Donnerstag, 4. April 2013

Unwirsch Fortsetzung 1




 Der wütende Kobold stapft durch einen Ameisenbau, dessen Wände einstürzen und die kleinen emsigen Arbeiter erschrocken durcheinander laufen.
Mit geballter Faust schlägt er in einen Blaubeerstrauch und die grünen noch unreifen Beeren fallen herunter und Mutter Strauch schreit entsetzt auf.
Unwirsch wird gepackt und kräftig geschüttelt. Er blickt ins Wurzels zorniges Gesicht.
Bist du von Sinnen!” schimpft sie, “ sieh doch nur, was du angerichtet hast!”
Sie lässt ihn los und der Kobold taumelt und wäre fast hingefallen.
Wurzel aber bückt sich und hebt den Hut des Fliegenpilzes auf.
Mit einem “Danke” stülpt ihn dieser auf seinen Kopf und wirft dabei Unwirsch einen bitterbösen Blick zu.
Dann hebt Wurzel ihre Schürze und kichernd springen die Blaubeeren hinein.
Die Kräuterhexe schüttelt sie über den Strauch und sie hängen sich fröhlich kreischend an die Blätter.
Mutter Strauch schließt sie liebevoll in die Arme.
Herzlichen Dank, sie sind doch noch viel zu grün und unreif, um schon durch die Welt zu purzeln.”
Wurzel geht weiter zu dem zerstörten Ameisenbau und mit einem Schnippen ihres Fingers bringt sie diesen wieder in Ordnung.
Ein vielstimmiges “Danke schön” erklingt bevor die kleinen schwarzen Tierchen unter der Erde verschwinden.
Wurzel aber wendet sich nun an ihren Patensohn, der unbeteiligt daneben steht und in die Ferne schaut.
Kurz blitzt Wehmut in den Augen der Hexe auf, dann wird ihr Blick wieder hart.
Was ist nur aus dir geworden? Du warst einmal so ein süßer kleiner Junge. Dein Vater war ein guter und gerechter König, der mit den Wesen in der oberen Welt in Frieden lebte.”
Sie seufzt.
Vielleicht warst du ja noch zu jung, als deine Eltern verunglückten und dann noch der schlechte Einfluss deines Onkels Kuddelmuddel und seinen nichtsnutzigen Söhnen Flip und Flap.
Sie haben es entschieden zu weit getrieben, als sie den Zwergenprinzen entführten. Du siehst ja wie es ihnen dann ergangen ist. Der große Feenkönig hat sie ins Land der Riesen verbannt.”
Wurzel legt ihrem Patensohn die Hand auf die Schulter.
Weißt du eigentlich wie sehr ich dafür kämpfen musste, dass dir und deinem Volk nicht dasselbe widerfuhr, nachdem du diese dumme Sache mit Aurelia gemacht hast?
Ich habe dem Feenkönig mein Wort gegeben, dass du in Zukunft vernünftig bist und keine Dummheiten mehr machst. Noch einmal kann ich dir nicht helfen”

Sie will ihm über den Kopf streichen, doch Unwirsch duckt sich und weicht einen Schritt zurück.
Traurig lässt Wurzel die Hand fallen.
Geh nach Hause!”
Unwirsch dreht sich um und stapft durch den Wald.
Die Kräuterhexe sieht ihm nach und erst als er im Höhleneingang zu seinem Reich verschwindet, dreht sie sich um und geht mit langsamen müden Schritten zu ihrer Hütte.
Zum Feiern hat sie keine Lust mehr.

Auf der Hochzeitsgesellschaft aber geht es lustig weiter.
Niemand hat von der Auseinandersetzung zwischen Unwirsch und Wurzel etwas gemerkt.
Es wurde gegessen, getrunken, getanzt und gelacht bis spät in die Nacht.
Die Glüwürmchen haben sich auf die Sträucher und Bäume gesetzt und Vater Mond hat noch extra eine helle Lampe aus seinem Schrank geholt und betrachtet mit gutmütigen Lächeln die ausgelassene Gesellschaft auf der Wiese.
Endlich aber tanzen Aurelia und Gernot den letzten Tanz und verabschieden ihre Gäste freundlich aber bestimmt.
In kleinen Grüppchen geht es nun nach Hause, begleitet von Glühwürmchen, die vor ihnen den Weg beleuchten.
Still und verlassen liegt der Festplatz ein wenig später da.

Nur ein paar Mäusedamen sind noch da, um etwas von dem übrig gebliebenen Essen mit nach Hause zu nehmen.
Dann aber kehrt endgültige Ruhe ein.

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