Donnerstag, 2. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 3



Die beiden Alten in der Stube sehen sich traurig an.
Trude stützt sich mit beiden Händen auf den Tisch und erhebt sich schwerfällig.
Der Junge und der Esel müssen weg,“ meint sie energisch und nimmt den Suppentopf.
Tobias nickt, sammelt das übrige Geschirr ein und folgt ihr in die Küche.
Die Wirtschafterin hat Patricks Rucksack geholt und stopft seine Kleider hinein.
Hol noch zwei warme Decken!“ fordert sie Tobias auf, „ und beeil dich, der Bub soll möglichst weit weg
sein, bevor der Bauer zurück kommt. Ich mache eine Thermoskanne mit Tee und richte eine Brotzeit her.“
Der Alte nickt stumm und schlurft hinaus.
Aus dem großen Schrank im Flur nimmt er zwei dicke Decken, dann stapft er in sein Zimmer.
Er wirft die Decken auf das Bett, hebt die Matratze an und zieht eine Socke mit Münzen hervor.
Die Ersparnisse eines ganzen Lebens.
Tobias breitet sein großes kariertes Schnupftuch aus und zählt einige Münzen ab und verknotet sie in dem Tuch, das er sich in die Tasche stopft.
Dann greift er nach den Decken und geht zurück in die Küche.
Trude hat inzwischen Brotzeit und Thermoskanne in einer Stofftasche verstaut.
Dann lächelt sie etwas verlegen und streckt Tobias eine Handvoll Münzen hin.
Habe meinen Sparstrumpf geplündert,“ meint sie verschämt.
Tobias grinst, knotet sein Tuch auf und legt die Münzen dazu.
Die beiden Alten lächeln sich an.
Das dürfte für eine Zugkarte genügen,“ meint Trude zufrieden.
Aber nun beeil dich, du weißt, wenn der alte Geizkragen verliert, kommt er früher heim.“

Patrick hat sich inzwischen wieder beruhigt.
Die Arme um Eulenspiegel geschlungen erzählt er ihm was der Bauer vor hat.
Der Sperling auf dem Dachbalken versteckt entsetzt seinen Kopf unter dem Flügel.
Hansi, der alte Wallach stampft empört mit dem Huf auf und wiehert schrill.
Die Kühe klirren mit den Ketten und muhen empört.
Der Esel aber fängt vor Angst zu zittern an.
Der Junge betrachtet ihn nachdenklich.
Weißt du, manchmal glaube ich, du verstehst jedes Wort.
Die Stalltür knarrt und Tobias kommt herein.
Patrick, du musst mit Eulenspiegel verschwinden.“
Er reicht ihm Jacke und Stiefel und während der Junge sich anzieht, legt der alte Knecht dem Esel die Decken auf den Rücken, stopft einen Sack mit Heu und Karotten und legt diesen auf die Decken.
Dann führt er ein Seil unter dem Bauch des Tieres durch und verknotet es auf dem Rücken.
Das dürfte halten,“ meint er zufrieden.
Patrick zieht gerade seine Fäustlinge an, als die Tür sich wieder öffnet.
Erschrocken zucken sie zusammen.
Doch es war nur Trude.
Mit Tränen in den Augen reicht sie Patrick den Beutel mit der Brotzeit, nimmt ihren großen Schal vom Kopf und schlingt ihn dem Jungen um Hals.
Du brauchst ihn dringender als ich.“
Vor Rührung wissen die drei nicht was sie sagen sollen, dann brummt Tobias.
Ihr müsst los, geht durch den Forstrieder Wald, etwa zwei Kilometer weiter ist eine alte Bärenhöhle, dort könnt ihr übernachten.
Morgen Nachmittag geht ein Viehtransport nach Norden. Der Zug fährt um 15.40 in Neumünster ab.
Vielleicht könnt ihr mitfahren, lasst euch aber nicht sehen. Und hier...“
Er zieht umständlich sein Schnupftuch aus der Hosentasche.
Die Trude und ich haben zusammengelegt für deine Reisekasse. Und nun verschwindet ehe der Bauer kommt.
Patrick umarmt die beiden lieben alten Leutchen.
Vor Rührung kann keiner sprechen.
Dann nimmt er den Esel an seinem Halsband, das ihm Tobias zu Weihnachten gemacht hat. Es ist sogar der Name Eulenspiegel eingeritzt.
Mit Tränen in den Augen sehen ihnen Trude und Tobias nach, bis die Dunkelheit der Nacht sie verschluckt hat.





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