Dienstag, 2. Juli 2013

Tumult im Märchenwald Fortsetzung 2


Ach da hinten war das Haus von Rotkäppchen und ihrer Familie.
Das kleine Mädchen deckt gerade auf der Terrasse den Tisch und ihr Mutter kommt eben mit der dampfenden Kaffeekanne, ihr folgt der Jäger, der inzwischen Rotkäppchens Stiefvater ist.
Frau Sonne sieht der glücklichen kleinen Familie ein wenig beim Frühstücken zu, dann wandert sie weiter.
Sie kommt nun tiefer in den Wald und steht bald über dem Häuschen von Rotkäppchens Großmutter.
Türen und Fenster stehen weit auf und ein leckerer Duft dringt nach draußen.
Man hört eine zittrige Altfrauenstimme ein Liedchen singen.
Bald kommt die Großmutter in den Garten und hält eine Schüssel mit Haferbrei, der noch dampft, in den Händen.
Vorsichtig geht sie den Weg in den Wald zu einer Stelle, an der die sieben Geißlein gerade den Wolf ärgern.
Eines nach dem anderen nimmt Anlauf und springt mit allen Vieren auf den alten Wolf, der bei jedem Sprung schmerzlich stöhnt, und ziehen ihm die Ohren lang.
Die Großmutter verjagt die Geißlein.
Diese verstecken sich kichernd hinter einem Gebüsch.
Dort wollen sie warten, bis die Großmutter weg ist, um dann den Wolf erneut zu ärgern.
Diese stellt die Schüssel auf den Boden und gierig schlabbert der alte Meister Isegrimm die Schüssel leer.
Laut rülpst er und hinter den Büschen kichern die Geißlein.
Dake, as ar ecker,“ (Danke, das war lecker) nuschelt er denn er hat keinen einzigen Zahn mehr im Maul.
Der Elfenkönig hatte ihn nicht verbannt für seine bösen Taten, sondern sämtliche Zähne entfernt.
Wie er so da steht kann man wirklich Mitleid mit dem Häufchen Elend bekommen.
Misstrauisch schielt er ins Gebüsch und auch die Oma wirft einen strengen Blick hinüber.
Geht nach Hause, eure Mutter wartet sicher schon, für heute ist die Spielstunde vorbei!“ fordert sie die Geißlein auf.
Etwas widerwillig gehorchen die Kleinen.
Der Wolf streckt seinen Rücken.
Die kleinen Hufe der Geißlein können ganz schön weh tun.
Dake, iebe oschutter, enn isch eine ähne osch ätte, ann önnte isch isch fffereidigen und sssie ein enisch schicken.“
(Danke liebe Großmutter, wenn ich meine Zähne noch hätte, dann könnte ich mich verteidigen und sie ein wenig zwicken.)
Papperlapapp , du würdest sie nicht nur zwicken, sondern gleich auffressen.
Ich kann es ihnen nicht verdenken, dass sie wütend auf dich sind und es dir jetzt heimzahlen, da du nur noch ein zahnloser Grummelgreis bist.“
Der Wolf senkt beschämt den Kopf.
disch und ass odkäppchen abe isch och auch gefeschen, aaruum bisch du ann nischt öse ausch misch?“
(Dich und das Rotkäppchen habe ich doch auch gefressen, warum bist du dann nicht böse auf mich?)
Ach weißt du ich bin alt und habe schon viel gesehen und außerdem sollte man die kostbare Zeit nicht mit Hass und Zorn verbringen. Was vorbei ist ist vorbei, du bist jetzt ein lieber Wolf, wenn auch nicht ganz freiwillig.
Außerdem bin ich sehr einsam und da kann ich mich doch ein wenig um so einen zahnlosen alten Wolf kümmern.
Komm, wir wollen ein wenig spazieren gehen.“
Zufrieden trabt der alte graue Wolf neben der Oma durch den Wald.
Schmunzelnd wandert Frau Sonne weiter.


Fortsetzung folgt

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