Montag, 13. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 13


Der Sturm wütete über das frisiesche Dorf.
Er peitschte das Meer, das sich laut brüllend wehrte und sich aufheulend gegen die Felsen warf und über den Strand rollte.
Der Wind aber trieb seinen wilden Tanz weiter mit immer größerem Vergnügen.
Er entwurzelte Bäume, deckte Dächer ab, zerbrach Fensterscheiben und tobte auch über das große Zirkuszelt.
Ein Riss geht durch den Stoff, die Stangen knicken ein und das ganze Zelt bricht in sich zusammen, wie ein Ballon aus dem man die Luft heraus gelassen hatte.
Direktor Quirin und die Artisten rennen hinüber zum kleineren Zelt, in dem die Tiere untergebracht sind.
Don Fernando beruhigt seine aufgeregten Pferde und führt sie hinaus.
Angela und Fridolin lassen die Hunde frei und Kasimir öffnet den Verschlag, in dem das Pony und der Esel stehen..
Auf diesen Moment hat Eulenspiegel nur gewartet.
Blind vor Angst läuft er an dem Clown vorbei und galoppierte aus dem Zelt, die Rufe hinter ihm nicht beachtend.
Er läuft und läuft und läuft.
Der Wind pfeift ihm um die Ohren, herunterfallende Äste streifen ihn und als ihm ein Dachziegel auf den Rücken fällt, rast er voller Panik noch schneller.
Auf einmal befindet er sich am Meer, wo die Wellen sich wütend gegen das Land werfen und der Wind und seine Gesellen den Strand aufwühlen, dass er wie eine meterhohe Wand auf ihn zurollt.
Auf einmal spürt er einen stechenden Schmerz auf dem Rücken und eine Stimme kreischt:
Lauf zu den Felsen, dort ist eine Höhle, dort sind wir sicher!”
Instinktiv gehorcht Eulenspiegel und stöhnt, als sich die Krallen der Möwe noch tiefer in seinen Rücken pressen .
Aufatmend lässt er sich in der Grotte zu Boden fallen und japst nach Luft.
Könntest du endlich meinen Rücken verlassen, du tust mir weh!”
Entschuldige, aber bei diesem Wind konnte ich nicht mehr fliegen und außerdem sind meine Federn pitschnass.”
Schon gut,” brummt der Esel und dehnt etwas seinen schmerzenden Rücken.
Vor dem Höhleneingang tobt der Sturm sich noch immer aus.
Doch plötzlich verdunkelt sich der Eingang und Eulenspiegel ruft überrascht: “Gina!”
Die Schimpansin kommt schnell herein, wobei sie die Finger der rechten Hand am Boden abstützt.
Überglücklich legt sie beide Arme um Eulenspiegels Hals und schmiegt ihren Kopf an sein Gesicht.
Obwohl ihre erste Begegnung vor sechs Jahren nicht besonders freundlich war, sind sie in den vergangenen Jahren die besten Freunde geworden.
Gina setzt sich nun neben den Esel und erklärt.
Ich sah dich aus dem Zelt rasen und folgte dir.
Junge kannst du rennen, ein paar Mal habe dich fast aus den Augen verloren und dann sah ich, wie dieser Vogel,” sie deutet auf die Möwe,
dich angegriffen hat.
Die Möwe unterbricht ihr Zupfen an den zerzausten Federn und meint empört:
Ich habe ihn nicht angegriffen. Der Sturm hat mich nur wie einen Spielball durch die Luft geschleudert und ich habe einen Halt gesucht.”
Ja und mein Rücken tut mir jetzt noch weh!” brummt der Esel.
Habe ich dir nicht schon gesagt, dass es mir leid tut? Und außerdem ohne mich hättest du die Höhle niemals gefunden,” meint die Möwe beleidigt.
Du hast recht, wir sind quitt,” lacht Eulenspiegel gutmütig.
Draußen tobt immer noch der wilde Geselle und als wäre er verärgert, dass die Drei ihm entwischt waren, wirft er Sand, Steine und Äste in die Höhle, gefolgt von einem Schwall Wasser.
Die Tiere kriechen weiter nach hinten.
Eulenspiegel legt den Kopf auf die Vorderbeine und beobachtet eine Weile das Toben vor der Öffnung, doch dann fallen ihm die Augen zu.
Gina setzt sich dicht daneben und kuschelt sich an ihn.
Die Möwe legt ihren Kopf unter den Flügel und bald schlafen die Tiere.
Gina zieht Eulenspiegel an den Ohren.
Hallo aufwachen!”
Der Esel öffnet die Augen und stemmt sich hoch.
Die Möwe aber, deren Federn wieder trocken sind, steht am Eingang.
Seht doch der Sturm hat nachgelassen.”
Sie schlüpft hinaus.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.