Dienstag, 14. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 14


Gina legt eine Hand an die Mähne ihres Freundes und stapft neben ihm ins Freie.
Der Orkan war verschwunden, aber nicht ohne eine schreckliche Verwüstung zu hinterlassen.
Strandkörbe lagen umgekippt im aufgewühlten Sand.
Ein riesiger Sonnenschirm mit dem Aufdruck “Nordseefisch” lag teilweise im Wasser und die Sandburgen der Kinder waren nur noch ein nasser Matsch.
Ein Fisch an Land gespült, zappelte hilflos im Sand.
Die Möwe erhebt sich, “auf wiedersehen, ihr beiden, da vorne liegt mein Frühstück!”
Im Sturzflug schnappt sie sich ihre Beute und fliegt aufs offene Meer hinaus.
Eulenspiegel und Gina aber marschieren zurück ins Dorf.
Überall sind die Menschen beschäftigt, die Äste, Dachziegel und umgestürzten Mülltonnen aufzuräumen.
Feuerwehrautos rasen mit Blaulicht durch die Straßen und niemand beachtet die beiden Tiere.
Als sie am Zirkusplatz ankommen, finden sie ihn verlassen vor.
Nur die beiden Zelte liegen völlig zerfetzt auf dem Boden.
Was nun?” fragt Gina bang.
Eulenspiegel seufzt traurig. “Ich glaube wir beide haben wieder einmal unsere Heimat verloren.”
Die Schimpansin nickt, obwohl sie sich kaum noch an Afrika erinnern konnte .
Aber weißt du was!” ruft der Esel munter, “ diesmal ist keiner von uns allein. Wir haben uns beide und vielleicht finden wir ja eine neue Heimat! Setz dich auf meinen Rücken.”
Gina hält sich an seiner Mähne fest, während der Esel zurück durch das Dorf läuft und immer weiter, bis sie in einem kleinen Waldstück angekommen sind und dort eine Rast einlegen.
Während Eulenspiegel auf der Lichtung die zarten Kleeblätter rupft und genüsslich zerkaut, hat Gina einen Beerenstrauch entdeckt und stopft sich eine Handvoll der köstlichen Früchte nach der anderen in das Maul. Dass der Saft an ihr herunter läuft stört sie nicht.
Der Esel beobachtet sie eine Weile, dann meint er grinsend.
Langsam wird dein Fell ganz rot von den Beeren und wahrscheinlich bist du auch ganz klebrig. Komm mit, ich habe dort hinten einen Bach entdeckt und bin sowieso durstig.”
Während die Schimpansin im Wasser planscht, trinkt der Esel von dem klaren frischen Wasser, dann marschieren sie zurück in den sicheren Wald.
Gina klettert auf einen Baum und lehnt sich an den Stamm und Eulenspiegel legt sich darunter und schließt die Augen, um nachzudenken.
Ein schweres Schnauben ist zu hören und eine heisere Stimme brummt.
Wo bin ich hier nur? Wenn ich nur besser sehen könnte! Verflixt nun habe ich mir schon wieder den Kopf angestoßen!”
Das Gebüsch teilt sich und ein großer zotteliger Hund tritt heraus.
Schnuppernd hebt er die Nase.
Ist hier jemand?”
Eulenspiegel steht auf und geht zu dem Hund und auch Gina schwingt sich vom Baum und landet direkt neben ihm.
Dieser weicht entsetzt ein Stück zur Seite und fragt bange.
Ihr werdet mir doch nichts tun? Wer seid ihr, entschuldigt, meine Augen sind so schlecht, ich kann nur noch alles schemenhaft erkennen.”
Ich bin ein Esel und heiße Eulenspiegel und dass ist meine Freundin Gina, eine Schimpansin.”
Schimpansin, was ist das, noch nie davon gehört.”
Ist auch nicht so wichtig,” meint Gina, “ auf jeden Fall sind wir nicht deine Feinde.”
Schön,” erleichtert lässt sich der alte Hund ins Gras sinken.
Ich heiße übrigens Sultan und diente viele Jahre meinem Herrn auf dem Bauernhof. Nur als mein Augenlicht immer schlechter wurde, kaufte er sich einen jüngeren Hund und sperrt mich in den Schuppen. Ich hörte ,dass der Tierarzt mich einschläfern sollte, doch dann kam der Sturm und riss die Tür des Schuppens aus den Angeln und ich lief weg. Es war nicht ganz einfach, den Weg zu laufen, wenn man nur noch Schatten erkennen kann. Aber irgendwie bin ich doch sicher hier gelandet.”
Eulenspiegel und Gina sind voller Mitgefühl für den alten Hund und der Esel bietet ihm an. “Du kannst mit uns kommen, wir haben auch unsere Heimat verloren und sind auf der Suche nach einer neuen.”
Und Gina legt liebevoll ihre Hand auf seinen Kopf und verspricht:
Und wegen deinen schwachen Augen brauchst du dir keine Sorgen zu machen, ich werde dich führen.”
Sultan fängt plötzlich zu weinen an.
Entschuldigt ,“schluchzt er,” ich habe sonst nicht so nah ans Wasser gebaut, aber seit Tagen gab man mir schon nichts mehr zu fressen und der weite Weg hierher hat mein Kräfte aufgezehrt. Ich habe eigentlich schon mit dem Leben abgeschlossen und wollte mich hier im Wald zum Sterben hinlegen und nun treffe ich auf zwei so tolle Kameraden.”
Gina streichelt ihn und Eulenspiegel erzählt ihm vom Zirkus und langsam beruhigt sich der Hund und muss sogar lachen, als der Esel ihm die erste Begegnung mit Gina schildert.
Die Schimpansin aber hat sich schon vor einiger Zeit entfernt und steht nun plötzlich wieder vor ihnen mit einer großen dicken Wurst.

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