Sonntag, 18. August 2013

Ein neuer Hausgenosse - Erinnerungsgeschichte Ende


Na gut, macht euch fertig, wir fahren!“
Die Mutter blinzelt ihrer Tochter verschwörerisch zu und bald sitzen sie im Auto und fahren Richtung Neustadt.
Claudia sitzt auf dem Rücksitz und drückt die Daumen, dass es weh tut.
Hoffentlich klappt es, sie wagt es gar nicht, sich richtig zu freuen, aus Angst, es könnte wieder etwas dazwischen kommen.
Gerade fahren sie durch Bad Göggingen.
Die nächste Ortschaft ist Neustadt.
Frau M. hat Mama den Weg genau erklärt und bald stehen sie vor dem Grundstück.
Während Papa im Auto wartet, gehen Mutter und Tochter an den Zaun, der das Grundstück umgibt und drücken auf die Klingel.
Unten im Garten tollen viele schwarze Hunde herum und ein junger Dobermann löst sich aus dem Rudel und kommt laut bellend den Abhang herauf.
Ein Pfiff ertönt und plötzlich sind alle Hunde verschwunden.
Auch der Dobermann wendet sich ab und jagt in großen Sprüngen hinunter.
Kurze Zeit später kommt ein Mann die grasbewachsene Anhöhe herauf.
Grüß Gott Herr M.. Ich heiße Platz und habe mit ihrer Frau telefoniert und möchte gerne den Rüden Nando kaufen.
Kommen sie herein.“
Herr M.öffnet das Tor und sie folgen ihm hinunter zum Haus.
Von den Hunden ist weit und breit nichts zu sehen, aber im Flur riecht es ein wenig nach Hundepisse.
Herr M.führt sie in ein kleines Wohnzimmer und bittet sie zu warten.
Mama hat natürlich sofort das Bücherbrett über dem Sofa entdeckt und beginnt die Titel zu studieren, während Claudia mit wild klopfendem Herzen zum Fenster hinaus sieht.
Endlich öffnet sich die Tür und Herr M.kommt zurück
mit einer Handvoll schwarzer Wolle.
Vorsichtig setzt er das Pudelchen auf den Boden und sofort verschwindet es unter dem Sofa.
Claudia kniet sich nieder und lockt:
Komm Nando, komm!“
Das kleine Köpfchen spitzt neugierig hinter dem Sofa hervor und das kleine Pfötchen zuckt schüchtern nach Claudias Finger.
Frau Platz hat inzwischen mit Herrn M.das Geschäftliche erledigt und wendet sich an das Mädchen.
Komm Kind, wir können gehen!“
Mit geübtem Griff hebt Herr M.den Pudel hoch und reicht ihn Claudia.
Wickle ihn bitte in deinen Pullover, wir haben ihn gerade gebadet.“
Das Mädchen hüllt das kleine schwarze Wollknäuel vorsichtig in ihre Jacke und trägt es wie einen kostbaren Schatz zum Auto.
Auch Papa ist begeistert, aber natürlich ist er wieder besorgt um sein kostbares Auto.
Leg die alte Decke hin, Claudia, er ist noch nicht
stubenrein.“
Das Mädchen aber nimmt ihren kleinen Schatz auf den Schoß.
Das kleine rote Zünglein leckt eifrig ihre Hand.
Lass doch, das kitzelt!“ kichert das neue Hundefrauchen.
Unterwegs halten sie noch in der Zoohandlung, um einige Dinge für den neuen Mitbewohner einzukaufen.
Dann endlich sind sie zuhause.
Als Frau Platz aus dem Auto steigt, sitzt Claudia mit entsetztem Gesicht auf dem Rücksitz und hebt mit spitzen Fingern das kleine Kerlchen hoch.
Mamiiii! Der Racker hat mich an gepinkelt!“
Die Mutter bekommt einen Lachanfall.
Den Rest des Nachmittags spielt Claudia mit ihrem neuen Freund.
Als es Zeit zum Bett gehen ist, bettelt das Mädchen:
Bitte Mama darf ich ihn mit hinauf in mein Zimmer nehmen?“
Nein!“ Frau Platz schüttelt energisch den Kopf.
Solange er nicht stubenrein ist schläft er in der Küche.“
Nando folgt Claudia bis zur Treppe, das kleine Stummelschwänzchen wedelt erwartungsvoll.
Doch als das Mädchen die Stufen ohne ihn hinauf geht, fiept er kläglich.
Claudia seufzt traurig und beobachtet die tolpatschigen Versuche des kleinen Hundes wie er
versucht die erste Stufe zu erklimmen, mit wehem Herzen.
Immer wieder purzelt der kleine Kerl rückwärts.
Als Claudia in ihrem Zimmer verschwunden ist, gibt er seine verzweifelten Bemühungen auf und tapst zurück ins Wohnzimmer.
Mit bittendem Blick sitzt er neben Mamas Sessel und tippt sie schließlich auffordernd mit der Pfote an.
Lächelnd hebt diese das kleine Bündel auf und zufrieden rollt Nando sich auf ihrem Schoß zusammen und schläft.
Schließlich wollen die Eltern auch zu Bett gehen und Frau Platz legt Nando in sein Körbchen und meint mit strenger Stimme:
So mein Junge, hier wirst du die Nacht verbringen!“
Schnell verlässt sie die Küche.
Doch Pustekuchen!
So schnell können die Eltern gar nicht zur Treppe eilen, da war der kleine schwarze Blitz auch schon hinter ihnen.
Sein klägliches Fiepen verfolgt sie bis ins Schlafzimmer.
Aber noch jemand hört sein verzweifeltes Jaulen,
Claudia!
Sie wartet, bis sie denkt, dass ihre Eltern schlafen, dann schleicht sie leise hinunter und hebt das aufgeregt wedelnde Persönchen auf und trägt es in ihr Zimmer.
Zufrieden kuschelt sich der Hund an das Mädchen und beide schlafen glücklich ein!

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!


 

Kommentare:

  1. Liebe Lore,
    sicher war es eine schöne Zeit für Claudia und Nando, so liebevoll wie du den Beginn einer Freundschaft schilderst. Ich habe erst spät einen Hund gehabt, ich glaube ich war schon 18, als unsere Astrid zu uns kam. Sie war ein lebhafter Cockerspaniel und hat uns viel Freude gemacht.
    Seit ich meinen Mann kenne, haben wir immer Hunde gehabt, einige habe ich schon überlebt und der Abschied tut immer wieder sehr weh. Am längsten hatten wir unsere kleine Jackie, sie ist 14 Jahre alt geworden.
    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag dir
    Regina

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  2. Liebe Lore, jetzt hätte ich fast deine schönen Erinnerungsgeschichten verpasst, weil ich dachte, du machst noch ein wenig Pause. Aber nun habe ich sie entdeckt.
    Als ich ein Kind war, wollte ich auch so gerne einen Hund haben. Doch leider bekam ich keinen. Der Hund des Nachbarn war da ein ganz kleiner Trost.
    Später, als ich verheiratet war, haben mein Mann und ich uns einen Dackel angeschafft. Unseren Charly. Meine Eltern waren nicht so begeistert, als wir das erste Mal mit ihm zu Besuch kamen. Und prompt hinterließ er auch sein großes Geschäft auf dem dortigen Flur.
    Zwei Jahre später wurde unsere Tochter geboren. Als wir sie nach Hause brachten, setzte mein Mann die Tragetasche direkt vor Charlys Nase, damit er sie riechen konnte. Mir wäre fast das Herz stehen geblieben. Doch es war genau richtig so. Von dem Moment an waren die zwei dicke Freunde. Wenn ich meine Tochter wickelte, musste ich dem Hund einen Stuhl neben den Wickeltisch stellen, damit er es sehen konnte. Wenn ich es finde, dann schicke ich dir ein Beweisfoto.
    Liebe Grüße! Martina

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  3. Heute habe ich den 2. Teil gelesen. Also hat Claudia tatsächlich ihr Hündchen bekommen. Wie schön! Es scheint mir, als habe er sich vom ersten Moment an bei Euch wohlgefühlt. Ich kann mir alles genau vorstellen und ich schreibe diesen Kommentar mit einem Lächeln im Gescht, denn ich habe mich mit Euch über den neuen Hausbewohner gefreut.
    LG
    Astrid

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.