Samstag, 6. April 2013

Unwirsch Fortsetzung 3






Goldflimmer sitzt in ihrem Zimmer und träumt.
Wie schön war es auf der Hochzeitsfeier ihrer Kusine Aurelia gewesen und wie wunderbar der Schmetterling Gaukelchen tanzen konnte. Man konnte regelrecht schweben in seinen Armen und herrliche Geschichten wusste er zu erzählen. Er hat sie den ganzen Abend zum Lachen gebracht.
Goldflimmer lächelt in Gedanken. Sie war verliebt!

Ein Marienkäfer fliegt durch das offene Fenster und lässt sich stöhnend neben dem Mädchen nieder.
Ich muss mich etwas ausruhen, habe einen weiten Weg hinter mir.”
Hallo, Frau Siebenpunkt, wo waren sie denn so früh schon?”
Diese atmet noch ein paar Mal durch, dann verkündet sie strahlend.
Meine Jungen haben ihre Prüfung bestanden und bekommen nun ihre sieben Punkte. Deshalb bin ich ins Wichteldorf, um Maler Kleksel für morgen zu uns zu bitten. “
Oh wie schön, da werden deine Kinder sich aber freuen und du und dein Mann seid sicher sehr stolz.”

Frau Siebenpunkt nickt.
Du weißt ja wenn Marienkäferkinder ihre Punkte aufgemalt bekommen, wird das immer mit einem kleinen
Fest gefeiert. Dazu möchte ich dich ganz herzlich einladen.”
Ich komme gerne”, lächelt Goldflimmer.
Frau Siebenpunkt sieht sie schelmisch an.
Und du kannst gerne auch Gaukelchen mitbringen.”
Goldflimmer wird rot.
Frau Siebenpunkt lacht gutmütig.
Ganz Zauberland spricht von nichts anderem. Hat doch jeder gemerkt dass ich ihr euch gestern verliebt habt.”
Glaubt ihr denn, dass er mich auch liebt, ” fragt Goldflimmer etwas bang.
So wie er dich angesehen hat, bestimmt, glaube einer alten Frau, “lacht Frau Siebenpunkt, “ es liegt eine Hochzeit in der Luft.”
Noch immer lachend erhebt sie sich und fliegt aus dem Fenster.

Goldflimmer sieht ihr sinnend nach, dann verlässt auch sie das Zimmer.
Das Wetter ist herrlich.
Die Sonnenkinder spielen mit dem Gras und spinnen ihre goldenen Fäden in den See.
Goldflimmer summt ein heiteres Liedchen und lässt sich vom Wind tragen.
Nach einiger Zeit gleitet sie vorsichtig zu Boden und geht zu Fuß weiter.
Träumend wandert sie durch die bunte Blumenwelt und kommt schließlich zum See, an dessen Ufer FrauGraugans steht mit ihren Kindern.
Guten Tag Frau Graugans, guten Tag Watschel, guten Tag Witschel, aber?”
Sie sieht sich suchend um.
Wo ist denn Wutschel?”
Frau Graugans beginnt zu weinen.
Ach Goldflimmer, der Junge war unartig und ich habe ihm den Flügel um die Ohren gehauen, da ist er beleidigt davon gelaufen. Ich mach mir so große Sorgen!”
Liebe Frau Graugans, nun weinen sie doch nicht, ich helfe ihnen beim suchen.”
Goldflimmer erhebt sich in die Luft und fliegt suchend am Ufer entlang.

Als sie einen schwachen Hilferuf vernimmt, fliegt sie in diese Richtung und sieht wie das Gänsejunge eilig durch das hohe Gras watschelt verfolgt von einem Fuchs.
Schnell landet die kleine Elfe neben dem erschrockenen Wutschel, der erleichtert aufatmend als er seine kleine Freundin erkennt.
Schnell versteck dich, ich werde den Fuchs weglocken, “ flüstert Goldflimmer.
Wutschel kriecht unter einen Strauch und die Elfe läuft nun weiter durch das hohe Gras und schnattert dabei wie eine Gans.
Der Fuchs in der Meinung, den Gänsejungen vor sich zu haben, folgt ihr.
Als sie schließlich den großen Wald erreichen, fliegt die
Elfe in die Höhe, winkt dem Fuchs vergnügt zu und ist bald seinen Blicken entschwunden.
Der Fuchs, der merkt, dass er geprellt wurde, läuft wütend nach Hause.
Goldflimmer aber fliegt schnell zurück zu Wutschel, der völlig verängstigt im Gebüsch kauert.
Der Fuchs ist weg, du musst keine Angst mehr haben, aber nun lauf zu deiner Mama zurück, die macht sich schon sorgen und sei in Zukunft etwas braver.” mahnt die Elfe.
Wutschel nickt eifrig, bedankt sich und watschelt zum See hinunter.

Goldflimmer aber marschiert fröhlich weiter.
Als sie an das dumme Gesicht des geprellten Fuchses dachte, muss sie kichern.
Hallo, Goldflimmer, willst du mir nicht erzählen, was dich so belustigt?” ruft eine feine Stimme hinter ihr.
Die kleine Elfe blickt sich um.
Guten Tag, Frau Königin” grüßt sie artig die Biene.
Guten Tag, Goldflimmer, komm steig ein und erzähle mir etwas fröhliches, ich langweile mich schrecklich.”
Hurtig klettert die Elfe in die goldene Kutsche, die von vier Heupferdchen gezogen wird.
Der Kutscher, ein Rosenkäfer, schnalzt mit der Peitsche und der Wagen setzt sich in Bewegung.
Die kleine Elfe erzählt nun der Bienenkönigin von ihrem
eben erlebten Abenteuer.
Diese amüsiert sich köstlich und immer wieder klingt ihr fröhliches Lachen über die Wiese.
Inzwischen sind sie am Bienenschloss, einem mächtigen Baumstamm mitten im Wald, angekommen,
Zwei Dienerinnen eilen herbei und helfen ihnen aus der Kutsche.
Der Kutscher führt die Heupferde durch den Eingang unter der Wurzel in den Stall.

Goldflimmer lehnt die freundliche Einladung der Bienenkönigin mit ins Schloss zu kommen, ab und spaziert weiter.
Am Bach beugt sie sich vorsichtig ins Wasser , um zu trinken.
Ein plumper Frosch hüpft von einem Seerosenblatt und spritzt sie voller Wasser.
Oh Entschuldigung werte Dame, das wollte ich nicht, darf ich ihnen dafür ein Ständchen bringen.”
Er winkt seinen Freunden und voller Begeisterung beginnen sie nun aus voller Kehle zu quaken.
Goldflimmer muss sich bemühen ein ernstes Gesicht zu machen.
So entsetzlich und unmelidiös klingt der Gesang, aber sie meinen es ja gut und reißen voller Freude ihre breiten Mäuler auf.
Plötzlich ertönt der Ruf:
Achtung ein Storch!”
Und mit einem lauten Platsch verschwinden die Sänger im Wasser.
Majestätisch stelzt der Storch auf seinen langen Beinen durch den Bach, klappert mit dem Schnabel, sieht sich suchend um und schreitet weiter.

Goldflimmer aber erhebt sich in die Luft und fliegt in Richtung Zwergenreich.
Sie verbringt eine vergnügte Stunde mit ihrer Freundin Melisande und deren Eltern, die gerade zu Besuch waren.
Später kommt dann noch Gaukelchen hinzu und unterhielt die kleine Gesellschaft mit fröhlichen Geschichten.
Goldflimmer hat ihm die Einladung von Frau Siebenpunkt ausgerichtet und er hat angenommen.

Verträumt verlässt die Elfe das Schloss.
Er gefällt ihr dieser Gaukelchen, er gefällt ihr sogar sehr gut.
Schmunzelnd entfaltet sie ihre Flügel und fliegt über die Zwergenstadt in Gedanken immer noch bei dem eleganten Ballettmeister.
Doch plötzlich stutzt sie.
In Viktors Garten pflückt doch jemand Erdbeeren .
Die kleine Elfe fliegt näher und stellt empört fest.
Das war doch ein Koboldmädchen!
Im Sturzflug fliegt sie nach unten und landet direkt neben dem Mädchen.
Dieses lässt vor Schreck den Korb fallen und die Beeren kullern ins Gras.
Mit blitzenden Augen, die Arme in die Seiten gestemmt schimpft Goldflimmer.
Wie kannst du es wagen, hier in Viktors Garten einfach die Erdbeeren zu stehlen. Man wird dich in den Turm werfen.”

Mit offenem Mund starrt Trulla das strahlende, gold glänzende Wesen an.
Bist du die Sonne?”
Nun muss Goldflimmer lachen.
Nein ich bin eine Blumenelfe und die Kusine von Aurelia, deren Reich ihr beinahe zerstört hättet!”
Trulla senkt den Kopf und dicke Tränen kullern über ihre Wangen.
Ich weiß,” flüstert sie , unser König Unwirsch war so verliebt in Aurelia und hätte bald das ganze Koboldreich ins Verderben gestürzt.”
Goldflimmer betrachtet das Koboldmädchen nachdenklich.
Eigentlich sieht sie gar nicht so böse aus, eher unglücklich und traurig.

Und aus einem Gefühl heraus fragt sie.
Du liebst Unwirsch?”
Trulla hebt den Kopf, wischt die Tränen ab, schnieft und nickt .
Die Erdbeeren sind für ihn, er liebt Erdbeerkuchen”, flüstert sie.
Und deswegen begibst du dich in Gefahr, du musst ihn
wirklich sehr lieb haben. Weißt du denn nicht, dass die Kobolde verhasst sind und bei den Zwergen ganz besonders.
Wenn man dich erwischt landest du im Turm.”
Trulla lächelt kläglich, “ und dabei beachtet er mich kaum, nimmt alles wie selbstverständlich hin, was ich für ihn tue und schwärmt nur von den herrlichen Elfen.”

Dann solltest du vielleicht nicht mehr so viel für ihn tun,”meint Goldflimmer und reicht ihr eines ihrer fein gewebten Taschentücher.
Sie beginnt die Früchte aufzusammeln.
Wir sollten von hier verschwinden, bevor uns noch jemand sieht. Amelie und Viktor werden bald zurück kommen.”
Du wirst mich nicht verraten?”
Goldflimmer schenkt ihr ein strahlendes Lächeln.
Nein, ich mag dich!”
Trulla lächelt scheu und gemeinsam sammeln sie die Erdbeeren in den Korb.
Gemeinsam tragen sie auch den Korb und unterwegs haben sie sich viel zu erzählen.
Als sie den Eingang zur Koboldhöhle erreicht haben, sind sie die besten Freundinnen.


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