Freitag, 7. Februar 2014

Das Findelkind Teil 2




Siebzig Kilometer entfernt in einer billigen Absteige sitzt ein Mann am Küchentisch und studiert mit gerunzelter Stirn die Zeitung.
Er wirft einen finsteren Blick auf die junge Frau, die mit dem Rücken zu ihm an der Spüle steht.
Was hast du eigentlich mit dem Balg gemacht.“
Unmerklich spannt die junge Frau die Schultern an, dann meint sie lachend.
Es hat auf einmal zu atmen aufgehört und ich habe es im See entsorgt. Warum fragst du?“
Weil hier ein Findelkind gefunden wurde.“
Sie kommt näher und beugt sich über die Zeitung.
Das ist niemals unsere Kleine. Sieh doch die billige Kleidung und da...,“ sie deutet auf eine Zeile, „sie schreiben das Kind hat ein Muttermal auf der rechten Pobacke in Form eines Sterns“
Sie selbst hat das abwaschbare Tattoo angebracht, doch bis das heraus kam, wären sie schon weit weg.
Immer noch misstrauisch knüllt er die Zeitung zusammen.
Trotzdem ist es besser wir verschwinden, pack unsere Sachen zusammen.“

Wenig später sind sie auf der Autobahn und wie immer fährt er viel zu schnell und es gibt deswegen einen Streit zwischen ihnen.
So übersieht er, dass sein Vordermann plötzlich bremsen muss und rast auf das Auto drauf.
Der Wagen überschlägt sich und schlittert über die Fahrbahn, prallt gegen die Leitplanke, kommt wieder auf die Räder und der Kofferraum springt auf.
Eine bunte Reisetasche fliegt in hohem Bogen heraus und landet mitten auf der Fahrbahn.
Durch den Aufprall öffnet sich die Tasche und eine Unmenge von Geldscheinen ergießt sich auf die Autobahn.
Wie es später hieß, bei dem tödlich verunglücktem jungen Paar handelt es sich um die Entführer der kleinen Baroness Evangelina di Graziano.
Von dem Baby fehlt jede Spur, wahrscheinlich hatten sie es umgebracht und irgendwo verscharrt.
Die Baronin di Graziano erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde von ihrem Mann in ein Schweizer Sanatorium gebracht.


Die Elfen schwirren um den Stamm der Buche und beginnen Ästchen und Moos auf den Boden zu werfen.
Was macht ihr da?“
Eine Frau in weißem schlichtem Kleid mit weißen silbrig glänzenden Haaren, die weit über ihre Hüfte fallen erscheint neben dem Baum.
Die Frau ist doch tot und kann die wahre Herkunft des kleinen Mädchen nicht mehr offenbaren, deshalb wollen wir, dass die blaue Kiste gefunden wird,“ erklären die Elfen.
Moira, die Schicksalsfrau schüttelt lächelnd den Kopf.
Ihr meint es gut, doch die Zeit ist noch nicht reif. Ihr dürft das Schicksal nicht ändern, indem ihr eingreift.“
Sie hebt die Hand und Moos und Aststückchen schweben zurück in die Lücke im Baum.
Dann streicht Moira über den Stamm und murmelt:
Hüte dein Geheimnis, bis die Zeit reif ist.“
Zu den Elfen gewandt, die mit enttäuschten Gesichter auf dem untersten Ast der Buche sitzen sagt sie ernst.
Bleibt immer in der Nähe des kleinen Mädchens, passt auf sie auf und behütet sie. Eines Tages wird sie eure Hilfe brauchen.“


Kommentare:

  1. Mensch, Lore, das ist eine wahrlich tolle Geschichte. Man ist schon ganz gespannt, wie es weiter geht! LG Martina

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  2. Liebe Lore
    Wie so oft eine wunderbare traurige und spannende Geschichte
    Lieben gruß Joachim

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  3. Liebe Lore,
    wenn ich auch in letzter Zeit nicht immer kommentiert habe,
    so lese ich deine Geschichten mit großem Interesse und
    freue mich immer auf die Fortsetzungen.
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht dir
    Irmi

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Für die lieben Kommentare möchte ich mich bedanken, ich freue mich über jeden einzelnen, auch wenn ich nicht immer dazu komme, sie zu beantworten.