Mittwoch, 1. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 2




Wieder sind einige Wochen vergangen und Eulenspiegel entwickelt sich prächtig.
Nur er wird nicht größer.
Er hat immer noch die Gestalt eines Füllens.
Tobias betrachtet dies mit Sorge, denn ein richtiger Arbeitsesel wird Eulenspiegel wohl nie.
Noch konnte der alte Knecht dies vor dem Bauern verbergen, aber irgendwann würde der alte Geizkragen es merken und was dann?
Seine Befürchtungen teilte Tobias nur mit Trude der Wirtschafterin und sie beschlossen, es dem Jungen nicht zu sagen.
Patrick aber war selig.
Mittlerweile waren die polnischen Saisonarbeiter gekommen, um bei der Ernte zu helfen.
Und da diese auf dem Heuboden schliefen, war der Junge zu Eulenspiegel in den Stall gezogen.
Glücklich schlief er neben dem Esel und versorgte ihn gleich am Morgen, bevor er selbst in die Kuchel zum Frühstück ging, das dank Trude immer reichlich war.
Denn Trude ließ sich von dem Bauern nichts gefallen und bestand darauf, dass die schwer arbeitenden Männer ordentlich zu Essen bekamen.
Zähneknirschend ließ sie der Bauer walten, denn er wollte die alte Wirtschafterin nicht verlieren.
Der Sommer war vorbei und die Saisonarbeiter wieder weg, trotzdem blieb Patrick im Stall bei seinem Freund, dem Esel.
Mittlerweile war auch dem Bauern aufgefallen, dass der Esel für sein Alter ziemlich klein war und manch scheelen Blick warf er auf das Tier.

Die Kartoffelernte und die Obsternte waren vorbei und nun begann für Patrick eine schönere Zeit, denn jeden Tag durfte er mit Trude auf den Wochenmarkt und helfen den Stand aufzubauen und beim Verkaufen dabei zu sein.
Er tütete die Waren ein, half freundlich den älteren Damen die Taschen zum Auto tragen und genoss den Trubel auf dem Markt.
Vergnügt beobachtete er Trude, die mit forscher Stimme ihre Waren anbot und ein fröhliches Schwätzchen mit den Kunden hielt.
Abends wenn Patrick dann an Eulenspiegel gekuschelt im warmen Stall lag, erzählte er seinem Freund vom Treiben auf dem Wochenmarkt und es war ihm, als würde der Esel alles verstehen.

Der Winter kam und auch auf dem Hof begann eine ruhige Zeit.
Zwar musste das Vieh versorgt und an Haus und Hof Ausbesserungen vorgenommen werden, aber es war doch geruhsamer und Trude sorgte immer für eine gemütliche warme Stimmung.
Patrick hatte auch wieder mehr Zeit, um einen Blick in seine Schulbücher zu werfen.
Und so lag er abends an Eulenspiegel gekuschelt und lernte oder er las den Tieren aus dem großen Geschichtenbuch vor, das ihm sein Vater zu Weihnachten geschenkt hatte.
Matthias war am Weihnachtsabend überraschend gekommen und Patrick hatte schon gehofft er würde ihn mitnehmen.
Doch der Vertrag mit der Ölfirma lief noch ein Jahr und der Junge hatte versucht tapfer zu bleiben und seinem Vater auch nicht erzählt, wie schwer er doch arbeiten müsse und dass er seit einem Jahr nicht mehr die Schule besucht hatte.
Als Matthias am nächsten Tag wieder abreiste, war Patrick zu Eulenspiegel gelaufen und hatte den Kopf in das weiche graue Fell vergraben und bitterlich geweint.



Nun war das neue Jahr bereits eine Woche alt.
Patrick kippt den letzten Milcheimer durch den Seier in die große Milchkanne und drückt den Deckel drauf. Fertig!
Hinter ihm muhen die Kühe dankbar und befreit und der Junge lächelt.
Eigentlich macht ihm seine Arbeit Spaß, wenn er nur etwas mehr Freizeit und vor allem in die Schule gehen könnte.
Tobias betritt den Stall:
Der Milchfahrer ist da.“
Er packt eine der Kannen, doch Patrick wehrt ab, denn er weiß, dass der alte Mann zurzeit große Probleme mit seinem Rücken hat.
Lass nur Tobias, ich mach das schon, geh nur in die Kuchel.“
Rechts und links eine Milchkanne in der Hand geht er in den Hof zu dem wartenden Lastwagen.
Sepp, der Westernfilme über alles liebt und deshalb Django genannt wird, springt aus dem Auto und kommt ihm entgegen.
Lass dir helfen, ist wohl nicht leicht für den alten Geizkragen zu arbeiten.“
Patrick zuckt die Schulter.
Django verstaut die beiden Kannen auf dem Wagen und folgt dem Jungen in den Stall.
Zusammen tragen sie noch die restlichen Milchkannen zum Wagen.
Als alles verstaut ist, springt Django in den LKW, hupt noch einmal grüßend und fährt vom Hof.
Feierabend für heute!
Aufatmend wendet sich Patrick dem Haus zu.
Im Flur streift er seine Stiefel ab und schlüpft in die Holzpantoffeln.
Der Bauer und Tobias sitzen bereits am Tisch und aus der Schüssel in der Mitte duftet es köstlich.
Patrick setzt sich auf seinen Platz und Trude kommt mit einem frisch gebackenen Brot aus der Küche und reicht es dem Bauern, der für jeden eine dünne Scheibe abschneidet.
Dann lässt er sich die Teller reichen und füllt sie, wobei er nur in seinen Teller Fleisch gibt.
Doch Trude hat vorgesorgt.
Der Bauer geht ,sobald er gegessen hat, in die Wirtschaft zum Karten spielen und sobald er weg ist, schlurft Trude in die Küche und holt das Fleisch, das sie zurück behalten hat und dann wird getafelt.
Auch heute schlingt Bertl schnell und gierig sein Essen hinunter, steht auf und stülpt sich seinen Hut auf den Kopf und geht zur Tür.
Dort wendet er sich noch einmal um und fixiert Patrick mit finsterem Blick.
Morgen kommt der Xaver und holt den Esel ab.“
Der Xaver, der Abdecker?“ stammelt der Junge entsetzt.
Bertl grinst hämisch.
Ja, oder glaubt ihr, ich habe nicht bemerkt, dass der Esel eine Missgeburt ist und aus ihm nie ein richtiges Arbeitstier wird?
Außerdem brauchen wir keinen Esel. Ihr habt die Arbeit bisher auch geschafft, dann könnt ihr es auch in Zukunft.“
Lachend öffnet er die Tür, dreht sich noch einmal um und mit böse glitzernden Augen sieht er Patrick an.
Übrigens, der Xaver kennt einen Metzger, der sich auf Eselwurst spezialisiert hat und so junge Esel schmecken besonders gut.“
Laut lachend geht er hinaus.
Patrick laufen die Tränen über das Gesicht.
Kann er das denn?“
Ich fürchte ja, er ist der Bauer,“ murmelt Tobias.
Patrick springt auf und läuft hinaus in den Stall.
Dort wirft er sich schluchzend ins Heu.












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