Samstag, 3. August 2013

Die abenteuerliche Reise im Ballon Fortsetzung 17

Sie fragen im Obdachlosenheim, im Krankenhaus, im Pfarrhof, doch niemand kann sich an den alten Mann erinnern.
Auf dem Fischmarkt holen sie sich Matjesbrötchen und schlendern hinunter zum Strand und ruhen sich in den Strandkörben aus.
Fridolin füttert den Papagei mit einigen der Körnchen, die sie aus der Zoohandlung mitgebracht haben.
Hieronymus beißt lustlos in sein Brötchen, dann verfüttert er den Rest an eine Möwe, die
in der Nähe herumlungert.
Peter malt Kreise mit dem Fuß in den Sand und auch die beiden Mädchen sitzen still und traurig da.
Ein leichter Wind lässt das Meer kräuseln und den Sand zu ihren Füßen aufwirbeln, dann steht Luftikus vor ihnen.
Ihr seht nicht sehr glücklich aus?“
Wir wissen nicht mehr, wo wir noch suchen sollen. Es kommt uns vor, als hätten wir die Stadt bereits zweimal durchforscht.
Wir sind am Ende unserer Weisheit,“ meint Vanessa und in ihren Augen blinken Tränen der Erschöpfung.
Luftikus nickt ernst.
Ruht euch aus, ich werde mir mal die Stadt ansehen.“
Und weg ist er!
Als wenn er mehr erreicht, als wir,“ brummt Peter.
Vanessa knufft ihren Bruder in die Seite.
Nun sei nicht ungerecht. Luftikus ist schneller wie wir und kann von oben die Straßen besser überschauen. Vielleicht hat er Glück.“
Peter grinst.
Eigentlich ist er ja gar nicht so übel und lustig ist er auch.“
Ein Windstoß fährt durch sein Haar, ein leises
Lachen ertönt und Luftikus steht wieder vor
ihnen.
Er grinst Peter freundlich an.
Sind wir endlich Freunde?“
Meinetwegen, wenn du in Zukunft meine Haare in Ruhe lässt,“ brummt Peter, muss aber grinsen.
Fällt mir schwer, aber abgemacht,“ lacht der Wind, doch dann wird er ernst.
Ich habe euren Freund gefunden. Es geht ihm sehr schlecht.“
Sie beschließen, dass Angelina und Fridolin mit dem Papagei hier in den Strandkörben auf sie warten und nur die Kinder und das Kasperle dem Wind folgen.
Luftikus führt sie durch mehrere Straßen und dann hören sie schon jemanden entsetzlich husten und eine kreischende Frauenstimme schimpfen.
Als sie in die Straße einbiegen sehen sie einen alten ärmlich gekleideten Mann, der in der Ecke einer Treppe kauert und von einem schrecklichen Hustenanfall geschüttelt wird.
Eine ältere Frau kehrt die Straße und den Staub direkt in die Richtung des Mannes, was seinen Husten noch mehr verschlimmert.
Die Kinder beginnen zu laufen und Peter stellt sich zwischen den Mann und den Besen.
Sehen sie denn nicht, dass der Staub den
armen Mann zum Husten bringt?“
Ich muss schließlich die Straße kehren und der Penner hier soll verschwinden!“ keift die Frau.
Vanessa und Hieronymus knien voller Mitleid neben dem Mann, der immer noch von einem schlimmen Husten geschüttelt wird.
Nur langsam wird es besser und als er jetzt den Kopf hebt und sie aus fiebrig glänzenden Augen anschaut, ruft das Kasperle:
Direktor Quirin!“
Peter dreht sich um und dann kniet auch er neben dem Mann.
Hieronymus umfängt mit beiden Händen das fieberheiße Gesicht seines alten Freundes und während dicke Tränen über seine Wangen kullern, flüstert er:
Bitte mach die Augen auf, liebes Direktorchen, du darfst nicht sterben.“
Die Frau betrachtet auf den Besen gestützt aus zusammengekniffenen Augen die Szene.
Ihr kennt also den alten Landstreicher, dann sorgt gefälligst dafür, dass er vor meiner Haustür verschwindet.
Überall stolpert man über diese Penner, arbeiten nichts und fallen dem Steuerzahler nur zur Last. Eine Schande ist das!“
Sie bekommt keine Antwort.
Nun richtet sie ihr Augenmerk auf das
Kasperle.
Du siehst ja recht komisch aus Kleiner.
Aus welchem Land kommst du denn?
Gehörst wohl auch zu dem Gesindel, das unsere Straßen unsicher macht.“
Nun platzt aber Hieronymus der Kragen.
Mit einem Sprung setzt er über die Beine
seines Freundes und stürmt auf die unfreundliche Frau zu, wobei er die wildesten und fürchterlichsten Grimassen schneidet.
Diese lässt entsetzt den Besen fallen, kreischt:
Hilfe! Überfall!“ und stürmt die Stufen hinauf.
Krachend fällt die Tür hinter ihr zu.
Die Kinder und das Kasperle widmen sich wieder Quirin.
Hieronymus streichelt seine Wange.
Als hätte der Kranke ihn gehört, öffnet er die fiebrig glänzenden Augen und murmelt: „Hieronymus“.
Dann verliert er das Bewusstsein.
Was ist denn hier los?“ ertönt eine sonore Stimme.
Ein junger Mann mit einer braunen Ledertasche steht hinter ihnen.
Mit einem kurzen Blick hat er die Lage erfasst.
Geht bitte zur Seite, ich bin Arzt.“
Er kniet neben dem alten Mann und meint dann.
Der Mann ist schwer krank, ich nehme ihn mit in meine Praxis.“
Ein Polizeiauto biegt in die Straße ein und hält direkt bei ihnen.
Zwei Beamte steigen aus und kommen mit grimmigen Gesichtern auf sie zu.
Dann erkennen sie den Arzt und ihre Gesichter werden freundlicher.
Guten Tag, Dr. Waller! Frau Neumeier hat uns angerufen, sie wäre überfallen worden.
Haben sie etwas Verdächtiges bemerkt?“
Ein Fenster öffnet sich und die griesgrämige Alte steckt ihren Kopf heraus.
Verhaften sie das Gesindel, die haben mich angegriffen!“ keift sie
Hier ist nur ein kranker alter Mann und einige Kinder. Ich denke nicht, dass von denen große Gefahr ausgeht,“ meint der eine Polizist, während der andere leise zu Dr. Waller sagt:
Diese Frau ist fürchterlich, ständig ruft sie bei uns an und beschwert sich. Leider müssen wir jedem Anruf nachgehen.“
Es ist gut, dass sie hier sind. Sie können mir helfen den Mann in meine Praxis zu bringen.“
Die beiden Polizisten nehmen den alten Mann zwischen sich und folgen dem Arzt, während die Kinder und das Kasperle mit gesenkten Köpfen hinterher trotten.
Hinter sich hören sie die keifende Stimme von Frau Neumeier.
Ja, nehmt nur das elende Pack mit und sorgen sie dafür, dass sie sich nie wieder hier blicken lassen!“
Plötzlich kommt ein heftiger Wind auf, bauscht die Vorhänge und legt sie um den Hals der Frau
Während sie noch mit den Gardinen kämpft, wirbelt der Staub von der Straße durch die Luft und fliegt ihr mitten ins Gesicht.
Hustend und prustend schlägt die alte Vettel das Fenster zu, dass die Scheiben klirren.
Vanessa kichert und stößt Peter in die Seite.
Das war bestimmt Luftikus!“
Peter grinst zustimmend.
Neben ihnen ertönt ein leises Lachen, dann ist plötzlich wieder Windstille.
Sie haben ein hübsches Haus inmitten eines großen Gartens erreicht.
Eine junge Frau öffnet die Tür.
Sofort hat sie die Lage erfasst.
Schwester Edeltraud ist noch im Behandlungszimmer,“ erklärt sie ihrem Mann.
Die beiden Polizisten mit dem Patienten folgen dem jungen Arzt und die junge Frau wendet sich an die Kinder.
Habt keine Angst, mein Mann wird alles für
euren Freund tun, was möglich ist. Kommt
doch mit in die Küche.“


1 Kommentar:

  1. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich liebe Luftikus. Die Stelle mit der Gardine hast du so wunderbar geschrieben - und nicht nur die.
    LG Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.