Sonntag, 14. Juli 2013

Der Brief aus New York






Inzwischen sind zwei Jahre vergangen.
Uschi schipperte durch die Welt und ich lebte glücklich und zufrieden mein Leben.
Ich liebte meinen Beruf, hatte eine wunderbare Familie und vier entzückende Neffen.
Während der Woche ging ich mit einer Arbeitskollegin, die auch alleinstehend war (heute nennt man das ja wohl Single) ins Theater, ab und zu ins Kino oder chinesisch Essen.
Am Wochenende genoss ich die Kochkunst meiner Mutter, oder ich besuchte abwechselnd meine Schwestern und verwöhnte meine Neffen.
Langeweile kannte ich nicht und war glücklich.
Ans Heiraten dachte ich nicht, da für mich ja nur die große Liebe infrage kam.
Ich konnte nämlich das hautnah bei meinen Eltern
erleben, die 1944 geheiratet hatten und die sich immer noch liebten.
Dann kam ein Brief aus New York!
Uschi schrieb:
Lore, ich habe einen Matrosen kennen gelernt, der ist so lieb und nett, wie du und ihr würdet so gut zusammen passen.
Er bekommt nur Post aus Straßburg von seiner Mutter.
Du schreibst doch so gerne.
Schreib ihm doch.
Ich habe ihm von dir erzählt.
Überleg`s dir!“
Sofort tat der arme Mann mir leid und mit der nächsten Post an Uschi legte ich auch einen Brief für ihn dazu.
Und nun entspann sich ein reger Briefwechsel, erst zögernd, dann immer mehr, zwischen uns beiden.
Einige Monate später bekam ich einen Anruf aus Straßburg:
Hallo, Lore, ich bin bei meiner Mutter auf Urlaub, darf ich dich besuchen.“
Am nächsten Tag schon holte ich ihn vom Bahnhof ab und er drückte mir einen Koalabär in den Arm, den ich heute noch habe.
Er hatte ihn mir aus Australien mitgebracht.
Und was soll ich sagen, Amor muss in der Nähe gewesen sein, denn mich durchfuhr es wie der Blitz.
Ein Jahr später waren wir verheiratet und drei Jahre später kam unser Wunschkind Claudia und machte unser Glück perfekt.
Und auch wenn unser Lebensschiff manche Klippen

umsegeln und manchem Sturm trotzen musste, unsere Liebe hat gehalten und ist mit der Zeit noch inniger geworden.
Zur Zeit machen wir eine schwere Zeit durch, da mein Mann an Krebs erkrankt ist.
Aber wir sind nicht traurig, wir genießen die gemeinsame Zeit und sollte er einmal vor mir gehen müssen, so werde ich ihn so in Erinnerung behalten wie er ist:
Ein lieber, herzensguter Ehemann und Vater.

Als meine Tochter ungefähr vier Jahre alt war, da sagte sie:
Wenn die Mama nicht so einen lieben Mann geheiratet hätte, dann hätte ich nicht so einen lieben Papa!“

Kindermund tut Wahrheit kund.





Kommentare:

  1. Das ist so eine schöne und auch noch wahre romantische Liebesgeschichte, liebe Lore,
    danke, dass wir teilhaben dürfen an deinen Erinnerungen. Euch beiden wünsche ich noch eine lange Zeit miteinander, ganz herzliche Grüße an deinen Seemann

    Regina

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  2. Liebe Lore,
    das ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, die ich leider erst jetzt bei Dir entdeckt habe. Schon damals konntest Du die Menschen mit Deinem Geschriebenen verzaubern, aber auch mit Deiner netten Art.
    LG
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.