Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Schmetterling (Gedicht)






Es regnet und regnet, als käme bald die nächste Sintflut.
Das könnte einem wirklich auf das Gemüt schlagen, wenn wir es zu ließen, aber das machen wir  nicht.
Was hat eine Schulfreundin mir einmal ins Poesiealbum geschrieben?

"Hab`Sonne im Herzen,
Ob`s stürmt oder schneit
Ob der Himmel voll Wolken
Die Erde voll Streit
Hab`Sonne im Herzen,
Ob`s stürmt oder schneit
Dann komme was mag
Es leuchtet voll Licht dir 
den dunkelsten Tag

Erst viel später habe ich erfahren, dass dies 
die erste Strophe eines Gedichts von 
Cäsar Flaischlein (1864-1920) ist.

Um Euch ein bisschen aufzuheitern habe ich in meinem Schatzkästlein gekramt und und nach einem heiteren Gedicht von Frau Ammerich  gesucht.
Und was kann schöner und heiterer sein als ein bunter Schmetterling, der von Blume zu Blume gaukelt.





Der Schmetterling



Einem kleinen bunten Falter
Schaut ein junges Mädchen zu
Wie er sorglos und auch heiter
Hier und her schwebt ohne Ruh
All die Blumen, die da blühen
Laden ihn zum Rasten ein
Wie kann er da widerstehen
In dem Duft und Sonnenschein
In dem Rausch des jungen Lebens
Fliegt er um die Blumen hin
Sollen sie doch nicht vergebens
Auf ihn warten, für ihn blüh`n
Kannst du kosen, kannst du flirten
Schmetterling, du kleiner Wicht
Aber meinem Herzgeliebten
Möcht`ich so was raten nicht
Ich will nicht mit anderen teilen
Dazu brauch ich keinen Mann
Der da meint, dass nach Belieben
Überall er küssen kann.“
Ganz verwundert schaut der Falter
Auf die junge schöne Maid:
Ach was seid ihr Menschen komisch,
Ihr tut mir wahrhaftig leid.
Soll ein Mann in seinem Leben
Eine Blume küssen nur?
Treue tun sie alle schwören
Aber keiner hält den Schwur!“

E. Ammerich