Mittwoch, 10. April 2013

Unwirsch Fortsetzung 7






Kalypso trippelt zu Trulla ins Zimmer und stößt sie leicht in die Seite.
Das Mädchen lächelt und streichelt ihn .
Seit einigen Tagen schon weicht ihr der Drache nicht von der Seite und ist nur noch selten bei Unwirsch.
Eigentlich seit dem Tag, an dem diese unheimlichen Dinge im Koboldreich passierten.
Selbst dem Drachen war dies unheimlich und er schien sich zu fürchten.
Trulla reicht ihm eins seiner Lieblingskekse, doch Kalypso verschmäht ihn und torkelt stattdessen zur Tür.
Dort dreht er sich um und sieht das Mädchen auffordernd an.
“Du willst mir wohl etwas zeigen?”
Trulla erhebt sich und Kalypso läuft los, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen können.
Am Eingang zum Thronsaal bleibt er stehen.
Trulla sieht Unwirsch auf dem Thron sitzen, den Kopf in den Händen vergraben und er macht einen so verzweifelten und unglücklichen Eindruck, dass das Mädchen allen Groll auf ihn vergisst und zu ihm eilt.
Kalypso legt seinen Kopf auf das Knie des Koboldkönigs , der ihn abwesend streichelt.
“Was ist geschehen?” fragt Trulla bestürzt über das schlechte Aussehen des Kobolds.
Sie schiebt das Tablett beiseite und setzt sich auf die Stufen.
“Ach Trulla, es ist alles so schrecklich.
Wenn nicht ein Wunder geschieht, dann sind wir alle verloren.”
“Warum?”
“Flip und Flap sind da!”
“Wie sind sie aus dem Reich der Riesen entkommen?”
“ Sie haben dem alten Zauberer seinen Tarnmantel gestohlen.”

In den Augen des Mädchens blitzt es auf.
“Dann sind sie für die seltsamen Dinge der letzten Zeit verantwortlich?”
Unwirsch nickt.
“Warum hast du sie nicht sofort weg geschickt!”
Als sie sieht wie der Kobold leicht errötet, ruft sie:
“Du fürchtest sie immer noch!”
Unwirsch nickt und wagt es nicht seiner Freundin aus Kindertagen in die Augen zu sehen.
Trulla schüttelt den Kopf.
“Ach Unwirsch werde doch endlich erwachsen.
Du bist doch der König und die zwei können dir gar nichts tun.
Sie sind Verbannte und wenn du nicht aufpasst werden sie dich mit ins Unglück ziehen oder glaubst du der Zauberer ist nicht schon längst auf dem Weg hierher um sie zu suchen?”
Unwirsch wird blass und stöhnt entsetzt auf.
“Daran habe ich ja gar nicht gedacht, das auch noch!”
Trulla schnaubt verächtlich.
“Du denkst überhaupt nicht, wie mir scheint.
Das einzige woran du denkst sind Elfen.
Harro hat mir schon erzählt, dass du dir jetzt wieder einbildest in Goldflimmer verliebt zu sein.”
Unwirsch wird blass.
“Goldflimmer ist im geheimen Zimmer,” flüstert er.


“Waaaaas!” schreit Trulla.
Und nun erzählt ihr Unwirsch von dem bösen Streich, den die Zwillinge ihm gespielt haben.
Trulla sieht ihn finster an.
“Und du bist dir absolut sicher, dass du sie nicht dazu angestiftet hast.”
Unwirsch schüttelt den Kopf.
Lange sieht das Mädchen ihn an, dann seufzt sie.
“Ich glaube dir, doch wie kommen wir aus diesem Schlamassel wieder heraus.
Gib mir den Schlüssel zu der geheimen Kammer.”
Unwirsch reicht ihr den Schlüssel.
“Pass aber auf, Goldflimmer ist sehr gefährlich.
Sie hat mit dem Nachttopf nach mir geworfen.”
Trulla beißt sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.
Bravo Goldflimmer, denkt sie.
“Woher weiß ich, ob die Zwillinge nicht in der Nähe sind?”
“Nimm Kalypso mit, der bemerkt sie sofort.
Seit Flip und Flap hier sind lässt er sich kaum noch bei mir blicken.
Du übrigens auch. Bist du böse auf mich wie dein Bruder?”
“Harro ist böse auf dich?”

“Ja, er kann nicht verstehen warum ich mich immer in Elfen verliebe.”
Trulla sieht ihn ernst an. “Warum?”
Unwirsch sieht in die lieben freundlichen Augen seiner Freundin seit Kindertagen und wird ein wenig rot.
“Als meine Eltern noch lebten, war es schön in Zauberland.
Wir lebten mit der oberen Welt in Frieden, spielten mit Elfen, Wichtel und Zwergen.
Es war hell, freundlich und fröhlich.”
Trulla nickt, auch sie kann sich noch an diese schöne Zeit erinnern.
Unwirsch stützt das Kinn in die Hand und sein Blick ist in die Ferne gerichtet.
“Dann verunglückten meine Eltern und Onkel Kuddelmuddel wurde mein Vormund und regierte für mich.
Er begann Raubzüge gegen die Zwerge und Flip und Flap spielten den oberen bösartige Streiche.
Als Kuddelmuddel dann auch noch den Zwergenprinz entführte wurden wir zu Ausgestoßenen.
Niemand von der oberen Welt wollte noch mit uns zu tun haben.
Wir waren Gefangene hier unten.”
 
Der Kobold sieht Trulla fest in die Augen.

“Vielleicht wollte ich deshalb eine Elfe zur Königin, um wieder Licht und Sonne in unsere Höhle zu bringen.”
Trulla erwidert ernst seinen Blick.
“Das ist der falsche Weg.
Unwirsch werde endlich erwachsen und besinne dich auf deine Verantwortung deinem Volke gegenüber.
Als erstes musst du Flip und Flap loswerden.
Wende dich an Harro, er wird dir helfen und dafür sorgen, dass die beiden keine Lügen über dich verbreiten. Vertraue meinem Bruder, er ist dein Freund.
Ich werde jetzt Goldflimmer befreien!”
Sie geht zum Ausgang, Kalypso an ihrer Seite.
“Trulla!”
Das Mädchen wendet sich um.
“Danke und …, ich habe dich vermisst!”
Trulla fühlt sich auf einmal so leicht und wäre am liebsten durch die Gänge gehüpft, doch sie darf ja nicht auffallen.
An der geheimen Tür angekommen, steckt sie den Schlüssel ins Schloß und hört im selben Moment die wütende Stimme von Goldflimmer.
“Wage es ja nicht herein zu kommen, ich bin bewaffnet!”
Trulla grinst und klopft vorsichtig an die Tür.
“Goldflimmer ich bin es, Trulla.”
“Trulla!” jubelt die Elfe, reißt die Tür auf und fällt der Freundin um den Hals.


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