Samstag, 18. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Ende

 

Man hatte vorher schon alles abgesprochen. Die Schafe würden möglichst viel Lärm machen und durcheinander laufen und Gina würde für Ablenkung sorgen, damit sie unbehelligt den Zug verlassen konnten.
Manu und Ninett würden sich auf den Rücken von Sultan setzen, damit sie ihm sagen konnten in welche Richtung er laufen musste und Eulenspiegel ermahnte das Ferkel noch einmal, dass es sich ja dicht bei ihm halten sollte, damit es nicht vor lauter Angst in die falsche Richtung lief.
Kurze Zeit später wurde die Tür geöffnet und sobald die Rampe heran geschoben war und mit einem Klick einrastet, springt Gina dem überraschten Mann in die Arme. Dieser taumelt rückwärts und die Schafe sausen los, hinunter auf den Bahnsteig und verteilen sich nach allen Seiten. Was für ein Spektakel. Menschen schreien und laufen aufgeregt hinter den Schafen her.Gina gibt dem Mann einen Kuss und springt fröhlich kreischend herunter. Dieser ist viel zu verdutzt und erschrocken, um ihr nachzulaufen.
Eulenspiegel aber führt seine kleine Truppe in den Wald und in die Bärenhöhle.

Erschöpft aber auch vergnügt setzen sie sich hin.
Ein Eichkätzchen kommt in die Höhle.
Kiki?” Doch dann schüttelt der Esel den Kopf.
Das Eichkätzchen war viel zu jung.
Hallo!” rief es, “ich sah euch durch den Wald laufen, wo kommt ihr denn her? Seid ihr für die Aufregung auf dem Bahnhof verantwortlich?”
Ja!” rief das Schweinchen stolz, denn es fürchtete sich nicht vor dem freundlichen rothaarigen Tier.
Wir haben einen schönen Aufstand gemacht und keiner hat uns gefangen.”
Das Eichhörnchen aber ging zu dem Esel und fragte neugierig.
Woher kennt du meinen Namen?”
Ich kannte mal eine Kiki und dachte im ersten Moment, das du es wärst.”
Ich heiße nämlich wirklich Kiki nach meiner Uroma, die leider letztes Jahr verstorben ist.”
Dann blitzt es in ihren Augen auf.
Bist du etwa Eulenspiegel?”
Als der Esel nickt, da klatscht sie begeistert in die Hände.
Uroma hat uns soviel erzählt von dir, es ist mir als würde ich dich gut kennen! Weißt du denn ,dass hier ganz in der Nähe ein riesiges Anwesen ist, das nach dir benannt wurde?”
Und das Eichkätzchen beginnt zu erzählen, von Bertls überraschenden Tod, von Patrick, Ellen, Mattias und Marianne und auch von Tobias und Trude und von der Idee einen Gnadenhof für alte und kranke Tiere zu errichten, um sie vor dem Abdecker zu retten. Das Motto des Hofes war. “ Wer den Menschen so lange treu und brav gedient hatte, verdiente es im Alter das Gnadenbrot zu bekommen und friedlich an Altersschwäche zu sterben.”
Das Eichkätzchen hält inne und grinst spitzbübisch.
Und was denkst du wie der Hof heißt?”
Der Esel sieht sie fragend an.
Pension Eulenspiegel!”
Tränen schießen Eulenspiegel in die Augen.
Man hatte ihn nicht vergessen!
Die anderen drängen sich um ihn.
Alle sind sie erleichtert, hatten sie doch einige Bedenken, ob Patrick sie alle aufnehmen würde.
Nun aber gabs kein Halten mehr. Eulenspiegel drängte das Eichkätzchen sie auf den Gnadenhof zu führen.
Am Waldrand halten sie an und schauen hinunter auf das riesige Anwesen, in den in vielen Koppeln Tiere aller Art weiden.
Nun gab es für Eulenspiegel kein Halten.
Er rief Kiki ein “Danke” zu, dann galoppierte er den Abhang hinunter. Die anderen folgten ihm langsamer.
Der Esel stürmte in den Hof und die Leute die dort beschäftigt waren blickten erstaunt hoch, doch dann löste sich ein junger Mann aus der Gruppe und beginnt zu laufen.
Eulenspiegel!” rief er und Patrick und der Esel begegnen sich nach sechs Jahren Trennung wieder und es war als wäre es gestern gewesen.
Mit Tränen in den Augen umarmt der junge Mann immer wieder den Esel. Der Lärm hat auch die anderen angelockt und nun standen sie alle um Eulenspiegel und staunten, dass er nach so vielen Jahren nach Hause gefunden hatte.
Tobias fasste nach dem Lederhalsband, das er ihm einst vor vielen Jahren gemacht hatte und meint gerührt.
Er trägt es immer noch!”
Mattias aber legt seinem Sohn die Hand auf die Schulter und deutet auf die Tiere, die abwartend stehen geblieben waren.
Eulenspiegel hat seine Freunde mitgebracht. Ich denke wir sollten uns um sie kümmern.”
Und nun bekam jedes seinen eigenen Platz.
Sultan wurde zu den anderen alten und kranken Hunden gebracht, die alle irgendwelche Beschwerden hatten und sich gegenseitig ein wenig halfen.
Das Ferkelchen wurde von den alten Schweinen sofort bemuttert und konnte sich nach Herzenslust im Schlamm suhlen und musste nie mehr Angst haben.
Manu und Ninett durften frei herum laufen und Trude hatte in der Küche immer ein Schälchen Sahne für sie bereit.
Eulenspiegel bekam einen besonderen Platz im Stall und da Gina ihm nicht von der Seite wich wurde sie neben ihm einquartiert. Ansonsten durften die beiden frei herumlaufen.
Meistens konnte man den Esel in der Nähe von Patrick finden. Gina hielt sich viel bei den anderen Tieren auf und unterhielt sie mit Geschichten aus Afrika, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte und mit dem lustigen Leben im Zirkus.
Und die alten Tiere, die nie aus ihrem Stall heraus gekommen waren freuten sich über die Geschichten aus einer bunten anderen Welt.
Am ersten Wochenende ihres Hier seins, als die Besucher mit ihren Kindern kamen ,erinnerte das Eulenspiegel und Gina an den Zirkus und sie begannen mitten auf dem Hof ihre Kunststücke und Späße vorzuführen, sehr zur Freude der Kinder.
Patrick aber schüttelte staunend den Kopf und meinte:
Ich glaube gar, du bist in einem Zirkus aufgetreten.”
Und Eulenspiegel bejahte mit einem lauten und fröhlichen “ Iahaaaaa!”
Bald sprach es sich herum, dass auf dem Gnadenhof auch Zirkustiere waren und lockte noch mehr Besucher an und füllte die Spendenkassen.
Auch kamen Anfragen von Zirkussen, die ihre Tiere aus Armut oder Alter nicht mehr behalten konnten. Und auch diese fanden in “Pension Eulenspiegel” einen Platz.
So verging die Zeit und jederTag war für Eulenspiegel ein schöner Tag.
Er erlebte wie Ellen mit ihrem Studium fertig wurde und auf dem Gnadehof zu arbeiten begann. Bei der Hochzeit von Ellen und Patrick durfte er ganz nah mit einem Blumenkranz um den Hals teilnehmen und Mattias meinte lachend, “wenn er sprechen könnte, dann würde er auch noch den Trauzeugen machen.”
Die Kinder Alexander und Sieglinde von Patrick und Ellen machten ihre ersten Reitversuche auf seinem Rücken und er sah sie heran wachsen .
Esel können ja sehr alt werden und so musste er auch Abschied nehmen von seinen Freunden.
Sultan verbrachte noch fünf wundervolle Jahre auf dem Hof, wohl die glücklichsten in seinem Leben.
Aus dem Ferkel wurde ein stattlicher Eber, der aber auch eines Tages gehen musste.
Manu und Ninett hinterließen, als sie starben viele Kinder, Enkel und Urenkel.
Leider werden auch Affen nur halb so alt wie Esel und eines Tages musste er sich auch von Gina verabschieden.
Bevor die Schimpansin starb zwinkerte sie ihm zu und flüsterte:
Ich warte im Paradies der Tiere auf dich.”
Und eines Tages fand Patrick, inzwischen selbst ein alter Mann, Eulenspiegel im Stall.
Er war still und leise für immer eingeschlafen.
Eulenspiegel bekam ein wunderschönes Grab, das mit Vergissmeinnicht bepflanzt wurde, die jedes Jahr wieder in verschwenderischer Pracht erblühten.
Neben seinem Grab wurde eine große Tafel errichtet auf dem die Geschichte des kleinen und doch so großen Esels stand, der ,der eigentliche Begründes des Gnadenhofes war und der
Pension Eulenspiegel” seinen Namen gegeben hatte.

Ende



Ich hoffe, die Geschichte hat Euch gefallen.

Ich wünsche euch ein schönes Pfingstfest, auch ich werde 

ein paar Tage Ferien machen.



Eure Märchenfee 
 

Kommentare:

  1. Liebe Lore,

    mir hat wie wieder gefallen und ich habe sie sicher nicht zum letzten Mal gelesen! Du hast die Gabe alles so schön bildlich darzustellen, dass man meint man ist dabei und mittendrin in der Handlung!

    Ich wünsche dir frohe Pfingsttage und grüße dich herzlich
    Regina

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  2. Liebe Lore,

    eigentlich wollte ich nur den nächsten Teil von Ingelore und Ihrem Weihnachtsfest lesen, bevor ich mich wieder an meine Aufgaben mache...doch dann bin ich Deinem Link zur Geschichte von der Pension Eulenspiegel gefolgt und habe alle Teile in einem Rutsch gelesen.
    So schön erzählt und so bildhaft und spannend...am Ende war ich gar gerührt.
    Danke für diese wundervolle Geschichte!
    LG
    Marle

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.