Donnerstag, 20. Februar 2014

Das Findelkind Teil 15



Als sie sich dem Wald nähert, wird sie von einem Huhn überholt, das laut gackernd an ihr vorbeiläuft.
Kopfschüttelnd sieht das Mädchen ihm nach und automatisch folgt sie dem lauten Gegacker.
Sie findet die Henne mitten im Moos und als sie sich nähert, schlägt sie wild mit den Flügeln und reckt kampfeslustig den Kopf.
Mit wild rollenden Augen zischt sie.
Bleib weg, das Ei ist nicht für dich bestimmt!“
Vanessa hört hinter sich ein Rascheln und sieht ein barfüßiges Mädchen weg rennen.
Halt, warte doch!“
Vanessa läuft ihr hinterher.
Die Henne aber verlässt ihr Nest und rennt nach Hause.
Ein Eichkätzchen flitzt den Baum herunter, nimmt das Ei vorsichtig ins Maul und folgt den beiden Mädchen.
Vanessa hat inzwischen eine Höhle erreicht und staunt, als sie eintritt.
Das war ja eine richtige kleine Wohnung.
In der Ecke liegt ein Haufen Heu mit einer alten Decke darauf und dient wohl als Bett.
Alte Kisten sollen wohl Tisch und Stühle darstellen und in der Mitte gibt es sogar eine mit groben Steinen eingefasste Feuerstelle.
Von dem Mädchen keine Spur.
Vanessa glaubt leises Atmen zu hören und geht
weiter in die Höhle hinein.
Das Mädchen kauert in der hintersten Ecke und starrt ihr mit ängstlichen weit aufgerissenen Augen entgegen.
Vanessa lächelt sie beruhigend an.
Du musst keine Angst vor mir haben, ich werde dir nichts tun und dich auch nicht verraten.“
Du bist das Mädchen aus dem Fenster!“ ruft die Kleine plötzlich und steht nun auf und kommt näher.
Ja und ich habe dich gesucht. Ich bin Vanessa.“
Sie streckt ihr die Hand hin und das Mädchen schlägt ein.
Ich bin Mariella, aber bitte du darfst niemanden erzählen, dass du mich gesehen hast, sonst stecken sie mich ins Armenhaus.“
Ich werde dich nicht verraten, aber willst du mir nicht erzählen, was geschehen ist?“
Währenddessen sind sie in den vorderen Teil der Höhle gelangt und sehen nun das Eichkätzchen mit dem Ei im Maul.
Mariella läuft lachend los und nimmt es ihm ab, dann streicht es liebevoll über sein Fell.
Danke!“
Das Eichkätzchen wendet sich um und verschwindet nach draußen.
Ach die Tier sind so lieb, seit ich hier bin versorgen sie mich.
Jeden Morgen kommt ein Huhn und legt mir ein frisches Ei vor die Tür.
Ganz früh am Morgen kommt eine Kuh, und
wenn sie mal nicht kann dann eine Ziege, aber die ist nicht sehr nett und lässt mich kaum an ihr Euter ran.“
Das ist Noemi,“ lacht Vanessa.
Du kennst sie? Ach ja die Tiere sind ja alle vom Anwesen Markese, bei denen du zu Besuch bist.“
Vanessa gibt keine Antwort und sieht sich suchend um.
Hast du ein Gefäß in dem du das Ei kochen kannst?“
Mariella eilt davon und kommt mit einem verbeulten Kochtopf mit Wasser zurück und einer alten verbeulten Milchkanne randvoll mit Milch.
Also war Sofia, so heißt die Kuh heute morgen schon da.“ lächelt Vanessa.
Mariella nickt.
Da hinten ist eine Quelle und ich habe dort meine Vorratskammer weil es schön kühl ist.“
Dann sieht sie betroffen auf die Feuerstelle.
Ojeh, ich kann gar kein Feuer machen, das machen sonst immer die E...“
Erschrocken verstummt sie und wird blutrot.
...Elfen,“ vervollständigt Vanessa ihren Satz und kramt in der Seitentasche ihres Rucksacks.
Dann hat sie gefunden, was sie sucht, Streichhölzer.
Lächelnd reicht sie die Packung Mariella.
Ich kann auch manchmal Elfen sehen, aber ich spreche nicht gern darüber, denn nicht jeder kann es verstehen.“
Marielle nickt eifrig.
Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich auch ich würde träumen.“
Wo sind sie denn zur Zeit?“
Das Mädchen zuckt die Schultern.
Sie sind oft unterwegs, aber sie spüren wenn ich sie brauche und kommen dann zu mir.“
Mariella hat nun alles für ein Feuer vorbereitet und zündet es an, dann legt sie ein eisernes Gitter darüber und stellt den Topf mit dem Wasser darauf.
Vanessa sieht ihr interessiert zu.
Toll, wie ein richtiger Ofen.“
Mariella grinst.
Man wird erfinderisch, wenn man allein auf sich gestellt ist.“
Dann tritt sie näher und betrachtet staunend alle die Leckereien, die Vanessa inzwischen ausgepackt hat.
Gemeinsam teilen sie sich nun das gekochte Ei. Trinken aus derselben zerbeulten Tasse die heiße Milch und dann schmausen sie von all den Herrlichkeiten, die Vanessa mitgebracht hat.
Besonders bei dem Kuchen verdreht Mariella entzückt die Augen.
Die Reste werden wieder in den Dosen verstaut und hinten bei der Quelle gelagert.
Die Sonne steht inzwischen schon am Firmament und verteilt ihre verschwenderische Wärme über dem Land.
Die zwei Mädchen setzen sich an den Bach unter einen schattenspendenden Baum und hängen ihre Füße ins Wasser.
Vanessa erzählt von ihrer Familie, den Großeltern, den Zwillingen und ihrem Bruder.
Nur die zauberische Verwandtschaft erwähnt sie nicht.
Und nun erzählt auch Mariella, die inzwischen großes Vertrauen zu Vanessa gefasst hat, ihre Geschichte.
Als es ihnen zu heiß wird ziehen sie sich in die Höhle zurück.
Inzwischen sind sie richtig gute Freundinnen
geworden.
Und als Vanessa gegen Abend dann aufbricht, verspricht sie morgen wieder zu kommen und fragt was sie denn mitbringen soll.
Schüchtern fragt Mariella, ob sie vielleicht ein Stückchen Seife hätte.
Vanessa verspricht es, umarmt sie zum Abschied und macht sich auf den Heimweg.

Kommentare:

  1. Liebe Lore
    Heute ist es spät geworden um Deine Geschichte, die heute ergreifend ist zu lesen.
    Bei mir war heute <Morgen ziemlich Stress, aber nun ist es ruhiger gewirden.
    Wünsche einen schönen tag und liebe Grüße von Joachim

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  2. Liee Lore,
    ich will mich auch melden. Ich lese täglich deine
    Geschichte mit großem Vergnügen. Sie ist so spannend
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.