Donnerstag, 6. Februar 2014

Das Findelkind Teil 1




Das Baby verzieht beleidigt das Gesicht und will losweinen, da erscheint über ihm das zottige Gesicht eines Jagdhundes.
Die Kleine kräht fröhlich.
Hektor, sitz!“
Gehorsam setzt sich der Hund und im nächsten Moment beugt sich das bärtige Gesicht des Försters über das Kind.
Na, wen haben wir denn da?“
Vorsichtig hebt der Mann das Kind hoch, das ihn freudig anstrahlt und nach seinem Bart greift.
Mit dem Kind im Arm macht sich der Förster auf den Weg ins Dorf.
Signoria Eposito begegnet ihm, als er gerade auf die Straße zum Dorf einbiegt.
Na Enrico sind sie plötzlich Vater geworden?“
Der alte Mann lacht.
Nein, Signoria, das arme Wurm habe ich im Wald gefunden. Seine Mutter hat es wohl ausgesetzt.“
Ach das arme Ding, geben sie es mir und melden sie es auf der Gemeinde. Ich werde mich um das Kind kümmern.“
Der Förster froh, die Verantwortung los zu sein, eilt zum Rathaus.
Signoria Eposito aber bringt das Kind auf ihren Bauernhof.
Sie ist die reichste Bäuerin im Ort, doch das Glück war nicht hold mit ihr. Nach vielen Fehlgeburten musste sie für immer auf ihren Kinderwunsch verzichten.
Ihre Ehe bestand schon lange nur noch auf dem Papier, denn ihr Mann verachtete sie, weil sie keine Kinder bekommen konnte.
Doch da sie den Hof von ihren Eltern geerbt hatte und er als armer Schlucker eingeheiratet hatte, konnte er es sich nicht leisten sich scheiden zu lassen.
Seine Frau wusste, dass er mit seiner Geliebten einen dreijährigen Sohn hatte, doch sie duldete es stillschweigend.
So lebten sie nur noch neben einander her.

Als Frau Elena in die Stube tritt, schickt sie die Magd gleich weg, um eine Amme zu besorgen.
Beatrice, die Frau des Holzfällers Adriano, der vor kurzem tödlich verunglückt war, hatte eine kleine Tochter zur Welt gebracht und lebte nun in der Hütte bei ihrer alten Mutter.
Beatrice betritt die Stube, bescheiden grüßt sie und deutet auf ein Bündel, das sie dabei hat.
Ich habe ein paar Windeln mitgebracht, Signoria, sicher sind sie nicht darauf vorbereitet.“
Das ist nett von dir, sag doch Anna die Größe, dann kann sie welche beim Kramer besorgen.“
So hält das kleine Findelkind Einzug im größten Bauernhof des Dorfes R.
Ein Bild des Mädchens erscheint in der Zeitung, doch als sich niemand meldete, beschließt die Gemeinde es bei den Espositos zu lassen.
Beatrice übersiedelt als Amme mit ihrem Baby auf den Hof.
Und als Mariella, auf diesen Namen wird der kleine Findling getauft, keine Amme mehr benötigt, arbeitet die junge Frau als Magd auf dem Hof und die beiden Mädchen wachsen zusammen auf.

Kommentare:

  1. Nach so viel Leid wird doch noch alles gut! Danke für die schöne Geschichte!
    Einen schönen Donnerstag wünscht dir
    Martina

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  2. Guten Morgen liebe Lore
    Nun muss das kleine Würmchen nicht elendig verhungern und hat gute Menschen gefunden die sich seiner annehmen.
    Lieben Gruß Joachim

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.