Freitag, 10. Mai 2013

Pension Eulenspiegel Fortsetzung 10



Eulenspiegel aber läuft durch den Bahnhof, der um diese Zeit noch menschenleer ist und erreicht die Straße, die ins Dorf führt.
Klick, klack, klick, klack tönen seine kleinen Hufe auf dem geräumten Gehweg.
Sein Magen knurrt vor Hunger und so bleibt er überrascht stehen, als er in einem Garten ein Glashaus sieht hinter dem es grünt und blüht.
Er zwängt sich durch die angelehnte Gartentür und trabt auf das Häuschen zu.
Die Tür steht offen und begeistert macht er sich über den reich gedeckten Tisch her.
Ein entsetztes Kreischen lässt ihn aufblicken.
Ein Mädchen steht an der Tür und ruft laut:
Mama, Mama, ein Esel frisst unser ganzen Pflanzen!“
Erschrocken galoppiert Eulenspiegel auf sie zu, schießt an dem Mädchen vorbei, das in den Schnee purzelt und rast durch die Gartentür.
Er läuft und läuft, bis er das Geschrei hinter sich nicht mehr hören kann.
Er hat das Dorf schon längst hinter sich gelassen und vor ihm breitet sich eine weite weiße in Schnee gehüllte Fläche aus.
In der Ferne sieht er etwas Buntes leuchten und neugierig trabt er darauf zu.
Auf einer großen geräumigen Fläche steht ein riesiges Zelt und daneben sind einige bunte Wohnwagen aufgereiht.
Etwas abseits davon steht noch ein kleineres Zelt.
Der Platz ist menschenleer und mutig geworden trottet Eulenspiegel auf das große Zelt zu und wendet sich enttäuscht ab, als er nur leere Holzbänke darin vorfindet.
Als er sich dem zweiten Zelt nähert, steigt ihm der vertraute Duft nach Stall in die Nase.
Hier ist er richtig.
Vorsichtig streckt er seinen Kopf hinein und erblickt zwei edle schwarze Pferde und mutig tritt er näher.
Erschreckt zuckt er zusammen, als plötzlich ein seltsames Tier mit einem ohrenbetäubendem Kreischen sich auf seinen Rücken schwingt und wild die gelben Zähne fletscht und ihn an den Ohren zieht.
Erschrocken macht der Esel einen Luftsprung und galoppiert durch das Zelt.
Wütend schüttelt er sich, um das lästige Ding auf seinem Rücken los zu werden.
Die beiden Pferde wiehern vergnügt, der Ziegenbock meckert begeistert, die Hunde springen vor Vergnügen am Gitter hoch und das Pony fletscht grinsend die Zähne.
Durch den Lärm angelockt kommen die Zirkusleute angelaufen.
Lachend bleiben sie am Eingang stehen.
Ein dicker Mann tritt hinter sie.
Was ist denn hier los?“
Sehen sie selbst, Direktor Quirin,“
grinst Don Fernando und tritt zur Seite, um den Zirkusdirektor vorbeizulassen.
Nun muss auch dieser grinsen.
Befreit den armen Kerl von Gina,“ lacht er.
Kasimir, der Clown versucht an den bockenden Esel heran zu kommen und schnappt sich schnell das Schimpansenweibchen.
Gina, Gina, behandelt man so einen Gast, schäm dich,“ tadelt er.
Der Affe fletscht nur seine Zähne und stößt seltsame Laute aus.
Don Fernando hat inzwischen seine Pferde beruhigt, Angela, die Seiltänzerin redet beruhigend auf die Hunde ein und Herrman der Ziegenbock frisst wieder weiter, nachdem es nichts mehr zu sehen gibt.
Muck und Puck, die Liliputaner aber gehen vorsichtig auf den völlig verängstigten Esel zu und stoßen lockende Laute aus.
Und Eulenspiegel gewinnt langsam Vertrauen zu den beiden Menschen, die nicht größer sind als er.
Direktor Quirin, der die Drei beobachtet hat, meint:
Bringt ihn zu Gerlinde in die Box und gebt ihm zu Fressen und zu Trinken.“
Das Pony wiehert begrüßend, als Eulenspiegel noch immer zitternd in seine Box kommt.
Der arme Kerl hat sich wohl verlaufen und das bei der Kälte und dann musste ihn Gina auch noch erschrecken,“ meint der Direktor mitleidig und wendet sich an Kasimir.
Nimm den Schimpansen mit in deinen Wohnwagen.“
Der Clown verzieht das Gesicht und stöhnt:
Als ich Gina das letzte Mal in meinem Wohnwagen hatte, da hat sie mit meiner Schminke die ganzen Wände verschmiert.“
Ich nehme sie mit, bei mir kann sie nur mit den Gewichten spielen und keinen großen Schaden anrichten,“ meint Samson der Muskelmann gutmütig.
Bevor der Direktor das Zelt verlässt wirft er noch einen nachdenklichen Blick auf den Esel.
Wenn ihr heute im Dorf die Reklamezettel verteilt, erkundigt euch, ob jemand einen Esel vermisst.“
Doch niemand vermisste einen Esel und Patrick war weit weg.
So blieb Eulenspiegel bei dem Zirkus und fühlte sich bei der kleinen großen Zirkusfamilie sehr wohl.
Als Hieronimus zum Zirkus kam durfte er mit dem Kasperle und Kasimir eine neue Nummer einstudieren und das Lachen und Jubeln der Kinder war seine größte Freude.
Er war dabei, als die kleine Zirkusfamilie den Kasperle zu dem großen Schiff begleitete, das ihn zur Puppeninsel bringen sollte.
Nun trat Fridolin anstelle von Hieronimus mit Kasimir und Eulenspiegel auf.
Und so vergingen sechs Jahre, in denen es dem Esel gut ging, bis zu dem Tag, an dem ein wütender Sturm das große Zirkuszelt zerstörte und wieder einmal hatte Eulenspiegel eine Heimat verloren.


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