Mittwoch, 19. Februar 2014

Das Findelkind Teil 14



Es ist noch dunkel, als sie am nächsten Tag leise die Treppe hinunter schleicht.
Sie hält an der Schlafzimmertür der Eltern und klopft leise an.
Verena öffnet die Tür, legt den Finger auf den Mund und schlüpft hinaus.
Schweigend gehen sie in die Küche.
Was willst du denn schon so früh?“ fragt ihre Mutter gähnend und schüttet Wasser in die Kaffeemaschine, füllt den Filter mit aromatisch duftenden Kaffeepulver, dann setzt sie sich zu ihrer Tochter auf die Bank.
Vanessa erzählt ihr nun was sie mit den Tieren erlebt hat, von der Bemerkung des Eichkätzchens über das Geheimnis der Elfen und ihrer gestrigen Beobachtung in der Nacht mit dem Mädchen und den Elfen.
Weißt du Mama, irgendwie habe ich das Gefühl, als hätte ich eine Aufgabe hier zu erledigen.
Bereits als die Einladung von Papas Studienkollegen kam, den er all die vielen Jahre nicht mehr gesehen hat, beschlich mich ein so komisches Gefühl, als würde hier eine Aufgabe auf mich warten“
Verena lächelt.
Verlasse dich auf dein Gefühl.
Du willst also in den Wald, um dieses Mädchen zu suchen.“
Irgendwie denke ich, dass sie damit zu tun hat.“
Verena holt sich eine Tasse Kaffee und setzt sich wieder an den Tisch.
Dein Gefühl trügt dich nicht, hier wartet wirklich eine Aufgabe auf dich.
Moira, eine der Schicksalsfrauen hat mich vor unserer Abreise besucht.
Leider darf ich dir nicht verraten, um was es sich handelt, noch darf ich dir helfen.
Es ist allein deine Bestimmung.“
Und Peter?“
Der wird zu gegebener Zeit dich begleiten.“
Verena mustert ihre Tochter, dann fragt sie leise:
Ist es eigentlich schwer für dich und Peter in zwei Welten zu leben?“
Vanessa lacht.
Für Peter bestimmt nicht, für den ist das alles nur ein großes Abenteuer!“
Und für dich?“
Das Mädchen überlegt eine kurze Weile, dann schüttelt es den Kopf.
Nein, ich möchte unser Leben nicht anders.
Tante Lilofee und den Zauberwald, all die vielen Freunde, die wir dort haben.
Auch Tante Viola und die Insel der Einhörner und alle unsere Abenteuer die wir bisher erlebt haben.“
Aber?“
Manchmal ist es schwer, den Menschen in
unserer Umgebung nicht merken zu lassen, dass wir anders sind.
Heute zum Beispiel, woher wir wussten, dass Rigoletto Zahnschmerzen hat.
Ich wäre beinahe im Boden versunken, als Onkel Giovanni meinte, ob der Husky mir das erzählt hat.“
Du hast aber erstaunlich gut reagiert.“ lacht Verena.
Dein armer Papa, er hätte sich vor Schreck beinahe verschluckt.“
Die beiden kichern.
Ihr sein aber schon früh auf und schon so munter.“
Francesca steht in der Küchentür und reibt sich verschlafen die Augen.
Haben wir dich geweckt?“
Nein, nein, mein Bambino lässt mich nicht schlafen, es stößt mit den Füßen, als wolle es Samba tanzen.
Aber warum ihr denn schon wach sein?“
Ach Vanessa will ein wenig die Gegend erforschen, bevor es zu heiß wird.“
Oh, dann du musst mangiare mitnehmen. Ich machen dir.“
Nicht doch,“ wehrt Verena ab, “ setz` dich, ich kenne mich doch inzwischen hier aus.“
Danke, wenn du meinst, dann ich gehen zurück und wecken Giovanni, er muss mir den Rücken massieren.“
Beide Hände auf den schmerzenden Rücken gepresst, schlurft sie hinaus.
An der Tür dreht sie sich noch einmal um.
Ich haben gestern noch einen Mandelkuchen gebacken, gib Vanessa auch etwas mit davon.“
Als sie verschwunden ist, streicht Verena ihrer Tochter über den Kopf.
Vielleicht müssen wir manchmal kleine Notlügen benutzen, um uns zu schützen, aber du siehst ich halte mich immer so nah wie möglich an der Wahrheit.
Und wir schaden doch niemand, oft können wir ja sogar helfen, so wie dem Husky.
Oder denk doch nur an euer letztes Abenteuer, als ihr Direktor Quirinn fast sterbend auf der Straße gefunden habt und heute lebt er putzmunter und glücklich bei Meister Martin und Hieronymus auf der Puppeninsel.“
Vanessa umarmt ihre Mutter.
Ich hole meinen Rucksack!“
Aber sei leise.“
Verena nimmt aus dem Kühlschrank Schinken, Mozzarella, Tomaten, Gurken, Salat und Butter.
Gemeinsam belegen sie nun die Brote und verstauen alles in Plastikdosen.
Hat Tante Francesca nicht von einem Kuchen gesprochen?“
Sie finden ihn im Vorratsraum und auch davon kommt ein großes Stück in eine Plastikdose.
Als Vanessa den Rucksack schultert, stöhnt sie.
Der ist aber schwer!“
Denkst du es geht noch eine Flasche Limonade hinein.“
Auch diese findet noch Platz, dann umarmt Vanessa ihre Mutter und marschiert los.


Kommentare:

  1. Guten >Morgen liebe Lore
    Na dann lös! Wird die Suche erfolgreich sein und wendet es sich dann zum Guten?
    das glaube ich bestimmt.
    Lieben Gruß Joachim

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  2. In zwei Welten leben - mir scheint, dass gelingt auch dir, denn es
    gibt einmal deine reale Welt und zum anderen die Märchenwelt.
    Heut bin ich ein bisschen später dran - ging mir nicht so gut!
    LG Martina

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.