Freitag, 4. Mai 2018

Unwirsch Fortsetzung 3




Goldflimmer sitzt in ihrem Zimmer und träumt.

Wie schön war es auf der Hochzeitsfeier ihrer Kusine Aurelia 

gewesen und wie wunderbar der Schmetterling Gaukelchen tanzen 

konnte. Man konnte regelrecht schweben in seinen Armen und 

herrliche Geschichten wusste er zu erzählen. Er hat sie den ganzen 

Abend zum Lachen gebracht.

Goldflimmer lächelt in Gedanken. Sie war verliebt!

Ein Marienkäfer fliegt durch das offene Fenster und lässt sich 

stöhnend neben dem Mädchen nieder.

Ich muss mich etwas ausruhen, habe einen weiten Weg hinter mir.”

Hallo, Frau Siebenpunkt, wo waren sie denn so früh schon?”

Diese atmet noch ein paar Mal durch, dann verkündet sie strahlend.

Meine Jungen haben ihre Prüfung bestanden und bekommen nun 

ihre sieben Punkte. Deshalb bin ich ins Wichteldorf, um Maler 

Kleksel für morgen zu uns zu bitten. “

Oh wie schön, da werden deine Kinder sich aber freuen und du 

und dein Mann seid sicher sehr stolz.”

Frau Siebenpunkt nickt.

Du weißt ja wenn Marienkäferkinder ihre Punkte aufgemalt 

bekommen, wird das immer mit einem kleinen

Fest gefeiert. Dazu möchte ich dich ganz herzlich einladen.”

Ich komme gerne”, lächelt Goldflimmer.

Frau Siebenpunkt sieht sie schelmisch an.

Und du kannst gerne auch Gaukelchen mitbringen.”

Goldflimmer wird rot.

Frau Siebenpunkt lacht gutmütig.

Ganz Zauberland spricht von nichts anderem. Hat doch jeder 

gemerkt dass ich ihr euch gestern verliebt habt.”

Glaubt ihr denn, dass er mich auch liebt, ” fragt Goldflimmer 

etwas bang.

So wie er dich angesehen hat, bestimmt, glaube einer alten Frau, 

“lacht Frau Siebenpunkt, “ es liegt eine Hochzeit in der Luft.”

Noch immer lachend erhebt sie sich und fliegt aus dem Fenster.

Goldflimmer sieht ihr sinnend nach, dann verlässt auch sie das 

Zimmer.

Das Wetter ist herrlich.

Die Sonnenkinder spielen mit dem Gras und spinnen ihre goldenen 

Fäden in den See.

Goldflimmer summt ein heiteres Liedchen und lässt sich vom 

Wind tragen.

Nach einiger Zeit gleitet sie vorsichtig zu Boden und geht zu Fuß 

weiter.

Träumend wandert sie durch die bunte Blumenwelt und kommt 

schließlich zum See, an dessen Ufer FrauGraugans steht mit ihren 

Kindern.

Guten Tag Frau Graugans, guten Tag Watschel, guten Tag 

Witschel, aber?”

Sie sieht sich suchend um.

Wo ist denn Wutschel?”

Frau Graugans beginnt zu weinen.

 “Ach Goldflimmer, der Junge war unartig und ich habe ihm den 

Flügel um die Ohren gehauen, da ist er beleidigt davon gelaufen. 

Ich mach mir so große Sorgen!”

Liebe Frau Graugans, nun weinen sie doch nicht, ich helfe ihnen 

beim suchen.”

Goldflimmer erhebt sich in die Luft und fliegt suchend am Ufer 

entlang.

Als sie einen schwachen Hilferuf vernimmt, fliegt sie in diese 

Richtung und sieht wie das Gänsejunge eilig durch das hohe Gras 

watschelt verfolgt von einem Fuchs.

Schnell landet die kleine Elfe neben dem erschrockenen Wutschel, 

der erleichtert aufatmend als er seine kleine Freundin erkennt.

 “Schnell versteck dich, ich werde den Fuchs weglocken, “ flüstert 

Goldflimmer.

Wutschel kriecht unter einen Strauch und die Elfe läuft nun weiter 

durch das hohe Gras und schnattert dabei wie eine Gans.

Der Fuchs in der Meinung, den Gänsejungen vor sich zu haben, 

folgt ihr.

Als sie schließlich den großen Wald erreichen, fliegt die

Elfe in die Höhe, winkt dem Fuchs vergnügt zu und ist bald seinen 

Blicken entschwunden.

Der Fuchs, der merkt, dass er geprellt wurde, läuft wütend nach 

Hause.

Goldflimmer aber fliegt schnell zurück zu Wutschel, der völlig 

verängstigt im Gebüsch kauert.

Der Fuchs ist weg, du musst keine Angst mehr haben, aber nun 

lauf zu deiner Mama zurück, die macht sich schon sorgen und sei 

in Zukunft etwas braver.” mahnt die Elfe.

Wutschel nickt eifrig, bedankt sich und watschelt zum See hinunter.

Goldflimmer aber marschiert fröhlich weiter.

Als sie an das dumme Gesicht des geprellten Fuchses dachte, muss 

sie kichern.

Hallo, Goldflimmer, willst du mir nicht erzählen, was dich so 

belustigt?” ruft eine feine Stimme hinter ihr.

Die kleine Elfe blickt sich um.

Guten Tag, Frau Königin” grüßt sie artig die Biene.

Guten Tag, Goldflimmer, komm steig ein und erzähle mir etwas 

fröhliches, ich langweile mich schrecklich.”

Hurtig klettert die Elfe in die goldene Kutsche, die von vier 

Heupferdchen gezogen wird.

Der Kutscher, ein Rosenkäfer, schnalzt mit der Peitsche und der 

Wagen setzt sich in Bewegung.

Die kleine Elfe erzählt nun der Bienenkönigin von ihrem

eben erlebten Abenteuer.

Diese amüsiert sich köstlich und immer wieder klingt ihr 

fröhliches Lachen über die Wiese.

Inzwischen sind sie am Bienenschloss, einem mächtigen 

Baumstamm mitten im Wald, angekommen,

Zwei Dienerinnen eilen herbei und helfen ihnen aus der Kutsche.

Der Kutscher führt die Heupferde durch den Eingang unter der 

Wurzel in den Stall.

Goldflimmer lehnt die freundliche Einladung der Bienenkönigin 

mit ins Schloss zu kommen, ab und spaziert weiter.


Am Bach beugt sie sich vorsichtig ins Wasser , um zu trinken.

 Ein plumper Frosch hüpft von einem Seerosenblatt und spritzt sie 

voller Wasser.

Oh Entschuldigung werte Dame, das wollte ich nicht, darf ich 

ihnen dafür ein Ständchen bringen.”

Er winkt seinen Freunden und voller Begeisterung beginnen sie 

nun aus voller Kehle zu quaken.

Goldflimmer muss sich bemühen ein ernstes Gesicht zu machen.

So entsetzlich und unmelidiös klingt der Gesang, aber sie meinen 

es ja gut und reißen voller Freude ihre breiten Mäuler auf.

Plötzlich ertönt der Ruf:

Achtung ein Storch!”

Und mit einem lauten Platsch verschwinden die Sänger im Wasser.

Majestätisch stelzt der Storch auf seinen langen Beinen durch den 

Bach, klappert mit dem Schnabel, sieht sich suchend um und 

schreitet weiter.

Goldflimmer aber erhebt sich in die Luft und fliegt in Richtung 

Zwergenreich.

Sie verbringt eine vergnügte Stunde mit ihrer Freundin Melisande 

und deren Eltern, die gerade zu Besuch waren.

Später kommt dann noch Gaukelchen hinzu und unterhielt die 

kleine Gesellschaft mit fröhlichen Geschichten.

Goldflimmer hat ihm die Einladung von Frau Siebenpunkt 

ausgerichtet und er hat angenommen.

Verträumt verlässt die Elfe das Schloss.

Er gefällt ihr dieser Gaukelchen, er gefällt ihr sogar sehr gut.

Schmunzelnd entfaltet sie ihre Flügel und fliegt über die 

Zwergenstadt in Gedanken immer noch bei dem eleganten 

Ballettmeister.

Doch plötzlich stutzt sie.

 In Viktors Garten pflückt doch jemand Erdbeeren .

Die kleine Elfe fliegt näher und stellt empört fest.

Das war doch ein Koboldmädchen!

Im Sturzflug fliegt sie nach unten und landet direkt neben dem 

Mädchen.
Dieses lässt vor Schreck den Korb fallen und die Beeren kullern 

ins Gras.

Mit blitzenden Augen, die Arme in die Seiten gestemmt schimpft 

Goldflimmer.

Wie kannst du es wagen, hier in Viktors Garten einfach die 

Erdbeeren zu stehlen. Man wird dich in den Turm werfen.”

Mit offenem Mund starrt Trulla das strahlende, gold glänzende 

Wesen an.

Bist du die Sonne?”

Nun muss Goldflimmer lachen.

Nein ich bin eine Blumenelfe und die Kusine von Aurelia, deren 

Reich ihr beinahe zerstört hättet!”

Trulla senkt den Kopf und dicke Tränen kullern über ihre Wangen.

Ich weiß,” flüstert sie , unser König Unwirsch war so verliebt in 

Aurelia und hätte bald das ganze Koboldreich ins Verderben 

gestürzt.”

Goldflimmer betrachtet das Koboldmädchen nachdenklich.

Eigentlich sieht sie gar nicht so böse aus, eher unglücklich und 

traurig.

Und aus einem Gefühl heraus fragt sie.

Du liebst Unwirsch?”

Trulla hebt den Kopf, wischt die Tränen ab, schnieft und nickt .

Die Erdbeeren sind für ihn, er liebt Erdbeerkuchen”, flüstert sie.

Und deswegen begibst du dich in Gefahr, du musst ihn

wirklich sehr lieb haben. Weißt du denn nicht, dass die Kobolde 

verhasst sind und bei den Zwergen ganz besonders.

Wenn man dich erwischt landest du im Turm.”

Trulla lächelt kläglich, “ und dabei beachtet er mich kaum, nimmt 

alles wie selbstverständlich hin, was ich für ihn tue und schwärmt 

nur von den herrlichen Elfen.”

Dann solltest du vielleicht nicht mehr so viel für ihn tun,”meint 

Goldflimmer und reicht ihr eines ihrer fein gewebten 

Taschentücher.

Sie beginnt die Früchte aufzusammeln.

Wir sollten von hier verschwinden, bevor uns noch jemand sieht. 

Amelie und Viktor werden bald zurück kommen.”

Du wirst mich nicht verraten?”

Goldflimmer schenkt ihr ein strahlendes Lächeln.

Nein, ich mag dich!”

Trulla lächelt scheu und gemeinsam sammeln sie die Erdbeeren in 

den Korb.

Gemeinsam tragen sie auch den Korb und unterwegs haben sie 

sich viel zu erzählen.

Als sie den Eingang zur Koboldhöhle erreicht haben, sind sie die 

besten Freundinnen.