Donnerstag, 16. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 16


Der Esel öffnet die Augen.
Etwas hat ihn an der Nase gekitzelt und er muss niesen.
Ninett hüpft vor ihm herum.
Noch immer etwas müde rappelt Eulenspiegel sich auf.
Ninett flitzt zwischen seinen Beinen hindurch, schlägt einen Purzelbaum und saust den Stamm hoch, rutscht ab und landet auf dem leise schnarchenden Sultan.
Dieser schreckt hoch.
Wer, was, wie?”
Ninett presst sich zärtlich an seine Schnauze.
Ach der kleine Racker,” murmelt der Hund liebevoll.
Die kleine Katze hat sein Herz im Sturm erobert.
Der Esel war an den Bach gegangen und kommt nun zurück und sieht sich suchend um.
Wo ist denn Gina?”
Manu unterbricht ihre Morgenwäsche.
Die ist ins Dorf gegangen, um Frühstück für Sultan zu holen.
Wenn das nur gut geht,” murmelt Eulenspiegel und muss doch grinsen.
Sultan hat sofort eine große Zuneigung für das kleine Kätzchen entwickelt und Gina war in eine Art Beschützerrolle für den blinden Hund geschlüpft.
Und ich, denkt er lächelnd fühle mich für die ganze Truppe verantwortlich.
Gina kommt durch das Gebüsch .
Um den Hals trägt sie einen Ring Würste und in beiden Händen einen Apfel.
Sie wirft die Würste vor Sultans Nase und Manu kommt in eleganten Schritten hinüber und lässt sich graziös neben Sultan nieder und gemeinsam verzehren sie die leckeren Würste.
Selbst Ninett gräbt ihre kleinen Milchzähnchen in die Lerckerei.
Gina reicht Eulenspiegel einen Apfel, den dieser genussvoll krachend zermalmt.
Während sie in ihren Apfel beißt, meint sie beiläufig.
Heute wäre ich beinahe erwischt worden.”
Eulenspiegel blickt besorgt um sich.
Haben sie dich verfolgt?”
Kein Bange, ich habe sie in die Irre geführt und erst als alle wieder ins Dorf zurück kehrten, bin ich hierher gekommen.
Der Esel ist beruhigt.
Er kann sich auf die Klugheit seiner Freundin verlassen.
Lächelnd betrachtet er den Hund und die Katzen, dann lacht er plötzlich.
Ein Esel, ein Hund, eine Katze, jetzt fehlt nur noch der Hahn, dann hätten wir die Bremer Stadtmusikanten zusammen.”
Darf es auch ein Ferkel sein?” fragt eine schüchterne Stimme und ein kleiner rosa Rüssel guckt durch das Grün der Blätter..
Komm nur heraus, hab keine Angst,” meint Eulenspiegel freundlich und ein kleines Schweinchen drückt sich durch die Büsche.
Gina reicht ihm den Rest ihres Apfels und dankbar schmatzend ist er gleich in dem kleinen Mund verschwunden.
Danke schön!” sagt es artig.
Ich irre nun schon zwei Tage im Wald herum. Darf ich bei euch bleiben, bitte schön, ich fürchte mich so alleine.”
Aber sicher, wo kommst du denn her?” will Gina wissen.
Ich war mit vielen anderen Schweinen in einem Lastwagen auf den Weg zum Schlachthof. Durch den schweren Sturm kippte der Wagen um und alle liefen durcheinander. Ich bin in den Wald geflüchtet und habe mich versteckt.”
Gina legt den Arm um das Ferkel.
Bei uns bist du sicher. Wie heißt du denn?”
Rosine”
Wir werden nicht zulassen Rosine, dass dich jemand schlachtet.”
Die anderen nicken bestätigend und die Schimpansin stellt nun dem Ferkel jeden einzelnen vor.
Als Rosine zu Eulenspiegel kommt fragt sie schüchtern:
Wer sind denn die Bremer Stadtmusikanten?”
Der Esel lacht.
Als ich so ein Knirps war wie du, wohnte ich auf einem Bauernhof und mein Freund Patrick hat mir abends immer aus einem dicken Geschichtenbuch vorgelesen und am besten gefiel mir das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten. Willst du es hören?”
Rosine nickt begeistert.
Eulenspiegel setzt sich und auch die Anderen gesellen sich zu ihnen und er erzählt ihnen die Geschichte von dem Esel, dem Hund, der Katze und dem Hahn, die weggelaufen waren, weil sie von den Menschen so schlecht behandelt worden sind.
An dieser Stelle seufzen Sultan und Rosine zustimmend.
Dass die Tiere nach Bremen wollten, um Musikanten zu werden, aber im Wald auf böse Räuber trafen und diese dann aus dem Haus verjagten. Da beschlossen sie, nicht nach Bremen zu gehen sondern in der Hütte im Wald zu bleiben.
Rosine seufzt verklärt.
Sultan hebt den Kopf.
Wo ist Ninett?”
Das kleine Kätzchen hatte sich am Anfang der Geschichte an den alten Hund geschmiegt. Doch dann war es ihm zu langweilig geworden und Sultan, der dem Märchen fasziniert gelauscht hatte,bemerkte erst jetzt, dass das warme kleine Körperchen verschwunden ist.
Manu sieht sich suchend um.
Fräulein Naseweis ist wohl wieder auf Entdeckungsreise.”
Da erklingt ein angstvolles Miauen.
Manu springt auf und saust los, die Anderen folgen ihr.
Ein Fuchs sitzt da und hat unter seiner rechten Pfote, die kleine Katze, die verzweifelt faucht und miaut und versucht sich unter der groben Tatze herauszuwinden.
Manu springt fauchend wie eine Tigerin auf den Rücken des Fuchses und verlangt grimmig.
Gib sofort meine Tochter frei!”
Dieser lacht spöttisch.
Das wird mein Frühstück und du die Nachspeise!”
Sultan kommt laut bellend auf ihn zu.
Du hinterhältiger Rotpelz, lass die Kleine los!”
Ach der alte blinde Sultan, wollte man dich nicht einschläfern, nachdem du mich nicht am Stehlen der Hühner hindern konntest, weil du immer in die falsche Richtung gelaufen bist.”
Der Fuchs will sich ausschütten vor lachen.
Eulenspiegel galoppiert herbei und sieht den Fuchs streng an.
Lass sofort die kleine Katze los!” fordert er.
Meister Reineke betrachtet ihn spöttisch.
Du kleiner Möchtegernesel kannst mir ganz nichts sagen.”
Da stürmt Gina auf ihn zu. Die Hände hoch erhoben, die Zähne gefletscht und fürchterlich laut kreischend.
Der Fuchs bekommt vor Schreck runde Augen, lässt Ninett los, schüttelt Manu von seinem Rücken, dreht sich um und rast davon als wären zehn Teufel hinter ihm her.
Brüllendes Gelächter folgt ihm.
Rosine kommt mit verklärtem Gesicht und ruft:
Das war ja wie bei den Bremer Stadtmusikanten, wir haben den bösen Räuber verjagt!”
Die Tiere lächeln gutmütig, haben sie doch bemerkt, dass das Ferkel sich quiekend hinter einem Baum versteckt hat.
Als sie mit der ziemlich kleinlauten Ninett wieder zurück gehen, erklärt Eulenspiegel:
Hier können wir nicht bleiben. Wir werden nach Bayern gehen und Patrick suchen.”
Aber wird er denn noch dort sein?” fragt Gina zweifelnd.
Der Esel nickt bestimmt. “Ich weiß, dass sein Vater einen Bauernhof kaufen wollte, wenn er aus dem Norden zurück kommt.”



Kommentare:

  1. Liebe Lore, wieder kein Kommentar. Das ist doch wirklich zum Mäuse melken.
    Hallo, Ihr lieben Leser! Die Lore würde sich über Kommentare sooooo sehr freuen!
    LG Martina

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  2. Habe meinen Kommentar entfernt, weil ich soviele Tippfehler drin hatte.
    Also noch einmal, liebe Martina.
    Ein herzliches Dankeschön für diesen Kommentar.
    Gestern habe ich dir mein Leid geklagt und du hast sofort reagiert.
    Das ist nett, danke. LGLore

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.