Montag, 29. April 2013

Pension Eulenspiegel

Rumpelnd fährt das Fahrzeug in den Hof.
Der Mann auf dem Kutschbock dreht sich um.
Wir sind da, Patrick.“
Der Junge macht ein missmutiges Gesicht und klettert vom Wagen.
Neugierig sieht er sich auf dem verwahrlosten Hof um.
Matthias, tritt neben seinen Sohn und legt ihm liebevoll die Hand auf die Schulter.
Patrick, es muss sein, mach es mir bitte nicht so schwer.“
Der Junge nickt.
Er will ja tapfer sein.
Die Tür des Hauses öffnet sich und der Bauer tritt heraus.
Kritisch mustert er die Beiden.
Was wills`n Vetter?“
Kein Willkommen, kein freundliches Grüß Gott, das kann ja heiter werden, denkt Patrick.
Matthias streckt dem Vetter freundlich die Hand entgegen.
Grüß dich Gott, Bertl!“
Der Bauer ignoriert die Grußhand, spuckt seinen Zigarrenstummel in hohem Bogen aus und nuschelt ungnädig.
Kommt herein, aber ich habe nicht viel Zeit.“
Sie folgen ihm in die spärlich eingerichtete Wohnstube.
Nicht Armut herrscht hier, sondern Geiz!
Der Bauer lässt sich auf der Bank nieder, ohne
seinen Gästen einen Platz anzubieten.
Matthias setzt sich ihm gegenüber, während der Junge am Fenster stehen bleibt und hinaus sieht.
Du hast sicher gehört, dass die Firma Merzig Konkurs anmelden musste und ich deshalb meinen Arbeitsplatz verloren habe.
Hab davon gehört, Vetter, aber wenn du Geld brauchst, ich hab keins!“
Nein Vetter, Geld brauche ich nicht und Arbeit habe ich auch schon. Ich habe mich für zwei Jahre auf einer Bohrinsel in der Nordsee verpflichtet.
Nur kann ich meinen Buben nicht mitnehmen und deshalb bitte ich dich, dass er so lange bei dir bleiben kann.“
Der Bauer runzelt die Stirn und presst die Augen zusammen.
Bertl, du bist mein einziger Verwandter. Ich werde dir auch jeden Monat Kostgeld schicken.“
Nun gut,“ der Bauer taxiert mit schlauem Blick die kräftige Gestalt des Jungen.
Unter einer Bedingung, der Junge muss mir auf dem Hof und in der Mühle helfen. Mein Geselle ist mir nämlich davon gelaufen.“
Matthias atmet auf.
Sicher Bertl, Patrick ist ein lieber fleißiger Junge und wird dir nur Freude machen.“
Schnell, damit der Vetter es sich nicht noch einmal überlegen kann, verabschiedet er sich und verlässt die Stube.
Patrick folgt seinem Vater langsam.
Matthias holt den Rucksack vom Wagen und räuspert sich.
Ich wollte, ich müsste das nicht machen, aber zwei Jahre sind schnell vorbei und im Urlaub komme ich dich besuchen. Außerdem habe ich auf der Bohrinsel die Möglichkeit sehr viel Geld zu verdienen und vielleicht können wir uns dann ein kleines Anwesen kaufen.“
Beide haben Tränen in den Augen.
Matthias springt auf den Wagen.
Die Peitsche zischt über den Kopf des Pferdes und ohne sich noch einmal umzusehen verlässt der Vater den Hof.
Patrick schaut ihm lange nach, bis er nur noch ein kleiner schwarzer Punkt in der Ferne ist.
Dann wendet er sich um und geht mit schleppenden Schritten in sein neues Zuhause.



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