingen.
Matthias hatte seinem Sohn kurz nach der Ankunft in Hamburg einen Brief geschrieben, seitdem hatte der Junge nichts mehr von ihm gehört.
Naja, es war ja auch nicht so einfach von der Bohrinsel aus Post zu versenden.


Patrick liegt auf dem Heuboden und beobachtet durch die Luke die langsam verblassenden Sterne.
Bald muss er aufstehen und dann würde er bis tief in die Nacht arbeiten müssen.
Außer dem alten Tobias und Gertrude der Wirtschafterin waren keine Helfer am Hof, denn niemand hielt es bei dem alten Geizkragen lange aus.
Zur Schule ging Patrick schon lange nicht mehr, denn der Bauer hielt dies für verschwendete Zeit.
Patrick hatte seine Schulbücher hier oben versteckt, doch wenn er abends herauf kam, fielen ihm vor Müdigkeit die Augen zu.
Nur am Sonntag hatte er manchmal Zeit zum Lernen.
Quietschend wird die Tür des Stalles geöffnet und Tobias holt Amanda, die einzige Eselstute des Bauern heraus.
Diese ist trächtig und trotzdem muss sie sich mit den schweren Mehlsäcken abplagen.
Plötzlich schreit Amanda qualvoll auf und gleich darauf hört man die grobe Stimme des Müllers poltern.
Was soll das, warum liegt die Eselstute hier mitten auf dem Hof?“

Patrick springt vom Heuboden, ohne die Leiter zu benützen und saust wie der Blitz hinaus auf den Hof.
Er sieht gerade noch, wie der Müller die Eselstute mit dem Fuß tritt und diese qualvoll aufschreit.
Nein!“ schreit der Junge und stellt sich schützend vor das arme Tier.
Sie bekommt doch ihr Junges!“
Der Bauer sieht ihn an, als hätte er nicht übel Lust nun Patrick zu verprügeln, doch da mischt sich der alte Tobias ein.
Lasst es gut sein Herr, der Bub hat recht, es ist soweit und wenn ihr Amanda tot schlägt, habt ihr keinen Esel mehr.“
Der Bauer wendet sich stumm um und stapft ins Haus.
Nun schnell, bevor er es sich anders überlegt!“
Tobias holt ein paar alte Mehlsäcke und vorsichtig rollen sie die kläglich wimmernde Eselstute darauf und schleifen sie in den Stall.
Nach qualvollen Minuten ist der kleine Eselhengst geboren und versucht tollpatschig auf die Beine zu kommen.
Amanda ist viel zu schwach, um sich um ihren Sohn
zu kümmern, aber der alte Knecht und der Junge reiben den kleinen Esel mit Stroh kräftig trocken.
Amanda wimmert und Patrick ist sofort an ihrer Seite.
Mit großen fiebrig glänzenden Augen sieht die Eselstute den Jungen an.
Liebevoll streichelt er den Hals der todkranken Freundin und wie unter Zwang sagt er plötzlich:
Keine Angst Amanda. Ich werde für deinen Sohn sorgen!“
Als hätte die Eselstute ihn verstanden schließt das arme Tier die Augen, ein Zittern geht durch den geplagten Körper und Amanda ist tot.
Schluchzend wirft sich Patrick über das tote Tier.
Tobias streicht ihm unbeholfen über das Haar.
Der Bauer erscheint an der offenen Tür.
Wie sieht`s aus?“
Amanda ist tot!“ ruft Patrick anklagend.
Grabt sie ein und das Junge gleich mit!“
Nein!“ schreit Patrick und spürt die Hand von Tobias auf der Schulter, der ihn beruhigend drückt.
Lass mich nur machen,“ flüstert dieser.
Der alte Knecht nimmt den Bauern am Arm und führt ihn hinaus.
Mit bangem Herzen, beide Arme um den kleinen Esel geschlungen, wartet Patrick.
Endlich kommt Tobias zurück und zwinkert verschmitzt.
Wir dürfen den kleinen Esel mit der Milchflasche groß ziehen. Der Gedanke, Geld für einen neuen Esel auszugeben, hat ihn in Angst und Schrecken versetzt.
Hurra!“
Der Junge umarmt den alten Mann.
Sachte, sachte, ich musste dem alten Geizkragen versprechen, dass wir währenddessen die Arbeit des Esels übernehmen, bis er kräftig genug ist.“
Kein Problem, schaffe ich eben die Säcke mit der Schubkarre zu den Bauern!“
Der alte Knecht betrachtet traurig die kräftige Gestalt .
Viel zu viel musste der Junge schon arbeiten.
Ob sein Vater wusste, was er ihm angetan hatte, als er ihn bei seinem Vetter ablieferte?
Doch dann schüttelt er die traurigen Gedanken ab und fragt vergnügt:
Hast du schon einen Namen für unseren kleinen Freund?“
Patrick sieht in die verschmitzt funkelnden Augen des kleinen Esels und grinst.
Eulenspiegel!“
Tobias lacht, dann nickt er.
Er muss so gewitzt wie Eulenspiegel sein, um mit dem Bauern klar zu kommen. Aber nun an die Arbeit, sonst gibt es Ärger!“



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