Dienstag, 27. August 2013

Griseldis Fortsetzung 7




Früh am nächsten Morgen reitet Ricardo los.
Viele Monate zieht er durch das Land, reitet von einem Ort zum anderen.
Überall wohin er kommt zeigt er das kleine Miniaturbild von Griseldis, das ihm der König mitgegeben hat, doch keiner hat sie gesehen oder weiß wo das Mädchen ist.
Wieder einmal stapft er müde neben seinem Pferd durch einen tiefen Wald.
Leise senkt sich die Nacht herab und wirft ihre Schleier über die Bäume.
Ricardo bemerkt es gar nicht, denn er ist traurig und mutlos.
Erst als sein treues Pferd schnaubt, bleibt er stehen und bemerkt, dass sie direkt vor einem kleinen Häuschen stehen.
Er klopft.
Niemand meldet sich oder öffnet die Tür, dabei sieht er durch den Spalt der Vorhänge eine Licht schimmern.
Vorsichtig drückt er die Türklinke.
Sie gibt nach und er betritt ein sauberes kleines Stübchen.
Ein grüner Kachelofen verströmt wohlige Wärme und auf einem Herd brodelt ein Topf aus dem verführerische Düfte aufsteigen.
Auf einem langen Tisch, der von einer Eckbank umgeben ist, stehen sieben Teller, sieben Bestecke und sieben Gläser.
Doch niemand ist zu sehen.
Etwas ratlos blickt der junge Mann sich um.
Hallo?“
Er sieht hinauf zur Treppe , und betrachtet die sieben Betten die dort im ersten Stock neben einander aufgereiht.
Als er seinen Blick wieder über den gedeckten Tisch streifen lässt, bemerkt er wie das Tischtuch sich bewegt.
Schnell bückt er sich und greift unter den Tisch.
Als er seine Hand zurückzieht, hält er eine rote Zipfelmütze in derselben und vor ihm sitzt ein kleines putziges Männchen und sieht ihn mit vor Angst geweiteten Augen an.
Freundlich grüßt der junge Prinz.
Guten Abend, kleiner Mann.“
Misstrauisch wird er von dem Zwerg gemustert.
Du willst mir nichts tun?“
Lächelnd schüttelt Ricardo den Kopf und zaghaft gibt der Zwerg das Lächeln zurück und langsam verschwindet der furchtsame Ausdruck in seinem Gesicht.
Er kriecht unter dem Tisch hervor und erzählt dem jungen Mann von seinen Brüdern, die im Bergwerk
nach Edelsteinen suchen.
Jede Woche hat einer von ihnen Küchendienst und diesmal ist Purzel, so hat er sich vorgestellt, an der Reihe.
Draußen erklingt nun fröhlicher Gesang und durch die Tür kommen sechs kleine Männchen, die über der Schulter Hacken, Spaten und Seile tragen.
Sie sind etwas erstaunt, als sie den Gast erblicken, aber bald haben sich alle miteinander bekannt gemacht und fröhlich plaudernd wird nun gegessen.
Ricardo erzählt nun dem Verschwinden seiner Liebsten und die Zwerge sind sehr traurig.
Zu gerne würden sie ihm helfen, aber sie wussten nicht wie sie das machen sollten.
Als Purzel weit seinen Mund aufreißt und zu gähnen beginnt, beschließen sie schlafen zu gehen.
Ricardo macht es sich auf einer Decke auf dem Küchenboden vor dem Kamin bequem.


1 Kommentar:

  1. Liebe Lore, es gibt Sätze in deinen Geschichten, um die ich dich beneide, denn es liegt mir nicht, so zu schreiben. Ich finde sie aber wunderschön. Dies ist so einer: 'Leise senkt sich die Nacht herab und wirft ihre Schleier über die Bäume'.
    LG Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.