Donnerstag, 9. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 9



Das gleichmäßige Rattern und die Wärme machen Eulenspiegel schläfrig.
Als die Kühe bemerken, dass ihr kleiner blinder Passagier eingeschlafen ist, unterhalten sie sich ganz leise.
Plötzlich wird der Zug langsamer und Martha stupst den Esel leicht an.
Wach auf kleiner Freund, der Zug wird gleich halten.“
Schläfrig erhebt sich dieser und taumelt in die Ecke.
Die Kühe stellen sich davor und verdecken ihn mit ihren Körpern.
Geräuschvoll rollt die Waggontür zur Seite und ein Mann stapft über die Rampe, der einen Stier hinter sich herzieht.
Er bindet ihn an einem Haken fest und springt aus dem Zug.
Knarrend rollt die Tür wieder zu und schnappt ins Schloss.
Der Riegel rastet klirrend ein und mit einem Ruck setzt sich der Zug wieder in Bewegung.
Neugierig treten die Kühe näher und scharren sich um den Neuankömmling.
Dieser stellt sich als Leo vor und erzählt ihnen, dass er zu einer Ausstellung in die nächste Stadt unterwegs ist.
Auch dass er schon öfter prämiert wurde und einige Preise gewonnen hat.
Die Kühe seufzen verzückt und Eulenspiegel verdreht die Augen.
Dann will Leo wissen, wohin die werten Damen denn reisen, doch nicht in den Schlachthof?
Nein, nein,“ beruhigt ihn Martha, „ wir sind unterwegs nach Schleswig Holstein, um dort mit einem Stier verheiratet zu werden.“
Leo runzelt die Stirn.
Ich glaube kaum, dass so ein Holsteiner besser ist als ein prächtiger, bayrischer Stier,“ dabei zwinkert er Lena, der Jüngsten vergnügt zu.
Diese errötet sanft.
Wieder bleibt der Zug mit einem Ruck stehen und Eulenspiegel verschwindet schnell hinter den Kühen.
Als die Tür geöffnet wird, bringt der kalte Luftzug auch einen Schwall Schnee mit herein und die Kühe drängen sich fröstelnd zusammen.
Leo wird losgebunden und hinaus geführt.
Als er an den Kühen vorbei geht zwinkert er frech.
Auf Wiedersehen meine Damen und vergesst mich nicht.“
Lena seufzt tief und sieht ihm hinterher.
Die Anderen lachen gutmütig.
Die eiserne Tür wird zugeschoben und verriegelt und der Rest der Nacht verläuft ohne Störung.
Der Morgen dämmert bereits, als die Zugtür sich erneut öffnet.
Die Rampe wird vorgeschoben und ein Mann tritt in den Waggon.
Hohohoooo!“ treibt er die Kühe an.
Martha, die Eulenspiegel am nächsten ist, flüstert ihm zu.
Nun musst du alleine sehen wie du weiter kommst.
Viel Glück!“
Viel Glück! Viel Glück!“ rufen die Kühe und für den Mann, der vor ihnen die Rampe hinunter geht, hört es sich nur, wie ein vielstimmiges Muhen an.
Unten angekommen, stellt er sich neben seinen Kollegen, der eine Liste in der Hand hält, und beobachtet wie die Kühe eine nach der anderen langsam herunter trotten.
Plötzlich sieht er zwischen den Leibern einen kleinen grauen Esel auftauchen.
Er stößt den Mann neben sich in die Seite.
H Kuddel hast du auch einen Esel auf deiner Liste?“
Nö!“
Jens wendet sich wieder der Rampe zu, doch kein Esel war mehr zu sehen.
Vielleicht hatten ihm seine Augen einen Streich gespielt?



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