Donnerstag, 3. Mai 2018

Unwirsch Fortsetzung 2




Missmutig sitzt Unwirsch auf seinem Thron. Seine Gedanken sind 

bei seiner Patentante, der alten Spielverderberin. Alles hat sie 

verdorben, als sie Gernot half, der nun die liebliche Aurelia 

bekommen hat.

Wie schön wäre die trostlose dunkle Welt hier unten, würde die 

Elfe mit ihrem Gesang und ihrer Schönheit das Koboldreich 

erhellen.

Darf ein Kobold sich nicht auch nach Sonne und Wärme sehnen?

Kalypso hüpft in den Saal, setzt sich neben den König und legt 

seinen Kopf auf sein Knie.

Zufrieden schließt er die Augen, als sein Herr ihn zu streicheln 

beginnt.

Auch so etwas was er seiner Patentante zu verdanken hat, denkt 

Unwirsch.

Aus dem furchteinflößenden großen Drachen hat sie nun ein 

kleines ungefährliches Tierchen gemacht, das nicht mal mehr 

Feuer spucken konnte.

Doch als er auf den kleinen Drachen blickt, der sich glücklich 

unter seiner streichelnden Hand streckt, muss er doch lächeln.

Eigentlich war es doch besser so. Wie oft musste man aufpassen, 

dass man nicht unter seine großen tollpatschigen Füße geriet oder 

in seinen oft nur aus Freude ausgestoßenen feurigen Atem.

Für sein Volk war es doch besser, dass Kalypso nur noch die Größe 

einer Heuschrecke hatte.

Seine Gedanken schweifen wieder ab und er sieht vor seinen 

Augen dieses helle goldschimmernde Wesen.

Welch herrliches Lachen sie hatte, wie das Tönen einer Glocke. 

Und wie schön sie war!

Unwirsch träumt, dass dieses holde Wesen neben ihm auf dem 

Thron sitzt, als seine Königin und der Saal wäre plötzlich in helles 

Licht getaucht und er glaubt ihr helles perlendes Lachen zu hören.

Ganz versponnen in seine Gedanken bemerkt er nicht, dass Trulla, 

die Schwester seines Ministers, ihn aus traurigen Augen 

beobachtet.

Schon lange liebt sie ihn und obwohl sie immer um ihn herum ist, 

bemüht, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen, bemerkt er 

sie gar nicht.

Dabei hatte sie sich so oft schon seinetwegen in Gefahr begeben, 

wenn sie in der oberen Welt Erdbeeren pflückte, nur weil er so 

gerne Erdebeerkuchen aß. Aber egal was sie tat, er nahm es mit 

freundlicher Selbstverständlichkeit entgegen.

Harro, ihr Bruder, tritt hinter sie und legt ihr kameradschaftlich den 

Arm auf die Schulter.

he, du liebeskrankes Schaf, gib es auf, er wird dich doch nie 

beachten. Er sieht in dir immer noch seine kleine Freundin und 

Spielkameradin.”

Trulla legt einen Moment ihren Kopf an seine Schulter und Tränen 

schimmern in ihren Augen.

Ich kann nicht, “ flüstert sie und läuft hinaus.

Harro aber geht zu Unwirsch hinüber, der ihn gar nicht bemerkt, 

erst als Kalypso aufspringt und den jungen Mann freudig begrüßt, 

hebt der Koboldkönig seinen Kopf.

Harro, wie gut dass du kommst, du musst mir unbedingt helfen!”

Ich war gestern heimlich bei Aurelias Hochzeitsfeier.”

Harro verdreht genervt die Augen.

Er kann die Spinnereien seines Freundes einfach nicht verstehen.

Weißt du, da habe ich gemerkt, so besonders gefällt sie mir gar 

nicht mehr. Aber ich habe eine Elfe entdeckt, sie ist fröhlich hat 

ein bezauberndes glockenhelles Lachen und sie strahlt wie die 

Sonne. Du musst unbedingt herausfinden wer sie ist, denn ich 

möchte sie zu meiner Königin machen.”

Harro betrachtet seinen Freund fassungslos. Er kann diese dumme 

Vorliebe seines Freundes für Elfen einfach nicht verstehen. Die 

passten doch gar nicht ins Koboldreich und ganz bestimmt nicht 

als Königin. Konnte der Freund sich denn nicht ein Mädchen aus 

seinem Reich zur Königin wählen.

Harro denkt an seine Schwester, die Unwirsch innig liebt und eine 

wunderbare und kluge Königin wäre.


Doch davon erzählt er seinem Freund nichts, er meint nur

Warum muss es ausgerechnet eine Elfe sein? Es gibt doch auch 

sehr schöne Koboldmädchen.”

 Unwirsch winkt ab, “die sehen doch alle irgendwie langweilig aus 

und strahlen auch nicht!”

 Arme Trulla! denkt Harro.

Unwirsch aber meint nun:

Schicke einige Männer aus und lasse auskundschaften wer sie ist.”

Er beschreibt nun die Elfe und Harro verlässt nachdenklich und 

besorgt den Thronsaal.

Er hat kein gutes Gefühl bei der Sache, doch trotzdem schickt er 

seine besten Kundschafter los. Er war nun einmal der Minister und 

Unwirsch er König.

Auch Trulla hat die unterirdische Stadt verlassen auf der Suche 

nach Erdbeeren.