Samstag, 17. August 2013

Ein neuer Hausgenosse - Erinnerungsgeschichte




Zischend schließen sich die Türen des Schulbusses.
Claudia lehnt sich bequem zurück und sieht aus dem Fenster.
Sie achtet nicht auf das Gekreische, Raufen, Lachen und Streiten ringsum.
Ihre Gedanken sind bei gestern Abend.
Herr B., ein Freund ihres Vaters, hatte erzählt, dass sie vor einigen Tagen einen jungen Hund gefunden hätten.
Es handelte sich um eine Dackel-Beagle Mischung und der arme Kerl war von herzlosen Menschen ausgesetzt worden.
Das arme Tier ist nun im Spritzenhaus der Feuerwehr in Scheyern untergebracht und wird von den Feuerwehrleuten abwechselnd „Gassi“ geführt.
Mensch!“ meinte er dann, „ihr habt doch jetzt genügend Platz, das wäre doch was für euch!“
Und tatsächlich, Mutti, die absolut gegen Hunde ist, stimmt zu.
Claudia seufzt tief.
Heute um neun Uhr wollte Herr B. anrufen und Papa hatte versprochen gleich nach Scheyern zu fahren.
Vielleicht wartete der Hund ja schon zuhause.
He, Claudia, willst du heute nicht aussteigen!“
Manuela rüttelt sie an der Schulter.
Schnell rafft das Mädchen die Schultasche und Jacke zusammen und stolpert aus dem Bus.
Unterwegs erzählt sie Manu aufgeregt von dem Hund, der vielleicht schon auf sie wartet.
Und als Frau Platz auf das stürmische Klingeln die Tür öffnet, sieht sie in zwei erwartungsvolle Augenpaare.
Es tut ihr leid, die Kinder enttäuschen zu müssen.
Der Hund hat schon eine liebe Familie gefunden.“
Tschüs!“ Manu läuft nach Hause.
Claudia wirft die Schultasche in die Ecke, kickt die Schuhe hinterher und wirft den Mantel auf die Garderobe.
Seufzend räumt die Mutter hinterher.
Nein! Sie will heute nicht schimpfen.
Sie weiß wie enttäuscht das Kind heute ist.
Da dreht sich Claudia auch schon um und wirft sich ihrer Mutter schluchzend in die Arme.
Als sie sich beruhigt hat, berichtet die Mutter:
Die kleine Tochter eines Feuerwehrmannes hat den Hund so liebgewonnen, dass sie ihren Vater überredet hat, ihn zu behalten.“
Claudia wischt sich die Tränen aus den Augen und schnieft:
Dann bekommen wir also keinen Hund?“
Lächelnd reicht ihr die Mutter ein Taschentuch.
Mal abwarten. Ich habe einige Tierheime in der Umgebung angerufen, aber nur in Neuburg haben sie passende Hund. Papa ist dorthin gefahren.
Er müsste bald zurück sein.“
Es ist klar, dass das Mädchen vom Küchenfenster nicht mehr geht.
Endlich fährt Herr Platz in den Hof. Aber er hat keinen Hund dabei.

Tut mir leid, sie wollten mir keinen mitgeben, da alle Stallhusten hatten.“
Enttäuscht verkriecht sich Claudia in ihr Zimmer.
Ich mache jetzt die Hausaufgaben,“ murmelt sie.
Die Eltern sehen sich an.
Sie hat sich so gefreut,“ seufzt die Mutter.
Nun sie muss auch lernen mit Enttäuschungen fertig zu werden. Wir haben getan, was wir konnten,“ brummt der Vater und verzieht sich mit seiner Zeitung ins Wohnzimmer.
Inzwischen ist es vier Uhr nachmittags.
Als Claudia die Treppe herunter kommt sitze ihr Mutter am Küchentisch und studiert das „Bayrische Taferl“
Ach Claudia, gut dass du kommst. Schau mal wo der Papa ist, ich möchte mit euch etwas besprechen.
Papa grummelt zwar, als seine Tochter ihm beim „Herumwursteln“ in der Garage stört, aber wenn die Mutter ruft, haben alle zu kommen.
(Bitte keinen falschen Eindruck von mir, grins)
Als sie dann alle drei am Küchentisch sitzen berichtet Frau Platz.
Ich habe eben mit Frau M.in Neustadt telefoniert.
Sie hat schwarze Zwergpudel, etwa acht Wochen zu verkaufen. Ein Rüde namens Fernando von Elfenthan wäre noch zu haben. Wollen wir ihn uns anschauen?“
Auja!“ jubelt Claudia.
Langsam Kind. Ein kleiner Hacken ist doch bei der Sache. Der Hund kostet vierhundert Mark.“
Bei diesen Worten sieht sie ihren Mann an.
Dieser schüttelt skeptisch den Kopf.
Vierhundert Mark, so kurz nach dem Umzug.“
Oh Papi, bitte! Ich habe doch noch zweihundert Mark auf dem Sparbuch. Wenn ich das dazu gebe?“
Herr Platz sieht in die bittenden Augen seiner Tochter und wird weich, wie immer.

1 Kommentar:

  1. Liebe Lore,
    ich habe gerade diese liebenswerte Geschichte gelesen. Ich konnte mir die Enttäuschung der kleinen Claudia gut vorstellen, aber auch die Freude, als die liebe Mama ihr einen tollen Vorschlag machte.
    LG und einen angenehmen Tag
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.