Dienstag, 9. Juli 2013

Gedanken über die Freundschaft

Als wir in der Schule die „Bürgschaft“ von Schiller durchnahmen, war ich total begeistert.
Als träumerisches Kind, das noch voller Ideale steckte war ich fasziniert von dem bedingungslosen Vertrauen der Freunde zueinander.
Und insgeheim wünschte ich mir, dass auch ich so einen Freund finden möge.
Die Zeit lehrte mich, dass die Menschen menschlich sind und Freundschaft nicht idealisiert werden kann.
Aber:
Vor kurzem musste mein Mann plötzlich ins Krankenhaus und sich einer schweren Operation unterziehen.
Und ich erfuhr auf wunderbare Weise was Freundschaft bedeutet.
Eine Welle von Hilfsbereitschaft, Zuspruch und Trost wurde mir gespendet und ich fühlte mich nicht mit meinem Kummer allein gelassen.
Da war ein wunderschönes herrliches Gefühl.

Im Laufe eines Leben begegnet man vielen Freunden und verliert sie auch wieder.
Ich denke mal in jedem Lebensabschnitt begleitet einen ein guter oder mehrere Freunde.
Am leichtesten ist die Kinderfreundschaft.
Man spielt zusammen, streitet sich und ist bald wieder versöhnt.
Die Teenager - Freundschaft ist wohl schon etwas komplizierter besonders bei Mädchen, und ganz besonders wenn die Liebe dazwischen kommt.


Ich hatte eine Freundin vom Babyalter an bis sie heiratete, dann war es plötzlich zu Ende.
Unsere Eltern waren befreundet und so wuchsen wir buchstäblich miteinander auf.
Sie liebte es , wenn ich meine Fantasiegeschichten spann.
Wenn die Familie bei uns zu Besuch war, durften wir zusammen in einem Bett schlafen und sie konnte nie genug bekommen von meinen Geschichten.
Auch sonst unternahmen wir viel gemeinsam.
Als sie dann ihren späteren Mann kennenlernte
nahmen die zwei mich als „Anstandswauwau“ mit in den Urlaub.
Schon im Urlaub benahm er sich mir gegenüber rüpelhaft und fuhr mich so an, dass ein älteres Paar das im selben Hotel wohnte, Mitleid mit mir bekam.
Er sollte mir nämlich die ersten Schritte auf den Ski beibringen, doch er zeigte eine dermaßen Ungeduld mit mir, dass ich das Ski fahren ganz aufgab und nur noch spazieren ging.
Meine Freundin grinste nur verlegen.
Ich fühlte mich in diesem Urlaub überhaupt nicht wohl
Nach der Hochzeit war eine jahrelange Freundschaft zu Ende.
Vielleicht war ich ein wenig traurig, aber im Leben muss man von so vielen Dingen Abschied nehmen.


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Meine allerbeste Freundin war meine ältere Schwester.
Leider ist sie vor zwanzig Jahren mit 48 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.
Sie kann mir niemand ersetzen.

Freunde gehen, Freunde kommen.
Und immer wieder treten neue Freunde in unser Leben.
So habe ich vor ungefähr zwei Jahren eine Freundin gefunden, die wie ein siamesischer Zwilling für mich ist, und wir verstehen uns auch ohne Worte.
Ich hoffe, dass sie mich auf meinem letzten Lebensabschnitt, den ich dem Schreiben widmen möchte, begleitet.
Wer Freunde hat ist niemals allein!


Morgen erzähle ich euch von einer Freundschaft, die bereits seit vierzig Jahren besteht und die mir meinen Mann beschert hat.