Donnerstag, 16. Januar 2014

Der gute Kobold Teil 1






In der kahlen Felsenhöhle sitzt Gernot Pfeife rauchend über seiner Zeitung, während seine Frau Huxta Wurzeln schabt.
Die Kinder toben in ihren Zimmern und hänseln, wie so oft, ihren Bruder Mateo.
Rechtsum! Geradeaus! Halt Stillgestanden!“ schallt es auf der Straße.
Gleich darauf klopft es kräftig an der Tür.
Gernot lässt die Zeitung sinken und wechselt einen überraschten Blick mit seiner Frau.
Herein!“
Der Hauptmann der königlichen Garde betritt den kleinen Raum, grüßt zackig und schnarrt seinen Befehl herunter.
Gernot runzelt ärgerlich die Stirn.
Schon wieder Mateo! Nichts wie Ärger habe ich mit dem
Jungen, seit ihr ihn damals zu mir gebracht habt.“
Wütend wirft er seine Pfeife auf den Tisch und geht zur Treppe.
Mateo, komm sofort herunter!“
Ja, Vater, ich komme sofort!“
Leichtfüßig eilt der junge Kobold die Treppe herunter und wird sofort von den Soldaten umringt.
Hilflos blickt Mateo von einem zum anderen.
Was habe ich denn getan?“ fragt er verwirrt.
Doch statt zu antworten, versetzt der Hauptmann ihm einen groben Stoß und schweigend marschieren die Soldaten mit ihrem Gefangenen zum Schloss.
Kuddelmuddel wartet schon ungeduldig und als die Garde mit Mateo den Saal betritt springt er auf.
Der Gefangen erhält einen groben Stoß in den Rücken und landet vor den Füßen des Königs.
Mühsam erhebt er sich und sieht Kuddelmuddel frei und offen ins Gesicht.
Majestät, ihr wünschtet mich zu sprechen?“
Der Koboldkönig presst die Lippen zusammen, sein Gesicht läuft zornesrot an, dann brüllt er.
Ich habe dich gewarnt Bürschchen, das Maß ist voll.
Die Sache mit der Kräuterfrau war dein letzter Streich!
Noch heute verlässt du unser Reich, du bist nicht wert ein Kobold zu sein! Hinaus mit dir!“
Mateo neigt grüßend den Kopf und verlässt das Schloss.
Nachdenklich wandert er die Straße hinunter.
Vor seinem Zuhause bleibt er kurz stehen, dann geht er langsam weiter.
Bald liegt das Koboldreich hinter ihm und er wandert durch einen schönen großen Wald.
Wie schön es hier nach Harz und Moos duftet und wie wunderbar die Sonne durch die Zweige blitzt und den Tau auf den Spinnweben funkeln lässt.
Mateo fühlt sich auf einmal so wohl, als wäre er nach einer langen Reise endlich heimgekehrt.
Zufrieden setzt er sich ins Moos und schließt die Augen.
Tief atmet er den Duft des Waldes ein und lauscht dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel.

1 Kommentar:

  1. Guten Morgen liebe Lore
    Heute bin ich auch wieder mit Deinen Märchen verbunden, habe alles gelesen und freue mich Dich hier begleiten zu dürfen.
    Liebe Grüße Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.